Taiwan-Kätzcheneibe (Amentotaxus formosana)
Amentotaxus formosana: Die seltene Kätzcheneibe
In den nebelverhangenen Schluchten des südlichen Taiwans überdauert ein lebendes Fossil die Jahrtausende im Verborgenen. Die Nadeln der Amentotaxus formosana überraschen auf ihrer Unterseite mit zwei markanten, schneeweißen Bändern, die im dichten Unterholz schimmern.
Diese äußerst seltene Koniferenart gedeiht ausschließlich in den feuchten Nebelwäldern der Hengchun-Halbinsel, wo sie sich an steilen Klippen festkrallt. Heute zählt diese evolutionär isolierte Eibe zu den am stärksten bedrohten Pflanzen der Erde.
Nur wenige hundert ausgewachsene Exemplare trotzen in der Wildnis den verheerenden Taifunen und Erdrutschen. Ihre extrem langsame Wachstumsrate erschwert die natürliche Regeneration der verbliebenen Bestände zusätzlich.
Taxonomie
- ∟ царство Plantae
- ∟ Abteilung Tracheophytes
- ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
- ∟ Überklasse Gymnospermae
- ∟ Abteilung Pinophyta
- ∟ Unterklasse Cupressidae
- ∟ Ordnung Cupressales (Zypressen und Wacholder)
- ∟ Familie Taxaceae (Eibengewächse)
- ∟ Gattung Amentotaxus (Kätzcheneibe)
- ∟ Art Amentotaxus formosana (Taiwan-Kätzcheneibe)
Morphologie
Amentotaxus formosana wächst als immergrüner Strauch oder kleiner Baum und erreicht Wuchshöhen von up to 10 Metern bei einem Stammdurchmesser von rund 30 bis 36 Zentimetern. Seine Rinde ist glatt, braun und blättert im Alter in dünnen Schuppen ab.
Die ledrigen Nadeln stehen gegenständig an den Zweigen, sind lanzettlich bis leicht sichelförmig gebogen und weisen eine dunkelgrüne, glänzende Oberseite auf. Auffällig sind die zwei breiten, weißen Stomatabänder auf der Nadelunterseite, die aus etwa 30 dichten Reihen von Spaltöffnungen bestehen.
Als zweihäusige Pflanze trägt Amentotaxus formosana männliche und weibliche Blüten auf getrennten Individuen. Die männlichen Zapfen hängen in langen, kätzchenartigen Ähren herab, während die weiblichen Zapfen einzeln stehen und bei der Reife einen rötlich-gelben Samenmantel entwickeln, der den Samen umschließt.
Blütezeit
Die Blütezeit und der Austrieb neuer Knospen erfolgen im Frühjahr ab April, während die Reifung der markanten Samen über ein Jahr in Anspruch nimmt.
Anwendungen
Obwohl die Bestände extrem limitiert sind, wird das dichte Holz von Amentotaxus formosana traditionell für feine Tischlerarbeiten, Möbel und kunstvolles Kunsthandwerk geschätzt.
Gelegentlich findet die Art aufgrund ihres außergewöhnlichen Blattschmucks Verwendung als Ziergehölz in botanischen Gärten Taiwans und Japans. Eine breite Kultivierung scheiterte bisher jedoch an der mangelnden Frosthärte und der schwierigen Vermehrung.
Interessante Fakten
- Die Art gilt als evolutionäres Relikt aus dem Tertiär, das einst weit über Nordamerika und Europa verbreitet war.
- Heute ist das Vorkommen auf ein winziges Refugium im Süden Taiwans geschrumpft.
- Zum Schutz dieser seltenen Konifere wurde 1988 das 86 Hektar große Tawu Amentotaxus Nature Reserve eingerichtet.
- Die geringe genetische Vielfalt der verbliebenen Bäume stellt die Wissenschaft vor große Herausforderungen bei der Erhaltung.
- Der botanische Name leitet sich vom lateinischen Wort amentum für Kätzchen ab und verweist auf die charakteristischen männlichen Blütenstände.
Verbreitungsgebiet
- Taiwan