Blassblütige Tollkirsche (Atropa pallidiflora)

Hyrcanian Belladonna
Silhouette: T. Michael Keesey / Lizenz

Atropa pallidiflora: Die seltene Tollkirsche des Kaspischen Waldes

Unter den schattigen Baumkronen der kaspisch-hyrkanischen Mischwälder im Norden des Irans verbirgt sich eine botanische Rarität. Atropa pallidiflora gedeiht in diesen urzeitlichen Wäldern als extrem giftiger Vertreter der Gattung der Tollkirschen.

Diese Art unterscheidet sich von ihren nahen Verwandten vor allem durch ihre blassen Blüten und ihre strauchartige Wuchsform. Aufgrund ihres Reichtums an pharmakologisch aktiven Tropanalkaloiden besitzt sie eine hohe medizinische Relevanz, birgt jedoch gleichzeitig lebensgefährliche Risiken.

Taxonomie

  • царство Plantae
  • Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • Angiosperms
  • mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • eudicots
  • asterids
  • Ordnung Solanales
  • Familie Solanaceae
  • Unterfamilie Solanoideae
  • Tribus Hyoscyameae
  • Gattung Atropa (Tollkirschen)
  • Art Atropa pallidiflora (Blassblütige Tollkirsche)

Lebendiger Puls

Morphologie

Im Gegensatz zu den meisten krautigen Tollkirschen wächst diese Art als verholzender Strauch mit einer Wuchshöhe von 120 bis 200 Zentimetern. Die vegetativen Pflanzenteile sind völlig kahl, während die unteren Stängel einen charakteristischen Zickzack-Verlauf aufweisen.

Die Blätter und Blüten weisen folgende charakteristische Merkmale auf:

  • Blattform: Eiförmig-lanzettlich mit einer fein zugespitzten Spitze und einer Länge von bis zu 15,5 Zentimetern.
  • Blütenstand: Meist paarweise angeordnete Blüten an drüsig behaarten Blütenstielen.
  • Blütenkrone: Glockig-krugförmig und von schmutzig grünlich-gelber Färbung.

Aus den Blüten entwickeln sich flach-kugelige Beeren mit einem Durchmesser von 7 bis 14 Millimetern. Diese färben sich im frischen Zustand gelb, nehmen im getrockneten Zustand jedoch eine schwärzliche Färbung an.

Anwendungen

Die Pflanze synthetisiert eine Vielzahl hochwirksamer Tropanalkaloide, die in der modernen Medizin geschätzt werden. Diese Substanzen besitzen stark anticholinerge, krampflösende und pupillenerweiternde Eigenschaften.

Aufgrund der extremen Toxizität und der unvorhersehbaren Wirkstoffkonzentration ist jede Form der Selbstmedikation lebensgefährlich. Die Extrakte dienen ausschließlich als Rohstoff für die pharmazeutische Industrie zur Herstellung kontrollierter Arzneimittel.

Interessante Fakten

Der Name der hyrkanischen Wälder leitet sich vom antiken griechischen Wort für das Land der Wölfe ab. Diese Region diente einst als Heimat für den heute ausgestorbenen Kaspischen Tiger, den bereits William Shakespeare in seinen Werken erwähnte.

Die Erstbeschreibung der Pflanze im Jahr 1972 durch Eva Schönbeck-Temesy basierte auf getrockneten Herbarexemplaren, denen die Wurzeln fehlten. Dies führte zu einer lang anhaltenden wissenschaftlichen Debatte darüber, ob es sich tatsächlich um einen echten verholzenden Strauch handelt.

Verbreitungsgebiet

  • Iran
  • Aserbaidschan

Quellen

  • Eva Schönbeck-Temesy: Flora Iranica, Vol. 100 (Solanaceae), 1972.
  • Plants of the World Online (POWO)
  • Global Biodiversity Information Facility (GBIF)

Technische Information

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

Schwarze Tollkirsche

Schwarze Tollkirsche

Atropa bella-donna

Die Schwarze Tollkirsche (Atropa bella-donna) ist eine der bekanntesten Giftpflanzen Europas. Sie vereint faszinierende Mythen …

Gelbe Tollkirsche

Gelbe Tollkirsche

Atropa lutea

Eine seltene, gelbblühende Art aus der Gattung der Tollkirschen (Atropa) innerhalb der Familie der Nachtschattengewächse.

Bitterholzbaum

Bitterholzbaum

Picrasma

Eine Gattung sommergrüner Bäume und Sträucher aus der Familie der Bittereschengewächse, bekannt für ihre ausgeprägte …