Celtis prantlii

Silhouette: T. Michael Keesey / Lizenz

Celtis prantlii: Beschreibung, Lebensraum und Botanik

Celtis prantlii ist ein immergrüner Strauch oder kleiner bis mittelgroßer Baum aus dem Unterholz und den unteren Kronenschichten der feuchten Tropenwälder West- und Zentralafrikas. Die Pflanze zeichnet sich durch glatte, ledrige Blätter mit drei markanten Hauptnerven ab der Basis und kleine Steinfrüchte aus, während ihr Artname den deutschen Botaniker Karl Anton Eugen Prantl ehrt.

Botanisch gehört die Art in die Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae) und wurde 1902 von Franz Priemer und Adolf Engler wissenschaftlich erstbeschrieben. In modernen Florenwerken und Datenbanken wie Plants of the World Online wird das Taxon heute meist als Synonym des weiter gefassten afrikanischen Zürgelbaums Celtis philippensis (oft unter der Varietät Celtis philippensis var. wightii) geführt.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superrosids
  • ∟ rosids
  • ∟ Ordnung Rosales
  • ∟ Familie Cannabaceae (Hanfgewächse)
  • ∟ Gattung Celtis (Zürgelbäume)
  • ∟ Art Celtis prantlii

Lebendiger Puls

Morphologie

Wuchsform und Rinde

Die Pflanze wächst je nach Standort als verzweigter Strauch oder als Baum, der in geschlossenen Waldbeständen meist Höhen von 4 bis 15 Metern erreicht, in seltenen Fällen auch bis zu 20 Meter. Größere Exemplare bilden an der Stammbasis oft kurze, brettartige Wurzelanläufe aus, während die glatte bis fein schuppige Borke eine hellgraue bis graugrüne Färbung zeigt.

Blätter und Nervatur

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind ein zuverlässiges Erkennungsmerkmal im sterilen Zustand. Sie besitzen eine derbe, fast ledrige Textur und weisen im Detail folgende Eigenschaften auf:

  • Die Blattspreite ist elliptisch bis eiförmig-länglich geformt, etwa 5 bis 14 Zentimeter lang und endet in einer deutlich ausgezogenen Träufelspitze (Acumen).
  • Vom leicht asymmetrischen Blattgrund entspringen drei kräftige Hauptnerven (triplinerve Nervatur), wobei das seitliche Nervenpaar bogenförmig weit über die Blattmitte hinaus nach oben verläuft.
  • Der Blattrand ist in der unteren Hälfte glatt, zeigt aber im oberen Drittel zur Spitze hin oft einige kräftige, entfernt stehende Zähne oder bleibt vollständig ganzrandig.

Blüten und Früchte

Die unscheinbaren, grünlich-weißen Blüten stehen in kleinen, achselständigen Zymen — kurz gestielten, verzweigten Blütenständen in den Blattachseln. Die Pflanze ist polygamomonözisch, trägt also auf demselben Individuum sowohl rein männliche als auch zwittrige Blüten mit einem oberständigen Fruchtknoten und zwei sitzenden Narbenästen.

Nach der Bestäubung reifen einsamige, eiförmige bis fast kugelige Steinfrüchte heran, die eine Länge von etwa 6 bis 10 Millimetern erreichen. Zur Reifezeit färbt sich das dünne Fruchtfleisch von Grün über Gelb bis hin zu leuchtendem Orangerot und umschließt einen harten, netzartig skulpturierten Steinkern (Endokarp).

Blütezeit

In den feuchten Tropen blüht die Art meist zu Beginn der Regenzeit, oft zwischen Januar und Mai sowie erneut im Spätsommer je nach regionalem Niederschlagsregime.

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Anwendungen

In den ländlichen Regionen West- und Zentralafrikas wird das helle, gelblich-weiße und recht zähe Holz lokal genutzt. Da die Stämme meist nur geringe bis mittlere Durchmesser erreichen, dient es vor allem als Bauholz für Hüttenpfähle, zur Herstellung von Werkzeugstielen sowie als Brennholz und zur Gewinnung von Holzkohle.

In der traditionellen afrikanischen Volksmedizin finden Abkochungen der Rinde und Blätter gelegentlich Verwendung zur Linderung von Fieber und Magen-Darm-Beschwerden. Zudem ist die Art in botanischen Sammlungen und Herbarien ein wichtiges Referenzobjekt zur Erforschung der komplexen Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der tropischen Zürgelbäume.

Interessante Fakten

Feinmechanik unter dem Blätterdach des Regenwaldes

Im dichten, schattigen Unterholz äquatorialer Regenwälder herrscht ein ständiger Überschuss an Luftfeuchtigkeit, gepaart mit heftigen täglichen Tropengüssen. Ein dauerhaft nasser Wasserfilm auf dem Blatt würde den Gasaustausch über die Spaltöffnungen blockieren und die Ansiedlung von Moosen, Flechten und parasitischen Pilzen (Epiphyllen) fördern, die dem Blatt das knappe Restlicht rauben.

Um dieses Problem zu lösen, greifen bei Celtis prantlii mehrere anatomische Details präzise ineinander:

  • Die wachsartige, glatte Kutikula auf der Blattoberseite verringert die Oberflächenspannung des auftreffenden Regenwassers, sodass Tropfen sich nicht flächig ausbreiten, sondern sofort zusammenfließen.
  • Die drei vom Blattgrund ausgehenden, auf der Unterseite stark hervorspringenden Hauptnerven wirken wie ein starres Tragwerk, das die Blattfläche in einem leichten Neigungswinkel stabilisiert und unter der Last des Schlagregens ein Abknicken verhindert.
  • Die schmal ausgezogene Träufelspitze am Blattende bündelt das ablaufende Wasser wie eine feine Ausgussrinne und lässt es gezielt abtropfen, wodurch die Blattoberfläche nach einem Schauer in kürzester Zeit wieder abtrocknet.

Auch bei der Ausbreitung der Samen zeigt sich eine ähnlich genaue Abstimmung auf den Lebensraum im Waldinneren, wo kaum Wind weht. Statt auf Flügel zu setzen, bildet der Baum zur Reifezeit auffällig orangerote Steinfrüchte, die fruchtfressende Waldvögel und Affen anlocken, während der steinharte, mineralisierte Kern im Inneren den Samen unbeschadet durch den Verdauungstrakt der Tiere schleust.

Verbreitungsgebiet

  • Senegal
  • Guinea
  • Sierra Leone
  • Liberia
  • Elfenbeinküste
  • Ghana
  • Togo
  • Benin
  • Nigeria
  • Kamerun
  • Zentralafrikanische Republik
  • Äquatorialguinea
  • Gabun
  • Republik Kongo
  • Demokratische Republik Kongo
  • Angola
  • Uganda
  • Tansania

Technische Information

Taxonsynonyme: Celtis solenostigma, Celtis rendleana, Celtis brownii, Celtis insularis, Celtis scotellioides

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch