Sibirischer Ginkgo (Ginkgoites sibirica)
Ginkgoites sibirica – Fossiler Ginkgo aus Sibiriens Urzeit
Weite Teile Eurasiens beherbergten während des Juras und der frühen Kreidezeit ausgedehnte Wälder, in denen Ginkgoites sibirica eine dominierende Rolle spielte. Fossilien dieser Art wurden in zahlreichen Fundstellen in ganz Sibirien sowie in Teilen der Mongolei und Chinas entdeckt. Sie zeugen von einer Zeit, in der das Klima in diesen nördlichen Breiten deutlich milder und feuchter war als heute.
Die Funde sind von unschätzbarem Wert für die Rekonstruktion der asiatischen Paläogeographie. Sie belegen eine kontinuierliche Verbindung wärmeliebender Floren zwischen Europa und Ostasien über Jahrmillionen hinweg.
Taxonomie
- ∟ царство Plantae
- ∟ Abteilung Tracheophytes
- ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
- ∟ Überklasse Gymnospermae
- ∟ Klasse Ginkgoopsida (Ginkgopflanzen)
- ∟ Ordnung Ginkgoales
- ∟ Familie Ginkgoaceae (Ginkgogewächse)
- ∟ Gattung Ginkgoites (Ur-Mädchenhaarbaum)
- ∟ Art Ginkgoites sibirica (Sibirischer Ginkgo)
Morphologie
Die Blätter von Ginkgoites sibirica besitzen eine charakteristische, breit-fächerförmige Gestalt und sind tief in mehrere schmale, keilförmige Lappen unterteilt. Die Spitzen der Lappen sind oft leicht abgerundet oder eingekerbt. Die feinen Adern verzweigen sich dichotom vom Blattansatz bis zum Blattrand.
Wichtige morphologische Kennzeichen sind:
- Blattgröße: Variiert stark je nach Fundort, meist zwischen 4 und 8 Zentimetern in der Breite.
- Segmentierung: Tiefe Einschnitte teilen das Blatt oft in sechs bis zehn primäre Abschnitte.
- Cuticula-Beschaffenheit: Dicke Kutikula mit deutlich sichtbaren Spaltöffnungsapparaten auf der Unterseite.
Anwendungen
Als klassisches Leitfossil spielt Ginkgoites sibirica eine Schlüsselrolle bei der Altersbestimmung von Kohlelagerstätten in Sibirien und der Inneren Mongolei. Paläobotaniker nutzen die Art zudem zur Erforschung kontinentaler Driftvorgänge. Sie liefert präzise Daten für biogeographische Computermodelle.
Die gut erhaltenen Fossilien sind zudem Prunkstücke vieler naturhistorischer Museen weltweit. Sie verdeutlichen Schülern und Studenten die evolutionäre Stabilität der Ginkgo-Verwandtschaft.
Interessante Fakten
Die Art wurde bereits im 19. Jahrhundert von bekannten Paläontologen wie Oswald Heer beschrieben, der die reiche fossile Flora Sibiriens erforschte. Diese Entdeckungen zeigten erstmals, dass arktische Regionen einst von üppigen Wäldern bedeckt waren.
- Kohlebildner: Die herabgefallenen Blätter dieser Art trugen wesentlich zur Entstehung bedeutender Kohleflöze in Asien bei.
- Kälteresistenz: Die Struktur deutet darauf hin, dass diese Pflanzen an moderate saisonale Temperaturschwankungen angepasst waren.
Verbreitungsgebiet
- Russland (Sibirien)
- Mongolei
- China
Quellen
- GBIF Backbone Taxonomy: Ginkgoites sibirica
- Fossilworks: Gateway to the Paleobiology Database
- Oswald Heer (1876): Beiträge zur Jura-Flora Ostsibiriens und des Amurlandes