Kletternder Hopfen (Humulus scandens)

Japanischer Hopfen Ostasiatischer Hopfen
Silhouette: T. Michael Keesey / Lizenz

Humulus scandens (Japanischer Hopfen): Merkmale, Herkunft und Bedeutung

Humulus scandens, bekannt als Japanischer Hopfen, ist eine wuchskräftige, einjährige Kletterpflanze mit tief gelappten Blättern, die in den Auenwäldern und an Flussufern Ostasiens beheimatet ist. Das lateinische Art-Epitheton scandens bedeutet „kletternd“ und verweist auf die Fähigkeit der Sprosse, innerhalb einer einzigen Vegetationsperiode meterhoch an Gehölzen oder Uferböschungen emporzusteigen.

Botanisch gehört die Art zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae) und wurde 1790 vom portugiesischen Naturforscher João de Loureiro erstmals als Antidesma scandens beschrieben, bevor Elmer Drew Merrill sie 1935 in die Gattung Humulus überführte. In der Literatur und im Gartenbau begegnet man häufig noch den historischen Synonymen Humulus japonicus sowie Humulopsis scandens.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superrosids
  • ∟ rosids
  • ∟ Ordnung Rosales
  • ∟ Familie Cannabaceae (Hanfgewächse)
  • ∟ Gattung Humulus (Hopfen)
  • ∟ Art Humulus scandens (Kletternder Hopfen)

Lebendiger Puls

Morphologie

Im Gegensatz zum mehrjährigen Echten Hopfen wächst Humulus scandens als krautige, einjährige und zweihäusige (diözische) Schlingpflanze, die männliche und weibliche Blüten auf getrennten Individuen ausbildet. Die vier- bis sechskantigen Stängel und die langen Blattstiele sind dicht mit abwärts gerichteten, steifen Klimmhaaren besetzt, die der Pflanze sicheren Halt an der umgebenden Vegetation geben.

Blätter und Oberflächenstruktur

  • Die gegenständig angeordneten Laubblätter sitzen an 5 bis 10 Zentimeter langen Stielen und erreichen eine Spreitenlänge von 7 bis 10 Zentimetern bei herzförmiger Basis.
  • Jedes Blatt ist handförmig in 5 bis 9 eiförmig-dreieckige Lappen geteilt, deren Ränder scharf gesägt sind, während die Blattunterseite feine gelbe Drüsenpunkte und raue Borsten auf den Blattadern trägt.

Blütenstände und Früchte

  • Die männlichen Blütenstände bilden 15 bis 25 Zentimeter lange, aufrechte und reich verzweigte Rispen mit zahlreichen gelblich-grünen Einzelblüten.
  • Die weiblichen Blüten stehen in kleinen, hängenden, eiförmigen Kätzchen zusammen, die keine echten Brauhopfen-Zapfen mit bitteren Lupulindrüsen formen, sondern im Herbst 4 bis 5 Millimeter große, linsenförmige Achänen ohne Drüsenbesatz hervorbringen.

Blütezeit

Spätsommer bis Frühherbst (in wärmeren Regionen Ostasiens bereits ab dem späten Frühjahr)

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Anwendungen

In der traditionellen chinesischen Medizin wird das gesamte Kraut von Humulus scandens geerntet und für kühlende sowie entzündungshemmende Zubereitungen genutzt. Darüber hinaus gewinnen lokale Handwerksbetriebe in Teilen Ostasiens aus den fettreichen Samen ein technisches Pflanzenöl, das traditionell zur Herstellung von Seife dient.

Im 19. und 20. Jahrhundert wurden zudem weiß-grün panaschierte Auslesen als Zierkletterpflanzen für Pergolen und Zäune gezüchtet. Seit 2019 steht die Art jedoch auf der Unionsliste der invasiven gebietsfremden Arten der Europäischen Union, weshalb Einfuhr, Handel, Vermehrung und Anpflanzung in Europa gesetzlich verboten sind.

Interessante Fakten

Da Humulus scandens als einjährige Pflanze jeden Frühling bei null beginnen muss, ist seine gesamte Architektur auf maximale Geschwindigkeit bei minimalem Materialaufwand ausgelegt. Anstatt Energie in schweres Holzgewebe für einen tragfähigen Stamm zu investieren, nutzt die Art benachbarte Stauden und Sträucher als stützendes Gerüst, um in kürzester Zeit an das Sonnenlicht zu gelangen.

Mikroskopische Kletteranker und Ökologie

  • Auf den Sprossachsen und Blattstielen sitzen sogenannte Klimmhaare — verkieselte, hakenförmig nach unten gebogene Trichome, die wie mikroskopische Steigeisen wirken.
  • Während die Triebspitze suchend im Uhrzeigersinn kreist, gleiten diese Borsten beim Wachsen nach oben widerstandslos über fremde Rinden, verkeilen sich aber sofort bei Zugbelastung nach unten und verhindern das Abrutschen der schweren Blattmasse.
  • In ihrer ostasiatischen Heimat ist die raue Blattstruktur perfekt in das lokale Nahrungsnetz eingebunden: Die Raupen des Asiatischen C-Falters (Polygonia c-aureum) sind mit ihren Mundwerkzeugen genau darauf spezialisiert, das borstige Gewebe zwischen den kieselsäurehaltigen Blattrippen zu verzehren.

Verbreitungsgebiet

  • China
  • Japan
  • Südkorea
  • Russland
  • Vietnam
  • Vereinigte Staaten
  • Kanada
  • Frankreich
  • Italien
  • Ungarn
  • Argentinien

Quellen

  • Plants of the World Online (POWO): Humulus scandens (Lour.) Merr. – Royal Botanic Gardens, Kew.
  • World Flora Online (WFO): Humulus scandens (Lour.) Merr.
  • Flora of China, Vol. 5: Cannabaceae – Humulus scandens.
  • Global Biodiversity Information Facility (GBIF): Humulus scandens (Lour.) Merr.

Technische Information

Taxonsynonyme: Humulus japonicus, Humulopsis scandens, Antidesma scandens

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

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