Teufelsbaumwolle (Abroma augustum)

IUCN: Nicht gefährdet
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Abroma augustum (Teufelsbaumwolle): Merkmale, Herkunft und Nutzen

Abroma augustum, im Volksmund oft als Teufelsbaumwolle bekannt, ist ein immergrüner Strauch oder kleiner Baum aus dem tropischen Asien, dessen Verbreitungsgebiet vom Himalaya und Südchina über Indochina und die malaiische Inselwelt bis nach Neuguinea, Nordaustralien und zu den Salomonen reicht. Die Pflanze fällt durch ihre ungewöhnlichen, tief purpurroten Hängeblüten und ein Kleid aus feinen, hautreizenden Borstenhaaren auf, während das lateinische Artepitheton augustum („erhaben“ oder „majestätisch“) auf ihre stattliche Erscheinung verweist.

Botanisch gehört dieses einzige Mitglied der Gattung Abroma zur Familie der Malvengewächse (Malvaceae), innerhalb derer es in die Unterfamilie Byttnerioideae eingeordnet wird. Erstmals wissenschaftlich beschrieben wurde die Art im Jahr 1767 von Carl von Linné unter dem Namen Theobroma augustum, bevor sein Sohn Carl von Linné der Jüngere sie 1782 in die bereits von Nikolaus Joseph von Jacquin geschaffene Gattung überführte und den heute gültigen Namen prägte.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superrosids
  • ∟ rosids
  • ∟ malvids
  • ∟ Ordnung Malvales
  • ∟ Familie Malvaceae
  • ∟ Unterfamilie Byttnerioideae
  • ∟ Gattung Abroma
  • ∟ Art Abroma augustum (Teufelsbaumwolle)

Lebendiger Puls

Morphologie

Wuchsform und wehrhafte Rinde

In ihrer tropischen Heimat wächst Abroma augustum als aufrechter, reich verzweigter Strauch von meist zwei bis vier Metern Höhe, kann unter günstigen Bedingungen am Waldrand oder an Flussufern aber auch zu einem bis zu zehn Meter hohen Kleinbaum heranwachsen. Die jungen Zweige und die Rinde sind dicht mit sogenannten Sternhaaren (sternförmig verzweigten Pflanzenhaaren) überzogen, deren spröde Spitzen bei Berührung leicht abbrechen und auf der Haut ein unangenehmes Jucken auslösen.

Unter dieser rauen Außenhaut verbirgt sich im Inneren der Rinde ein dichtes Geflecht aus geschmeidigen, silbrig-weißen Bastfasern, die dem Stamm eine hohe Biegefestigkeit verleihen.

Zweigestaltiges Laubwerk

Ein charakteristisches Merkmal der Pflanze ist ihre ausgeprägte Heterophyllie, also die Ausbildung unterschiedlich geformter Blätter an ein und demselben Individuum. Alle Blätter stehen wechselständig an langen Stielen und besitzen eine herzförmige Basis, unterscheiden sich jedoch je nach Position am Trieb deutlich:

  • An der Basis der Zweige sitzen große, im Umriss rundliche bis herzförmige Blätter von 20 bis 37 Zentimetern Durchmesser, die handförmig in drei bis fünf markante Lappen geteilt sind.
  • Nahe den Triebspitzen bildet die Pflanze hingegen kleinere, ungeteilte und länglich-eiförmige Blätter mit fein gezähntem Rand, die dem wind- und sonnenexponierten Kronenbereich weniger Angriffsfläche bieten.

Blütenbau und geflügelte Kapselfrüchte

Die zwittrigen, fünfzähligen Blüten hängen einzeln oder in kleinen Gruppen von bis zu vier Knospen an blattgegenständigen Zymen — lockeren Trugdolden, bei denen die Hauptachse stets in einer Blüte endet — herab und erreichen einen Durchmesser von drei bis über sieben Zentimetern. Unter den fünf dreieckigen, grünlichen Kelchblättern entspringen fünf löffelförmige Kronblätter von dunkelpurpurner, weinroter oder seltener gelblicher Farbe, die an der Basis weißlich und kesselartig ausgehöhlt sind und schlaff wie kleine Laternen nach unten hängen.

Im Zentrum der Blüte sind die Staubblätter zu einer krugförmigen Staminodialröhre verwachsen, bei der sich jeweils fünfzehn fruchtbare Staubbeutel in Dreiergruppen mit fünf unfruchtbaren, blattartigen Staminodien abwechseln. Nach der Bestäubung reift eine vier bis fünf Zentimeter lange, glocken- oder umgekehrt kegelförmige Kapselfrucht heran, die fünf markante Längsflügel trägt und sich bei Reife an der Spitze öffnet, um zahlreiche schwarze, zylindrische Samen freizugeben.

Blütezeit

In den Subtropen und in Gewächshäusern blüht die Art vorwiegend vom späten Frühjahr bis zum Spätsommer, während sich die Blütezeit im asiatischen Monsunklima oft bis in den September erstreckt.

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Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Anwendungen

Textil- und Seilfasern aus der Rinde

Die innere Rinde von Abroma augustum liefert eine feine, seidig glänzende und zugleich äußerst reißfeste Zellulosefaser, die in ihrer Qualität mit klassischer Jute konkurriert und in Teilen Asiens sowie in Uganda und im Kongo gezielt kultiviert wurde. Um die Fasern zu gewinnen, werden kräftige Zweige traditionell zwei bis drei Tage lang im Schlamm gewässert, bis sich die grobe Außenrinde durch natürliche Röste (mikrobiellen Abbau der Pflanzengallerte) leicht abschaben lässt.

Das so freigelegte weiße Fasermaterial verarbeiten Handwerker in Südostasien und Indien zu langlebigen Alltagsgegenständen:

  • Wegen ihrer hohen Beständigkeit im Wasser dienen die Fäden zur Herstellung von Angelschnüren, Fischernetzen, Hängematten und kräftigen Schiffstauen.
  • In der indonesischen Provinz Lampung werden besonders fein aufbereitete Fasern gefärbt und traditionell zu Haarteilen und Perücken geknüpft oder zu Kleidungsstoffen verwoben.

Verwendung in der traditionellen Heilkunde

In der Volksmedizin Indiens, Bangladeschs und Südostasiens sowie in der Homöopathie spielen Auszüge aus Wurzeln, Rinde und Blättern seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle. Die Wurzelrinde enthält unter anderem das Alkaloid Abromin (Betain), Phytosterole wie Beta-Sitosterol sowie wasserunlösliche Schleimstoffe und Harze.

  • Ein Schwerpunkt der traditionellen Anwendung liegt in der Frauenheilkunde, wo Wurzelzubereitungen als Emmenagogum (mittel zur Förderung und Regulierung der Menstruation) sowie bei krampfartigen Beschwerden eingesetzt werden; aufgrund der stark gebärmutterstimulierenden Wirkung gilt die Pflanze in der Schwangerschaft jedoch als Abortivum (fruchtbarkeitssenkendes und wehenauslösendes Mittel).
  • Blatt- und Stängelauszüge finden in der ethnobotanischen Praxis zudem bei Diabetes, rheumatischen Gelenkschmerzen, Hauterkrankungen und Entzündungen Verwendung.

Interessante Fakten

Ein botanischer Namensgegensatz zum Kakao

Als Carl von Linné die Pflanze im 18. Jahrhundert untersuchte, ordnete er sie aufgrund des ähnlichen Blütenbaus zunächst direkt der Gattung des Kakaobaums zu und nannte sie Theobroma augustum. Während Theobroma übersetzt „Speise der Götter“ bedeutet, schuf Nikolaus Joseph von Jacquin wenige Jahre später für diese Art den Gattungsnamen Abroma (aus dem Altgriechischen für „ungießbar“ oder „keine Speise“), um deutlich vor einer Verwechslung der faserigen, mit Reizhaaren besetzten Kapseln mit dem essbaren Kakao zu warnen.

Auch der naturkundliche Pionier Georg Eberhard Rumphius dokumentierte diese Wehrhaftigkeit auf den Molukken und bezeichnete den Strauch als „Capas antu“ (Geister- oder Teufelsbaumwolle), weil die wie Baumwollkapseln aufspringenden Früchte statt weicher Watte zahllose stechende Reizhaare im Inneren bergen.

Fein abgestimmte Architektur für Schatten, Sturm und Fliegenbestäubung

Ein genauer Blick auf den Bauplan von Abroma augustum zeigt, wie präzise Blätter, Blüten und Früchte auf das Leben in feuchtwarmen Monsungebieten mit jährlich über 1500 Millimetern Niederschlag abgestimmt sind. Jedes Organ übernimmt dabei eine exakt koordinierte Aufgabe im Lebenszyklus des Strauches:

  • Arbeitsteilung im Blätterdach: Im schattigen unteren Bereich des Strauches fangen die bis zu 37 Zentimeter breiten, mehrlappigen Blätter jedes verfügbare Lichtquant ein, während die schmalen, ungeteilten Blätter an den oberen Triebspitzen dem heftigen Tropenregen und Wind ausweichen, ohne die darunterliegenden Etagen zu beschatten.
  • Täuschungsmanöver für Bestäuber: Die nickenden, dunkelpurpurnen Blüten bilden mit ihren löffelförmig ausgehöhlten Kronblattbasen und der krugförmigen Staubblattröhre eine geschützte Reusenkammer, deren Farbe und feine Duftstoffe kleine Fliegen anlocken und sie beim Hineinkriechen präzise an den fünfzehn Staubbeuteln entlangführen.
  • Kehrtwende zur Samenverbreitung: Während die Blüte zum Schutz des Pollens vor Monsunregen wie ein Schirm nach unten hängt, richtet sich der Fruchtstiel während der Reife auf, sodass sich die fünf-flügelige Kapsel nach oben öffnet und kräftige Windböen oder Regentropfen die Samen wie aus einem Streubecher herausschleudern können.

Verbreitungsgebiet

  • Indien
  • Bangladesch
  • Nepal
  • Bhutan
  • Myanmar
  • China
  • Thailand
  • Vietnam
  • Malaysia
  • Indonesien
  • Philippinen
  • Papua-Neuguinea
  • Salomonen
  • Australien
  • Föderierte Staaten von Mikronesien
  • Palau
  • Malediven
  • Trinidad und Tobago

Technische Information

Taxonsynonyme: Abroma molle, Theobroma augustum, Abroma fastuosum, Abroma wheleri

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

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