Madagassischer Waldmaulbeerbaum (Allaeanthus greveanus)

Vory Ampaly Mafaidoha

Allaeanthus greveanus: Beschreibung, Lebensraum auf Madagaskar und Ökologie

Allaeanthus greveanus ist ein laubabwerfender Strauch oder mittelgroßer Baum, der in den sommerheißen Trockenwäldern und Dickichten im Westen und Süden Madagaskars sowie auf den Komoren heimisch ist. Die Pflanze zeichnet sich durch eine glatte, blassgraue Rinde, milchigen Pflanzensaft und getrenntgeschlechtliche Blütenstände aus, während das Art-Epitheton greveanus an den französischen Naturforscher Grevé erinnert, der im 19. Jahrhundert die madagassische Flora untersuchte.

Die Art wurde 1895 vom französischen Botaniker Henri Ernest Baillon als Broussonetia greveana erstbeschrieben und 1948 vonジャン-Анри Юмбером (Jean-Henri Humbert) und Жакем Леаки (Jacques Leandri) in die Gattung Allaeanthus übertragen. In modernen taxonomischen Datenbanken wie POWO wird das Taxon heute wieder unter dem akzeptierten Namen Broussonetia greveana geführt.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superrosids
  • ∟ rosids
  • ∟ Ordnung Rosales
  • ∟ Familie Moraceae
  • ∟ Gattung Allaeanthus
  • ∟ Art Allaeanthus greveanus (Madagassischer Waldmaulbeerbaum)

Lebendiger Puls

Morphologie

Der Wuchs von Allaeanthus greveanus reicht von einem stark verzweigten, mehrstämmigen Strauch bis hin zu einem Baum von bis zu 15 Metern Höhe mit einem Stammdurchmesser von etwa 30 bis 40 Zentimetern. Bei Verletzungen der Rinde oder junger Triebe tritt ein charakteristischer, weißlicher bis leicht gelblicher Milchsaft (Latex) aus, der das Gewebe sofort versiegelt.

Blätter und Zweige

  • Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind einfach, eiförmig bis elliptisch geformt und besitzen einen fein gesägten oder fast glatten Blattrand.
  • Beide Blattseiten sind oft leicht rau behaart, wobei kleine, früh abfallende Nebenblätter (Stipeln) die jungen Knospen am Zweig schützen.

Blütenstände und Früchte

  • Da die Art zweihäusig (diözisch) ist, wachsen männliche und weibliche Blüten auf getrennten Individuen: Die männlichen Blüten bilden längliche, hängende Kätzchen, während die weiblichen Blüten in dichten, kugelförmigen Köpfchen zusammenstehen.
  • Nach der Windbestäubung reifen die weiblichen Köpfchen zu fleischigen, orange- bis rötlich-braunen Sammelfrüchten (Synkarpien) heran, in denen zahlreiche kleine Steinfrüchtchen eingebettet sind.

Blütezeit

Blütezeit zu Beginn der Regenzeit im Frühjahr der Südhalbkugel (Oktober bis Dezember)

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Anwendungen

In den ländlichen Regionen West- und Südmadagaskars ist Allaeanthus greveanus eine vielseitig genutzte Wildpflanze für die lokale Bevölkerung. Das mittelschwere, zähe Holz lässt sich gut bearbeiten und dient im traditionellen Hausbau als Rahmenholz sowie zur Herstellung von Werkzeugstielen und Alltagsgegenständen.

Die bastreiche Innenrinde enthält lange, reißfeste Zellulosefasern, aus denen vor Ort Schnüre, Seile und grobe Flechtwaren gefertigt werden. Zudem werden die süßlichen, reifen Sammelfrüchte saisonal als Wildobst gesammelt und das Laub in der Trockenzeit gelegentlich als Futter für Ziegen und Rinder genutzt.

Interessante Fakten

Das Überleben in den westmadagassischen Trockenwäldern auf Kalkstein (Tsingy) und Sandböden erfordert ein präzises Zeitmanagement zwischen monatelanger Dürre und plötzlichen Regenfällen. Allaeanthus greveanus hat dafür eine genau abgestimmte Kombination aus hydraulischer Sicherheit und schneller Regeneration entwickelt.

Mechanismus der Trockenheitsanpassung

  • Sobald die Bodenfeuchtigkeit zu Beginn der Trockenzeit absinkt, wirft der Baum sein gesamtes Laub ab und reduziert die Verdunstungsoberfläche auf nahezu null, während die helle, glatte Rinde das starke Sonnenlicht reflektiert und das Kambium vor Überhitzung schützt.
  • Unmittelbar vor oder mit den ersten Niederschlägen im Oktober und November mobilisiert das Wurzelsystem gespeicherte Reservestoffe, sodass die Pflanze innerhalb weniger Tage blüht und neue Blätter entfaltet, noch bevor konkurrierende Arten das Kronendach schließen.

Diese zeitliche Abstimmung zwischen vollständigem Laubabwurf, strahlungsreflektierender Rinde und explosionsartigem Blühbeginn greift wie ein präzises Uhrwerk ineinander und sichert die Samenreife genau in der feuchtesten Phase des Jahres.

Verbreitungsgebiet

  • Madagaskar
  • Komoren

Technische Information

Taxonsynonyme: Maclura greveana, Chlorophora greveana, Broussonetia greveana, Maclura humbertii, Chlorophora humbertii

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

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