Blaue Amaryllis (Griffinia hyacinthina)

Hyazinthen-Griffinie
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Griffinia hyacinthina: die blaue Amaryllis aus Brasilien

Griffinia hyacinthina ist eine ausdauernde, krautige Zwiebelpflanze, die ausschließlich im tiefen Schatten des Atlantischen Regenwaldes im Südosten Brasiliens beheimatet ist. Ihr Art-Epitheton hyacinthina bedeutet „hyazinthenblau“ und beschreibt die für ihre Verwandtschaft extrem seltene, blau-violette Färbung der großen Blütenkronen.

Das Taxon gehört zur Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) und ist die Typusart der Gattung Griffinia. Ursprünglich wurde die Pflanze im Jahr 1817 von dem britischen Botaniker John Bellenden Ker Gawler als Amaryllis hyacinthina beschrieben, bevor er sie drei Jahre später in eine eigene Gattung überführte.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ monocots (Einkeimblättrige Pflanzen)
  • ∟ Ordnung Asparagales (Spargelartige)
  • ∟ Familie Amaryllidaceae (Amaryllisgewächse)
  • ∟ Tribus Griffineae
  • ∟ Gattung Griffinia
  • ∟ Art Griffinia hyacinthina (Blaue Amaryllis)

Lebendiger Puls

Morphologie

Innerhalb der Untergattung Griffinia bringt diese Art die größten Blüten hervor und kombiniert den Speicherorgan-Bauplan einer Zwiebelpflanze mit dem Laub eines typischen Regenwaldbewohners.

Zwiebel und Blätter

  • Das unterirdische Speicherorgan ist eine eiförmige, von trockenen Häuten umhüllte Zwiebel (Tunikazwiebel), die einen Durchmesser von bis zu 7,5 Zentimetern erreicht und seitlich Tochterzwiebeln bildet.
  • Jede Zwiebel treibt fünf bis sieben dunkelgrüne, kahle und deutlich gestielte Laubblätter aus, die bis zu 20 Zentimeter lang und 5 bis 7 Zentimeter breit werden.
  • Die länglichen Blattspreiten laufen am Ende spitz zu, zeigen auf der Unterseite eine markant hervortretende Mittelrippe und weisen eine für Einkeimblättrige ungewöhnliche, gitterartige Blattnervatur auf.

Blütenstand, Blüten und Früchte

  • Der zylindrische, ungestreifte und an der Basis rötlich überlaufene Blütenschaft (Schaft) überragt das Laub mit einer Höhe von bis zu 60 Zentimetern und trägt eine Dolde aus bis zu 17 duftlosen Blüten.
  • Jede Blüte besitzt sechs lanzettliche, 6 bis 7 Zentimeter lange Perigonblätter (Tepalen), die an der Basis reinweiß sind und zu den Spitzen hin kräftig hyazinthenblau bis violett leuchten.
  • Von den sechs Staubblättern mit weißlichen Staubbeuteln steht das oberste aufrecht, während die fünf übrigen bogenförmig nach unten weisen.
  • Nach der Befruchtung des dreikammerigen Fruchtknotens reifen birnenförmige, dreiklappige Kapselfrüchte heran, die jeweils ein bis drei große, rundliche und fleischige Samen von dunkelbrauner Farbe enthalten.

Blütezeit

In ihrem natürlichen Lebensraum in Brasilien blüht die Art im Spätsommer und Herbst der Südhalbkugel von März bis April, wobei jede einzelne Blüte etwa eine Woche lang geöffnet bleibt.

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Anwendungen

Aufgrund ihrer seltenen blauen Blütenfarbe ist Griffinia hyacinthina seit dem frühen 19. Jahrhundert ein begehrtes Objekt für wissenschaftliche Sammlungen in botanischen Gärten und für spezialisierte Liebhaber tropischer Zwiebelgewächse. In geschützter Gewächshauskultur wird die langsam wachsende Art in lockeren, gut durchlässigen Substraten mit hohem Anteil an grobem organischem Material gepflegt, was auch der Erhaltungszucht außerhalb ihres bedrohten Naturstandorts dient.

Interessante Fakten

Während fast alle bekannten Zwiebelgewächse offene, sonnendurchflutete Steppen oder Halbwüsten besiedeln, hat sich Griffinia hyacinthina vollkommen an das feuchte Dämmerlicht am Boden des brasilianischen Küstenregenwaldes (Mata Atlântica) angepasst. Jedes Detail ihrer Anatomie zeigt, wie präzise der Bauplan einer Amaryllis für das Leben im tiefen Waldschatten umkonstruiert wurde.

Lichtfänger und wasserreiche Waldsamen

  • Statt schmaler, steifer Riemenblätter bildet die Pflanze breite Blattspreiten an dünnen Stielen aus, die durch ein feines Quernetz von Blattadern wie ein straff gespanntes Sonnensegel im Unterholz ausgerichtet werden.
  • Auch die Fortpflanzung weicht vom Standard trockener Lebensräume ab: Statt papierdünner, vom Wind verwehter Samen produziert die Kapsel bis zu drei große, fleischige Samen mit hohem Wasser- und Nährstoffgehalt.

Diese schweren Samen fallen direkt in die dicke, feuchte Humusschicht des Waldbodens und keimen dort innerhalb von ein bis drei Monaten aus, ohne auf eine Trockenruhe angewiesen zu sein. Selbst der Aufbau der Blüte folgt einer genauen räumlichen Geometrie: Fünf Staubblätter neigen sich als Landeplatz nach unten, während das sechste exakt senkrecht nach oben ragt, sodass ein besuchender Bestäuber gleichzeitig am Bauch und am Rücken mit Pollen in Berührung kommt.

Verbreitungsgebiet

  • Brasilien

Quellen

  • Plants of the World Online (POWO): Griffinia hyacinthina (Ker Gawl.) Ker Gawl. — Royal Botanic Gardens, Kew.
  • Ker Gawler, J.B. (1820): Griffinia hyacinthina. Botanical Register 6: t. 444.
  • Tropicos.org: Griffinia hyacinthina — Missouri Botanical Garden.

Technische Information

Taxonsynonyme: Griffinia hookeri, Griffinia dryades, Amaryllis dryades, Lycoris hyacinthina, Amaryllis hyacinthina, Hippeastrum dryades

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

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