Ulmenblättriger Bastardzedernbaum (Guazuma ulmifolia)

Westindische Ulme Mutamba Guácima Jati Belanda
IUCN: Nicht gefährdet
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Guazuma ulmifolia (Westindische Ulme) – Merkmale und Verwendung

Guazuma ulmifolia ist ein mittelgroßer, halbimmergrüner Baum mit einer breit ausladenden Krone, der in den tropischen Regionen Mittel- und Südamerikas sowie der Karibik beheimatet ist. Die Art fällt durch ihre dunklen, warzigen Kapselfrüchte mit feinem Honigduft auf, während das Artepitheton ulmifolia („ulmenblättrig“) auf die gesägten, rauen Laubblätter verweist, die stark an europäische Ulmen erinnern.

Botanisch gehört der Baum zur Familie der Malvengewächse (Malvaceae) und ist dort in der Unterfamilie Byttnerioideae angesiedelt, zu der auch der Kakaobaum zählt. Wissenschaftlich erstbeschrieben wurde die Art unter ihrem heutigen Namen im Jahr 1789 von dem französischen Naturforscher Jean-Baptiste de Lamarck, nachdem Carl von Linné sie 1753 zunächst als Theobroma guazuma geführt hatte.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superrosids
  • ∟ rosids
  • ∟ malvids
  • ∟ Ordnung Malvales
  • ∟ Familie Malvaceae
  • ∟ Unterfamilie Byttnerioideae
  • ∟ Gattung Guazuma
  • ∟ Art Guazuma ulmifolia (Ulmenblättriger Bastardzedernbaum)

Lebendiger Puls

Morphologie

Wuchsform und Rinde

Guazuma ulmifolia wächst als reich verzweigter Baum und erreicht je nach Standort Wuchshöhen von 8 bis zu 30 Metern bei einem Stammdurchmesser von 30 bis 60 Zentimetern. Die gräulich-braune Borke ist längs- und querrissig bis furchig strukturiert und führt im Inneren einen farblosen, schleimhaltigen Pflanzensaft.

Blätter

Die wechselständig und zweizeilig angeordneten Laubblätter sitzen an kurzen, bis zu 2 Zentimeter langen Stielen. Sie sind eiförmig bis länglich-lanzettlich geformt, werden 6 bis 16 Zentimeter lang und besitzen einen fein gesägten Blattrand sowie eine charakteristisch asymmetrische, leicht herzförmige Basis.

Beide Blattseiten tragen Sternhaare (sternförmig verzweigte Trichome), wodurch sich die dunklere Blattoberseite deutlich rau und leicht borstig anfühlt, während die Unterseite heller und weicher behaart bleibt. Von der Blattbasis gehen drei bis fünf deutliche Hauptnerven aus, die unterseits markant hervortreten.

Blütenstände und Blüten

In den Blattachseln bilden sich kurze, reichblütige und weißlich behaarte Zymen oder Rispen – verzweigte Blütenstände von 2,5 bis 5 Zentimetern Länge. Die einzelnen zwittrigen Blüten sind fünfzählig, verströmen einen zarten Duft und messen lediglich etwa 5 bis 10 Millimeter im Durchmesser.

  • Kelchblätter: Die ursprünglich fünf Kelchblätter verwachsen zu zwei oder drei kleinen, bootförmigen und außen filzig behaarten Segmenten.
  • Kronblätter: Die fünf gelblich-weißen, bis zu 4 Millimeter langen Petalen sind kappenförmig eingeklappt und tragen an ihrer Spitze auffällige, lange, zweigespaltene Anhängsel von weiß-rötlicher bis bräunlicher Farbe.
  • Staubblätter und Fruchtknoten: Fünf dreieckige, unfruchtbare Staminodien wechseln sich mit fünf fruchtbaren Staubblättern ab, die an der Basis zu einer Röhre verwachsen sind und den fünfkammerigen, oberständigen Fruchtknoten umschließen.

Früchte und Samen

Nach der Bestäubung reifen rundliche bis ellipsoide, holzige Kapselfrüchte heran, die einen Durchmesser von 2 bis 4 Zentimetern erreichen und sich bei Reife schwarz-violett bis dunkelbraun färben. Ihre Oberfläche ist dicht mit pyramidenförmigen Höckern und Warzen besetzt (muricat), wobei sich die fünf Fruchtkammern meist nicht vollständig öffnen.

Im Inneren befinden sich zahlreiche rundliche bis eiförmige, etwa 3 Millimeter große Samen von gräulicher Farbe. Jeder Samen ist von einer feinen Membran umgeben, der sogenannten Myxotesta, die bei Kontakt mit Feuchtigkeit sofort aufquillt und eine schleimig-klebrige Hülle bildet.

Blütezeit

In vielen Regionen ganzjährig blühend, mit einer Hauptblütezeit von April bis November je nach Trocken- und Regenzeit.

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Anwendungen

Landwirtschaft und Aufforstung

In den wechselfeuchten Tropen Lateinamerikas und der Karibik ist Guazuma ulmifolia ein wichtiger Futterbaum für die Viehwirtschaft, da das proteinreiche Laub und die jungen Früchte Rindern, Pferden und Schweinen besonders am Ende der Trockenzeit als verlässliche Nahrungsquelle dienen. Durch seine breite Krone und das schnelle Wachstum wird der Baum zudem gezielt als Schattenspender auf Weideflächen sowie als Pionierbaumart zur Wiederbewaldung degradierter Böden gepflanzt.

Ernährung

Die Früchte enthalten im unreifen wie im reifen Zustand ein süßliches, schleimiges Fruchtmark mit einem milden Aroma, das an Honig und geröstetes Getreide erinnert, und werden roh oder gekocht verzehrt. Die Samen lassen sich zudem trocknen, rösten und zu einem mehlartigen Pulver oder kaffeeähnlichen Aufguss verarbeiten.

Traditionelle Medizin und Pharmakologie

In der Volksmedizin Mittel- und Südamerikas (unter dem Namen Mutamba oder Guácima) sowie in Indonesien (als Jati Belanda) werden Rinde, Blätter und Früchte seit Jahrhunderten vielseitig eingesetzt.

  • Innere Anwendung: Abkochungen der Rinde und getrockneten Früchte dienen traditionell zur Behandlung von Durchfallerkrankungen, Magenbeschwerden, Atemwegsinfektionen, Fieber und Bluthochdruck, während Blättertees in Indonesien als Mittel zur Gewichtsreduktion und Regulierung des Fettstoffwechsels genutzt werden.
  • Äußere Anwendung: Der pflanzliche Schleim und Rindenextrakte werden äußerlich bei Verbrennungen, Wunden und Hautentzündungen aufgetragen sowie als Haarspülung zur Kräftigung der Haarwurzeln und Förderung des Haarwuchses verwendet.
  • Inhaltsstoffe: Phytochemische Analysen belegen in der Rinde hohe Konzentrationen an antioxidativen Proanthocyanidinen (insbesondere Procyanidin B2), Catechinen und Kaurensäure, während in den Blättern geringe Mengen an natürlichem Koffein nachgewiesen wurden.

Holz, Fasern und historisches Handwerk

Das hellbraune bis leicht rötliche Holz ist weich, leicht und sehr einfach zu bearbeiten, weshalb es für den Innenausbau, Möbelteile, Transportkisten, Werkzeugstiele sowie zur Herstellung hochwertiger Holzkohle geschätzt wird. Aus den zähen, faserigen Bastschichten der Rinde und junger Zweige werden seit jeher haltbare Seile und Schnüre gedreht, und die antiken Maya auf der Halbinsel Yucatán nutzten den schleimigen Pflanzensaft (unter dem Maya-Namen Pixoy) als organisches Bindemittel für ihre Wandmalereien und Stuckarbeiten, etwa in Ek Balam.

Interessante Fakten

Getrennte Kammern für Bestäuber: Präzisionsmechanik im Millimeterbereich

Obwohl die einzelnen Blüten von Guazuma ulmifolia kaum größer als wenige Millimeter sind, verbergen sie im Inneren eine hochgradig abgestimmte räumliche Konstruktion, die Selbstbestäubung verhindert und den Pollenverlust minimiert. Jede der fünf kappenförmigen Kronblätter bildet zusammen mit der verwachsenen Staubblattröhre und den dreieckig geformten, unfruchtbaren Staminodien ein System aus getrennten „männlichen“ und „weiblichen“ Kammern mit jeweils eigenen Zugängen.

Die fünf Staminodien neigen sich in der Blütenmitte wie ein schützender Kegel über den Griffel mit den Narbenästen, während die fruchtbaren Staubbeutel nach außen hin exakt in den gewölbten Taschen der Kronblätter verborgen liegen. Kleine nektarsuchende Bienen und Fliegen müssen sich durch diese genau definierten Öffnungen zwängen, wobei sie beim Besuch der unterschiedlichen Kammern den Pollen exakt an jenen Körperstellen aufnehmen und wieder abstreifen, die im nächsten Schritt die Narbe berühren.

Süße Kapseln und schleimige Samenmäntel

Auch die Ausbreitungsstrategie der Samen zeigt ein genau aufeinander abgestimmtes Zusammenspiel von Duft, Geschmack und Samenhülle. Da sich die hartschaligen, warzigen Kapselfrüchte bei Reife kaum von selbst öffnen, verströmen sie einen intensiven Honigduft und bieten im Inneren ein süßes, kohlenhydratreiches Schleimgewebe an.

  • Anlockung von Säugetieren: Wildtiere wie Affen, Pekaris oder Tapire sowie Weidevieh knacken die holzigen Kapseln wegen des nahrhaften Fruchtmarks und verschlucken dabei die kleinen, widerstandsfähigen Samen.
  • Aktivierung der Myxotesta: Sobald die Samen ausgeschieden werden und mit Bodenfeuchtigkeit in Berührung kommen, quillt ihre äußere Membran (Myxotesta) zu einem klebrigen Wassergel auf, das den Samen im Substrat verankert und den Keimling während der ersten kritischen Tage vor dem Austrocknen schützt.

Verbreitungsgebiet

  • Mexiko
  • Guatemala
  • Belize
  • Honduras
  • El Salvador
  • Nicaragua
  • Costa Rica
  • Panama
  • Kuba
  • Jamaika
  • Haiti
  • Dominikanische Republik
  • Puerto Rico
  • Bahamas
  • Barbados
  • Trinidad und Tobago
  • Kolumbien
  • Venezuela
  • Guyana
  • Suriname
  • Französisch-Guayana
  • Ecuador
  • Peru
  • Bolivien
  • Brasilien
  • Paraguay
  • Argentinien
  • Indien
  • Sri Lanka
  • Indonesien

Technische Information

Taxonsynonyme: Guazuma ulmifolia var. glabra, Guazuma tomentosa, Theobroma guazuma, Guazuma ulmifolia var. trianae, Guazuma ulmifolia var. velutina, Guazuma tomentosa var. parvifolia, Guazuma blumei, Guazuma coriacea, Guazuma ulmifolia var. tomentosa

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

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