Seitenflügeliger Seifenbaum (Guioa pleuropteris)

Silhouette: T. Michael Keesey / Lizenz

Guioa pleuropteris: Merkmale, Verbreitung und Lebensraum

Guioa pleuropteris ist ein immergrüner Strauch oder kleiner bis mittelgroßer Baum aus den feuchten Tropen Südostasiens, der durch seine markant geflügelten Blattspindeln sofort ins Auge fällt. Das Art-Epitheton pleuropteris setzt sich aus den griechischen Wörtern für „Rippe“ oder „Seite“ (pleura) und „Flügel“ (pteron) zusammen und verweist direkt auf diese seitlichen grünen Säume entlang der Blattachse.

Die Art gehört zur Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae) und wurde ursprünglich von Carl Ludwig von Blume unter dem Namen Cupania pleuropteris beschrieben. Im Jahr 1879 überführte der deutsche Botaniker Ludwig Radlkofer das Taxon in die Gattung Guioa, unter der es heute wissenschaftlich anerkannt ist.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superrosids
  • ∟ rosids
  • ∟ malvids
  • ∟ Ordnung Sapindales
  • ∟ Familie Sapindaceae
  • ∟ Unterfamilie Sapindoideae
  • ∟ Gattung Guioa
  • ∟ Art Guioa pleuropteris (Seitenflügeliger Seifenbaum)

Lebendiger Puls

Morphologie

Wuchsform und Rinde

Die Pflanze wächst meist als reich verzweigter großer Strauch oder Baum und erreicht in der Natur Wuchshöhen von 3 bis 25 Metern. Die jungen Zweige, Blattstiele und Blütenstände sind dicht mit rostbraunen bis gelblichen Härchen besetzt, die der Oberfläche eine samtige Textur verleihen.

Blätter und geflügelte Rhachis

Die wechselständigen Laubblätter sind paarig gefiedert und tragen meist zwei bis fünf Paare ledriger, asymmetrisch geformter Fiederblättchen. Auf der Unterseite der Blättchen befindet sich in den Achseln der Seitennerven oft jeweils ein kleines Domatium — eine winzige taschenförmige Vertiefung, die mikroskopisch kleinen nützlichen Milben als Unterschlupf dient.

  • Geflügelte Rhachis: Die Hauptachse des Fiederblattes (Rhachis) sowie oft der obere Teil des Blattstiels sind seitlich zu einem grünen, blattartigen Saum ausgezogen, der die Lichtausbeute im schattigen Unterholz vergrößert.
  • Blättchenform: Die einzelnen Fiederblättchen sind eiförmig bis verkehrt-lanzettlich, ganzrandig und laufen an der Spitze meist kurz und stumpf oder zugespitzt aus.

Blüten und Früchte

Die kleinen, weißlichen bis grünlich-cremefarbenen Blüten stehen in achselständigen, verzweigten Rispen (Thyrsen) zusammen. Jede Blüte besitzt fünf Kelchblätter und fünf Kronblätter, an deren Basis kleine, behaarte Schuppen sitzen, die den ringförmigen Nektardiskus schützen.

  • Kapselfrucht: Nach der Bestäubung reift eine dreilappige, herzförmig-geflügelte Kapselfrucht heran, die sich bei Reife leuchtend rötlich bis rosafarben verfärbt.
  • Samen und Arillus: Beim Aufspringen der dünnwandigen Kapselklappen werden die dunkelbraunen bis schwarzen Samen sichtbar, die vollständig von einem fleischigen, orange-roten Samenmantel (Arillus) umschlossen sind.

Anwendungen

In den ländlichen Regionen Malaysias, Indonesiens und der Philippinen wird Guioa pleuropteris gelegentlich in der traditionellen Volksmedizin sowie als lokale Holzquelle genutzt. Ein Aufguss aus den Wurzeln oder Blättern dient in der traditionellen Heilkunde regional zur Linderung von Magenbeschwerden, Fieber und Hauterkrankungen.

Das mäßig harte, feinfaserige Holz eignet sich im lokalen Handwerk für kleinere Konstruktionen, Werkzeugstiele oder als Brennholz. Darüber hinaus wird der Baum aufgrund seiner attraktiven rötlichen Früchte und seiner Toleranz gegenüber sandigen Küstenböden mitunter in naturnahen Aufforstungsprojekten in Südostasien gepflanzt.

Interessante Fakten

Architektonische Doppelnutzung der Blattspindel

In den mehrschichtigen Küsten- und Tieflandwäldern Borneos, Sumatras und der Malaiischen Halbinsel ist Sonnenlicht im unteren Kronenbereich eine knappe Ressource. Bei Guioa pleuropteris übernimmt daher selbst das tragende Gerüst des Blattes eine aktive Rolle bei der Energiegewinnung.

Während die Blattspindel (Rhachis) bei den meisten Fiederblättern lediglich als drehrunde, verholzte Leitungs- und Stützachse dient, ist sie bei dieser Art seitlich zu flachen grünen Gewebestreifen verbreitert. Diese Flügelsäume sind reich an Chloroplasten und fangen genau jene Sonnenflecken auf, die zwischen den einzelnen Fiederblättchen hindurchfallen würden.

  • Mechanische Versteifung: Im Querschnitt wirkt die geflügelte Spindel wie ein T-Träger im Ingenieurbau, der das Blatt bei heftigen tropischen Regengüssen gegen Verdrehung und Abknicken stabilisiert.
  • Optische Signalwirkung bei der Fruchtreife: Wenn sich die dreiflügeligen Kapseln öffnen, bleibt der Same über einen dünnen Gewebefaden (Funiculus) an der Kapselwand hängen, sodass der leuchtend orangefarbene Arillus vor der rosaroten Fruchthülle frei schwebt und fruchtfressende Vögel schon aus der Ferne anlockt.

Das Zusammenspiel aus statischer Verstärkung, erweiterter Lichtsammelfläche und präzise abgestimmter Samenpräsentation zeigt, wie fein die Bauelemente dieses Baumes auf die Bedingungen des südostasiatischen Regenwaldes abgestimmt sind.

Verbreitungsgebiet

  • Myanmar
  • Thailand
  • Kambodscha
  • Vietnam
  • Malaysia
  • Singapur
  • Indonesien
  • Brunei
  • Philippinen

Quellen

  • Plants of the World Online (POWO): Royal Botanic Gardens, Kew — Guioa pleuropteris (Blume) Radlk.
  • World Flora Online (WFO): Taxonomisches Datenblatt zu Guioa pleuropteris (Sapindaceae).
  • Global Biodiversity Information Facility (GBIF): Verbreitungsdaten und Herbarbelege von Guioa pleuropteris in Südostasien.
  • Van Welzen, P. C. (1989): Revisions and phylogenies of Malesian Guioa (Sapindaceae), Leiden Botanical Series.

Technische Information

Taxonsynonyme: Sapindus guisian, Guioa forbesii, Quassia tricarpa, Cupania pleuropteris, Cupania griffithiana

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

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