Geweihbaum (Gymnocladus dioicus)

Kentucky-Kaffeebaum Kanadischer Kaffeebaum Amerikanischer Kaffeebaum Schusserbaum Chicot
IUCN: Nicht gefährdet
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Geweihbaum (Gymnocladus dioicus): Merkmale, Herkunft und Verwendung

Der Geweihbaum (Gymnocladus dioicus) ist ein imposanter, sommergrüner Laubbaum aus den Flusstälern und Auenwäldern des östlichen und mittleren Nordamerikas, der im Winter durch seine massiven, völlig ohne feines Reisig wachsenden Äste an ein Hirschgeweih erinnert. Sein wissenschaftliches Artepitheton dioicus bedeutet „zweihäusig“ und weist darauf hin, dass männliche und weibliche Blüten getrennt auf verschiedenen Bäumen wachsen.

Botanisch gehört die Art in die Unterfamilie der Johannisbrotgewächse (Caesalpinioideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Erstbeschrieben wurde der Baum 1753 von Carl von Linné unter dem Namen Guilandina dioica, bevor ihn der deutsche Botaniker Karl Heinrich Koch im Jahr 1869 in die Gattung Gymnocladus einordnete.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superrosids
  • ∟ rosids
  • ∟ Ordnung Fabales
  • ∟ Familie Fabaceae
  • ∟ Unterfamilie Caesalpinioideae
  • ∟ Gattung Gymnocladus
  • ∟ Art Gymnocladus dioicus (Geweihbaum)

Lebendiger Puls

Botanische Illustration

Botanische Illustration
Фото: BioDivLibrary / Лицензия: Public Domain Mark

Morphologie

Wuchsform, Borke und Winterbild

Ausgewachsene Exemplare erreichen Wuchshöhen von 18 bis 30 Metern und bilden bei freiem Stand eine rundliche bis schmal-pyramidale Krone von 12 bis 18 Metern Breite. Der Stamm kann über einen Meter im Durchmesser stark werden und teilt sich oft schon in geringer Höhe in drei bis vier steil aufragende Hauptäste.

Die dicke Borke ist aschgrau bis graubraun gefärbt und durch tiefe Furchen sowie charakteristische, sich seitlich ablösende Schuppenleisten gezeichnet. Da der Baum keinerlei feine Seitenzweige bildet, tragen die dicken, im Inneren mit einem lachsfarbenen Mark gefüllten Triebe große, herzförmige Blattnarben, während die winzigen Winterknospen fast unsichtbar in flaumigen Vertiefungen der Rinde eingesenkt liegen.

Riesige, doppelt gefiederte Blätter

Die wechselständigen Laubblätter gehören zu den größten unter den nordamerikanischen Laubbäumen: Sie sind doppelt gefiedert (ihre Hauptachse verzweigt sich also in seitliche Fiederachsen zweiter Ordnung) und werden insgesamt 30 bis 90 Zentimeter lang sowie bis zu 60 Zentimeter breit. An einer Blattspindel sitzen fünf bis vierzehn Paare von Seitenfiedern, wobei das unterste Paar meist auf einzelne, einfache Blättchen reduziert ist.

Die einzelnen, ganzrandigen und eiförmig-elliptischen Fiederblättchen sind fünf bis acht Zentimeter lang und zeigen im Jahresverlauf ein ausgeprägtes Farbspiel:

  • Beim späten Austrieb Ende Mai oder Anfang Juni entfalten sich die jüngsten Blättchen zunächst in einem leuchtenden Rosarot bis Bronzeton.
  • Im Sommer färbt sich die Blattoberseite dunkel gelbgrün bis blaugrün, bevor das gesamte Laub im Frühherbst ein klares, leuchtendes Gelb annimmt und frühzeitig abfällt.

Blütenstände und schwere Hülsenfrüchte

Im Frühsommer erscheinen zeitgleich mit dem Laubaustrieb die duftenden, grünlich-weißen und sternförmigen Blüten an den Triebspitzen. Da die Art zweihäusig getrenntgeschlechtig (diözisch) ist, unterscheiden sich die Blütenstände der beiden Geschlechter deutlich in ihrer Architektur:

  • Männliche Blütenstände: Sie bilden kürzere, kompaktere, traubenartige Rispen von etwa 7 bis 10 Zentimetern Länge.
  • Weibliche Blütenstände: Sie strecken sich zu lockeren, aufrechten Trauben von 20 bis 30 Zentimetern Länge, deren Einzelblüten einen oberständigen, haarigen Fruchtknoten besitzen.

Aus den befruchteten weiblichen Blüten reifen bis zum Herbst etwa 15 bis 25 Zentimeter lange und bis zu 5 Zentimeter breite, dunkelbraune Hülsenfrüchte mit einer extrem harten, holzig-ledrigen Wandung heran. Im Inneren liegen drei bis neun abgeflachte, steinharte Samen von knapp zwei Zentimetern Länge, die in ein dickes, dunkel gefärbtes und süßlich-klebriges Fruchtfleisch (Pulpa) eingebettet sind.

Blütezeit

Die Blütezeit fällt in den späten Frühling und Frühsommer, zeitgleich mit oder kurz nach dem späten Austrieb der Laubblätter.

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Anwendungen

Aufgrund seiner hohen Widerstandsfähigkeit gegenüber Sommerhitze, Trockenheit, strengem Frost, Streusalz und verdichteten Böden wird Gymnocladus dioicus in Nordamerika und Europa geschätzt als robuster Straßen- und Parkbaum gepflanzt. Im städtischen Grünflächenbau wählt man häufig männliche Exemplare aus, um den herabfallenden schweren Hülsen auf Gehwegen vorzubeugen, und nutzt den späten Laubaustrieb sowie das lichte Winterprofil gezielt dort, wo Gebäude im Winter viel Sonnenlicht erhalten, im Hochsommer jedoch beschattet werden sollen.

Das schwere, grobfaserige Holz mit seinem schmalen hellgelben Splint und dem rötlich-braunen Kernholz ist im Erdkontakt sehr dauerhaft und lässt sich gut polieren, weshalb es in der Tischlerei, im Möbelbau und für Zaunpfähle eingesetzt wird. Historisch wurden die hartschaligen Samen von indigenen Völkern Nordamerikas wie den Meskwaki, Ho-Chunk und Pawnee nach intensivem Rösten gegessen, als Schmuck verarbeitet oder als Spielsteine in zeremoniellen Würfelspielen verwendet.

Europäische Siedler im 18. und 19. Jahrhundert nutzten die stark gerösteten und gemahlenen Samen in Notzeiten als bitteren Kaffee-Ersatz, was dem Baum den englischen Namen „Kentucky coffeetree“ einbrachte. Roh oder unzureichend erhitzt sind Samen, Fruchtfleisch und Blätter jedoch wegen des enthaltenen Alkaloids Cytisin sowie reichlich vorhandener Saponine für Menschen und Haustiere giftig.

Interessante Fakten

Ein Bündel riesiger Blätter statt feiner Zweige

Der Gattungsname Gymnocladus setzt sich aus den altgriechischen Wörtern für „nackt“ und „Zweig“ zusammen, während französische Siedler in Kanada den Baum als „Chicot“ (Baumstumpf oder toter Baum) bezeichneten. Rund sechs Monate im Jahr steht die Krone völlig kahl da, weil der Baum auf den Aufbau eines fein verästelten Zweigwerks komplett verzichtet.

Diese scheinbare Trägheit ist eine präzise abgestimmte Energiebilanz: Anstatt jedes Frühjahr Holz und Rinde für Tausende kleiner Seitenzweige zu produzieren, investiert der Geweihbaum seine Ressourcen in riesige, doppelt gefiederte Blattwedel, die wie ein vorübergehendes Zweigsystem funktionieren und im Herbst samt ihrer langen Blattspindeln vollständig abgeworfen werden. Durch den späten Austrieb im Mai entgeht das empfindliche junge Gewebe zudem zuverlässig den Spätfrösten des kontinentalen Klimas.

Evolutionärer Anachronismus und das Rätsel der Samenverbreitung

Die schweren, dickwandigen Hülsenfrüchte bleiben oft den gesamten Winter über am Baum hängen und fallen erst im Frühjahr zu Boden, ohne sich von selbst zu öffnen. Für heutige nordamerikanische Säugetiere sind die ledrigen Wände zu zäh und das Innere durch das Alkaloid Cytisin zu giftig, während die schweren Samen weder vom Wind getragen noch effektiv über weite Strecken geschwemmt werden können.

Ökologen stufen diese Fruchtkonstruktion als Anpassung an die ausgestorbene pleistozäne Megafauna Nordamerikas – etwa Mammuts und Riesenfaultiere – ein, bei der jedes Detail ineinandergriff:

  • Das zuckerreiche, klebrige Fruchtfleisch im Inneren der Hülse diente großen Pflanzenfressern als energiereiche Winter- und Frühjahrsnahrung, die sie trotz der harten Schale samt den Samen verschlangen.
  • Die extrem harte, wasserundurchlässige Samenschale schützte den Embryo vor den Mahlzähnen und der Magensäure, wurde dabei aber mechanisch leicht angeritzt (Skarifikation), sodass die Samen nach dem Ausscheiden überhaupt erst Wasser aufnehmen und keimen konnten.

Nach dem Verschwinden dieser Großtiere überlebte die Art in der Natur vor allem in feuchten Flussauen, wo stehendes Wasser und Mikroorganismen die harten Schalen über längere Zeit hinweg aufweichen, sowie durch die Fähigkeit, aus ihrem weitreichenden Wurzelsystem dichte klonale Kolonien über Wurzelbrut zu treiben.

Verbreitungsgebiet

  • Vereinigte Staaten
  • Kanada

Technische Information

Taxonsynonyme: Gymnocladus canadensis, Gymnocladus dioica, Hyperanthera dioica, Guilandina dioica, Guilandina inermis

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

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