Myrtenblättrige Henoonia (Henoonia myrtifolia)

Silhouette: T. Michael Keesey / Lizenz

Henoonia myrtifolia: Kubanischer Endemit der Nachtschattengewächse

Henoonia myrtifolia ist ein kleiner, bis zu zweieinhalb Meter hoher Baum oder Strauch, der ausschließlich in den tiefen Lagen des mittleren Kuba bis in 300 Meter Höhe vorkommt. Das Art-Epitheton myrtifolia bedeutet „myrtenblättrig“ und verweist auf die kleinen, ledrigen und am Rand zurückgerollten Laubblätter, die stark an echte Myrten erinnern.

Die Art gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) und ist der einzige Vertreter der monotypischen Gattung Henoonia. Sie wurde 1866 von August Heinrich Rudolf Grisebach erstbeschrieben und ist in der Literatur auch unter dem später vergebenen Synonym Bissea myrtifolia bekannt.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ asterids
  • ∟ Ordnung Solanales
  • ∟ Familie Solanaceae
  • ∟ Gattung Henoonia
  • ∟ Art Henoonia myrtifolia (Myrtenblättrige Henoonia)

Lebendiger Puls

Morphologie

Wuchsform und Blätter

Die Pflanze wächst als kompakter Strauch oder kleiner Baum mit einer Wuchshöhe von bis zu 2,5 Metern. Ihre gräulich gefärbten Äste sind meist glatt, bilden an den Zweigen jedoch gelegentlich wehrhafte Stacheln aus.

  • Die Laubblätter sind schmal eiförmig bis umgekehrt-eiförmig-elliptisch und messen etwa 9,7 bis 32,6 Millimeter in der Länge sowie 3,5 bis 14,4 Millimeter in der Breite.
  • Die Blattbasis ist keilförmig, schräg oder herzförmig gestaltet, während die Blattspitze scharf oder stachelspitzig zuläuft.
  • Der Blattrand ist nach unten umgerollt und die Blattoberfläche fast kahl, wobei die Unterseite vereinzelte einfache, zwei- bis dreizellige Trichome (feine Pflanzenhaare) trägt.

Blüten und Früchte

Die fünfzähligen Blüten erscheinen einzeln oder in kleinen Büscheln direkt an den Verzweigungsknoten der Äste. Ihr becherförmiger Kelch ist 2 bis 2,5 Millimeter lang und endet in dreieckigen, fein behaarten Zähnen.

  • Die Krone hat einen Durchmesser von 1 bis 9 Millimetern und besteht aus einer kurzen Röhre mit langgestreckt-lanzettlichen Kronlappen, die doppelt so lang wie die Röhre und während der Blütezeit weit zurückgebogen sind.
  • Die fünf Staubblätter setzen etwa in der Mitte der Kronröhre an, tragen 2 bis 2,2 Millimeter lange Staubbeutel und ragen nicht über die Kronlappen hinaus.
  • Der oberständige, einkammerige Fruchtknoten birgt eine einzige Samenanlage und geht in einen fadenförmigen, 6 bis 7 Millimeter langen Griffel über.
  • Die vorn zugespitzte Frucht umschließt nur einen einzigen eiförmigen Samen von 7 bis 8 Millimetern Länge und 5,3 bis 6,4 Millimetern Breite.

Blütezeit

Mai bis Oktober (Fruchtreife von Juni bis Oktober)

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Interessante Fakten

Feinabstimmung an trockene Tieflandstandorte

In den sonnenexponierten Lagen Kubas zwischen Meereshöhe und 300 Metern ist der Wasserhaushalt eines Gehölzes einer ständigen Belastungsprobe ausgesetzt. Henoonia myrtifolia begegnet dieser Herausforderung mit einer präzise aufeinander abgestimmten Blattarchitektur.

  • Die auf wenige Zentimeter reduzierte Blattspreite verkleinert die Angriffsfläche für die intensive tropische Sonneneinstrahlung erheblich.
  • Der nach unten zurückgerollte Blattrand bildet zusammen mit den spärlichen, mehrzelligen Trichomen auf der Blattunterseite eine windberuhigte Zone, die den Verlust von Wasserdampf über die Spaltöffnungen bremst.

Ein anatomisches Rätsel der Systematik

Während typische Nachtschattengewächse meist saftige Beeren oder vielsamige Kapseln ausbilden, weicht der Fruchtbau dieser kubanischen Art deutlich vom gewohnten Familienmuster ab. Der einkammerige Fruchtknoten konzentriert sämtliche Nährstoffe der Mutterpflanze auf eine einzige Samenanlage, aus der ein verhältnismäßig großer, fast sechs Millimeter dicker Samen heranreift.

Diese Spezialisierung auf wenige, aber nährstoffreiche Nachkommen veranlasste Botaniker wie Armando Hunziker lange Zeit dazu, die Gattung in eine eigene Familie (Goetzeaceae) oder sogar in die Nähe der Bittereschengewächse (als Castela brittonii) zu stellen. Erst Analysen der DNA-Sequenzen belegten zweifelsfrei, dass es sich um eine hochspezialisierte Linie innerhalb der Unterfamilie Goetzeoideae der Nachtschattengewächse handelt.

Verbreitungsgebiet

  • Kuba

Quellen

  • Plants of the World Online (POWO): Royal Botanic Gardens, Kew – Henoonia myrtifolia Griseb.
  • World Flora Online (WFO): Taxonomische Datenbank – Henoonia myrtifolia.
  • Global Biodiversity Information Facility (GBIF): Verbreitungsdaten für Henoonia myrtifolia auf Kuba.
  • Victor R. Fuentes Fiallo: Goetzeaceae, in: Flora de la República de Cuba, Fascículo 10 (2005).

Technische Information

Taxonsynonyme: Henoonia brittonii, Henoonia angustifolia, Castela brittonii

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

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