Niederliegende Andenbeere (Jaltomata procumbens)

Essbare Saracha Jaltomate Creeping False Holly
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Jaltomata procumbens: Anbau, Pflege, essbare Beeren und Botanik

Jaltomata procumbens ist eine krautige, oft breit ausladend bis aufsteigend wachsende Pflanze aus den Berg- und Hochlandregionen von Arizona über Mexiko bis in die südamerikanischen Anden. Ihr Artname procumbens bedeutet „niederliegend“ und beschreibt die Gewohnheit ihrer zahlreichen, aus einer kräftigen Wurzel entspringenden Triebe, sich zunächst dicht über den Boden auszubreiten, bevor sie ihre radförmigen, gelbgrünen Blüten und fast schwarzen, nach dunklen Weintrauben duftenden Beeren präsentieren.

Das zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) gehörende Gewächs wurde 1791 vom spanischen Botaniker Antonio José Cavanilles als Atropa procumbens erstbeschrieben und war im Gartenbau lange unter dem Synonym Saracha edulis bekannt. Seine heutige wissenschaftliche Zuordnung als Jaltomata procumbens erhielt das Taxon 1973 durch Johnnie Lee Gentry.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ asterids
  • ∟ Ordnung Solanales
  • ∟ Familie Solanaceae
  • ∟ Gattung Jaltomata
  • ∟ Art Jaltomata procumbens (Niederliegende Andenbeere)

Lebendiger Puls

Morphologie

Sprossachse und Laubblätter

Die Pflanze bildet aus einer einzigen Wurzel zahlreiche krautige, im Inneren hohle und kantige Sprossachsen, die je nach Standort flach kriechend bis aufrecht wachsen und Längen von 30 Zentimetern bis zu zwei Metern erreichen. Die grünen Stängel sind kahl bis leicht filzig mit einfachen Trichomen (Pflanzenhaaren) besetzt, die beim Eintrocknen eine weißliche Farbe annehmen.

Die dunkelgrünen, eiförmigen bis breit lanzettlichen Laubblätter werden bis zu 20 Zentimeter lang und besitzen einen glatten oder sanft gewellt-gezähnten Rand. Ihre Basis läuft oft schmal am bis zu fünf Zentimeter langen Blattstiel herab, sodass dieser leicht geflügelt erscheint.

Blütenstände und Früchte

Die doldenartigen Blütenstände entspringen an bis zu vier Zentimeter langen Stielen und zeigen charakteristische Merkmale:

  • Die radförmige (flach ausgebreitete) Blütenkrone misst 10 bis 15 Millimeter im Durchmesser, ist blass gelbgrün bis grünlich-weiß gefärbt und trägt im Zentrum einen Kranz aus dunkleren grünen Punkten.
  • Alle fünf ellipsoiden Staubbeutel sind exakt gleich groß (etwa zwei Millimeter lang) und umgeben einen stets geraden Griffel mit kopfförmig vergrößerter Narbe.
  • Die essbaren Früchte sind kugelige, acht bis zehn Millimeter große Beeren mit saftig-schleimigem Fruchtfleisch und vielen winzigen, linsenförmigen Samen; bei der Reife färben sie sich tief dunkelviolett bis schwarz, während sich der sternförmige Kelch auf bis zu einen Zentimeter vergrößert, ohne die Beere einzuhüllen.

Blütezeit

Sommer bis Frühherbst (in Kultur von Juni bis zum ersten Frost)

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Pflegeparameter

Licht

Vollsonnig bis leicht halbschattig; viel direktes Sonnenlicht fördert den Zuckergehalt und das Aroma der Beeren.

Bewässerung

Regelmäßig und gleichmäßig gießen, sodass die Erde leicht feucht bleibt, Staunässe im Wurzelbereich jedoch unbedingt vermeiden.

Temperatur

Wärmeliebend (ideal sind 18 bis 28 °C); die Pflanze verträgt keinen Frost und wird in gemäßigten Zonen meist einjährig kultiviert.

Luftfeuchtigkeit

Anpassungsfähig an normale Gartenluftfeuchtigkeit (40 bis 70 %), verträgt sowohl wechselfeuchte als auch mäßig trockene Phasen.

Toxizität

Unreife grüne Beeren und das Laub enthalten giftige Steroidalkaloide (wie Solanin); nur vollreife, tiefschwarze Früchte sind bedenkenlos essbar.

Anwendungen

In ihrer mexikanischen und mittelamerikanischen Heimat ist Jaltomata procumbens unter dem aus dem Nahuatl stammenden Namen Jaltomate (wörtlich „Sand-Tomate“) ein geschätztes traditionelles Obst. Die vollreifen, dunkelvioletten bis schwarzen Beeren verströmen einen intensiven, an dunkle Weintrauben (Vitis) erinnernden Duft und werden roh genascht, auf lokalen Märkten verkauft oder zu würzigen Salsas und Konfitüren verarbeitet.

Auch in der Volksmedizin und im kleinbäuerlichen Anbau spielt die Pflanze eine besondere Rolle:

  • In einigen Regionen Mittelamerikas werden die jungen Blätter nach sorgfältigem Abkochen als Wildgemüse (sogenannte Quelites) verzehrt oder in der traditionellen Heilkunde äußerlich als beruhigende Umschläge genutzt.
  • In gemäßigten Klimazonen Europas wird die Art zunehmend von Liebhabern exotischer Nutzpflanzen als pflegeleichte, einjährige Gartenkultur im Freiland oder Kübel gezogen, die vom Hochsommer bis zum ersten Herbstfrost unermüdlich Früchte liefert.

Interessante Fakten

Zwei-Tage-Uhrwerk der Blüte und Partnerschaft auf den Maisfeldern

Die Blüten von Jaltomata procumbens arbeiten nach einem präzisen zweitägigen Zeitplan, den Botaniker als Protogynie (Vorweiblichkeit) bezeichnen. Am ersten Tag nach dem Öffnen der Krone ist bereits die kopfförmige Narbe empfängnisbereit, während die fünf Staubbeutel noch fest verschlossen bleiben; erst am zweiten Blütentag strecken sich die Staubfäden plötzlich in die Länge und die Staubbeutel platzen auf, um den eigenen Pollen freizugeben.

Durch diese zeitliche Staffelung gibt die Pflanze fremdem Pollen am ersten Tag den Vortritt, sichert sich aber am zweiten Tag eine zuverlässige Selbstbefruchtung, falls kein Insekt vorbeigekommen ist. Ebenso bemerkenswert ist ihre ökologische Strategie im Umfeld des Menschen:

  • Bei den indigenen Völkern der Tarahumara und Pima Bajo in der mexikanischen Sierra Madre Occidental wächst die Art spontan zwischen den Maisreihen, wird dort aber beim Jäten gezielt verschont und gefördert, weil ihre süßen Beeren eine willkommene Ernteergänzung bieten.
  • Solange die Samen in der heranwachsenden Frucht noch unreif sind, schützt die Pflanze sie durch bittere und giftige Glykoalkaloide vor zu frühem Fraß; erst exakt zum Zeitpunkt der Samenreife baut sie diese Schutzstoffe ab, färbt die Beere schwarz und lockt mit Traubenaroma Vögel und Menschen zur Verbreitung an.

Verbreitungsgebiet

  • Vereinigte Staaten
  • Mexiko
  • Guatemala
  • Honduras
  • El Salvador
  • Nicaragua
  • Costa Rica
  • Panama
  • Kolumbien
  • Venezuela
  • Ecuador
  • Peru
  • Bolivien

Technische Information

Taxonsynonyme: Witheringia conspersa, Saracha edulis, Witheringia glabrata, Bellinia procumbens, Saracha procumbens, Witheringia alata, Witheringia laxa, Witheringia jaltomata, Witheringia diffusa, Witheringia candollei, Witheringia procumbens, Witheringia allogona, Bellinia biflora, Saracha procumbens var. pilosula, Atropa procumbens, Saracha probescens, Saracha microsperma, Saracha alata, Saracha allogona, Saracha caracasana, Saracha miersii, Saracha laxa, Saracha glabrata, Saracha jaltomata, Saracha conspersa, Saracha sessilis, Physalis solanacea

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

Grünblütige Andenbeere

Grünblütige Andenbeere

Jaltomata viridiflora

Hochandiner Strauch oder krautige Pflanze aus der Familie der Nachtschattengewächse mit blassgrünen Röhrenblüten und orange-rötlichen …

Doldige Andenbeere

Doldige Andenbeere

Jaltomata umbellata

Ein bis zu einen Meter hoher Strauch aus den küstennahen Loma-Nebelwüsten Perus mit doldigen Blütenständen, …