Bewimperter Bocksdorn (Lycium ciliatum)

Silhouette: T. Michael Keesey / Lizenz

Lycium ciliatum: der bewimperte Bocksdorn aus Südamerika

Lycium ciliatum ist ein aufrecht wachsender, sommergrüner Strauch aus den trockenen Ebenen und Gebirgstälern des nördlichen Argentiniens und Boliviens, der im Spätsommer mit leuchtend roten bis orangen Beeren geschmückt ist. Sein lateinisches Art-Epitheton ciliatum bedeutet „bewimpert“ und verweist auf die feinen Haarkränze an den Blatträndern sowie an der verbreiterten Basis seiner Staubfäden.

Die Art gehört zur Gattung der Bocksdorne (Lycium) innerhalb der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Wissenschaftlich erstbeschrieben wurde sie im Jahr 1832 von dem deutschen Botaniker Diederich Franz Leonhard von Schlechtendal in der Fachzeitschrift Linnaea; ein bekanntes späteres Synonym ist Lycium argentinum.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ asterids
  • ∟ Ordnung Solanales
  • ∟ Familie Solanaceae
  • ∟ Unterfamilie Solanoideae
  • ∟ Tribus Lycieae
  • ∟ Gattung Lycium
  • ∟ Art Lycium ciliatum (Bewimperter Bocksdorn)

Lebendiger Puls

Morphologie

Wuchs und Belaubung

Der reich verzweigte Strauch zeigt einen straff aufrechten Wuchs und erreicht in seiner südamerikanischen Heimat Höhen von 1,6 bis 2 Metern. Seine Laubblätter sind äußerst variabel gestaltet und können je nach Niederschlagsmenge und Standort kahl oder deutlich behaart sein.

  • Die Blattspreiten werden 5 bis 75 Millimeter lang und 4 bis 45 Millimeter breit.
  • Oft tragen die Blattränder feine Wimperhärchen (Cilien — gleichmäßig aufgereihte Randhaare), die dem Strauch seinen Artnamen verliehen haben.

Blüten und Beeren

Die zwittrigen Blüten sind meist fünfzählig, seltener sechszählig aufgebaut und besitzen einen glockenförmigen Kelch, dessen 4 bis 8,5 Millimeter lange Kelchlappen die kurze Kelchröhre deutlich überragen. Die trichterförmige Blütenkrone ist reinweiß bis cremig-schmutzigweiß gefärbt und besitzt zurückgeschlagene Kronlappen von 3,5 bis 8,5 Millimetern Länge.

  • Im Inneren der 3 bis 6 Millimeter langen Kronröhre sitzen Staubfäden mit einer verbreiterten, dicht bewimperten Basis.
  • Aus dem Fruchtknoten reift eine kugelförmige bis eiförmige, leuchtend rote oder orange Beere von 5 bis 8 Millimetern Durchmesser heran, die pro Fruchtblatt 15 bis 35 Samen birgt.

Blütezeit

Auf der Südhalbkugel erstreckt sich die Blütezeit im Frühling und Sommer vorwiegend von Oktober bis Februar.

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Interessante Fakten

Ein mikroskopischer Haarkranz als Verdunstungsschutz und Nektarschranke

In den sonnendurchfluteten, oft windigen Trockengebieten des Gran Chaco und der Andenausläufer ist jeder Tropfen Flüssigkeit für die Pflanze kostbar, selbst der zuckerreiche Nektar in den Blüten. Lycium ciliatum gehört innerhalb der Bocksdorne zur Sektion Schistocalyx, deren Vertreter eine fein abgestimmte architektonische Lösung für dieses Problem besitzen.

  • Die Basis jedes Staubfadens ist flächig verbreitert und am Rand dicht mit feinen Wimperhaaren besetzt, die sich im engen Grund der Kronröhre wie ein winziges Reusengitter ineinander verzahnen.
  • Dieses Haardach schließt die darunterliegende Nektarkammer nach außen ab, bremst die trockene Luftströmung und verhindert, dass der Nektar in der trockenen Hitze verdunstet oder zu zähflüssig wird.

Zugleich wirkt dieser Haarkranz als mechanischer Filter gegen winzige Nektarräuber wie Ameisen, die keine Bestäubungsarbeit leisten. Nur kräftige Blütenbesucher mit einem ausreichend langen Rüssel können die elastische Wimperschranke durchdringen und streifen dabei zwangsläufig den Pollen an den Staubbeuteln ab — ein Merkmal, das sich als so verlässlich erwies, dass auch moderne DNA-Analysen die Verwandtschaftsgruppe um Lycium ciliatum und seine Schwesterart Lycium chilense exakt bestätigten.

Verbreitungsgebiet

  • Argentinien
  • Bolivien

Technische Information

Taxonsynonyme: Lycium schickendantzii, Salpichroa ciliata, Lycium ignarum, Lycium erosum, Lycium ciliatum var. latifolium, Lycium ciliatum var. heteromorphum, Lycium chilense var. meyeri, Lycium ciliatum var. saltense, Lycium ciliatum var. cordobense, Withania pulvinata

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

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