Begonienblättriger Sankt-Helena-Buchs (Mellissia begoniifolia)

Buchsbaum von St. Helena St. Helena Boxwood
Silhouette: T. Michael Keesey / Lizenz

Mellissia begoniifolia: Der seltene Buchsbaum von St. Helena im Porträt

Mellissia begoniifolia ist ein stark verzweigter, oft knorrig wachsender Zwergstrauch, der weltweit ausschließlich an den trockenen, windumtosten Felshängen der südatlantischen Vulkaninsel St. Helena vorkommt. Sein Art-Epitheton begoniifolia bedeutet „begonienblättrig“ und verweist auf die leicht asymmetrischen, herzförmig-ovalen Laubblätter, deren Form an die Blätter von Begonien erinnert.

Die Art bildet die einzige Vertreterin der monotypischen Gattung Mellissia (innerhalb der auf der Insel heimischen Zwergsträucher nach dem britischen Ingenieur und Naturforscher John Charles Melliss benannt). Ursprünglich wurde die Pflanze 1806 von William Roxburgh als Physalis begoniifolia beschrieben, bevor Joseph Dalton Hooker sie 1867 in eine eigene Gattung stellte.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ asterids
  • ∟ Ordnung Solanales
  • ∟ Familie Solanaceae
  • ∟ Gattung Mellissia
  • ∟ Art Mellissia begoniifolia (Begonienblättriger Sankt-Helena-Buchs)

Lebendiger Puls

Morphologie

Mellissia begoniifolia wächst als dichter, sparrig verzweigter Strauch mit brüchigen, hellbraunen bis grauen Zweigen und erreicht meist eine Wuchshöhe von 0,5 bis 1,5 Metern. Die Rinde älterer Äste ist rau und knorrig, was der Pflanze in den steinigen Küstenlagen einen gedrungenen Charakter verleiht.

Blätter, Blüten und Kelchhülle

Die wechselständig oder paarweise genähert stehenden Blätter sind fleischig-weich, eiförmig bis fast herzförmig und an der Basis oft leicht schief ausgebildet. Junge Triebe und Blätter tragen klebrige Drüsenhaare, die einen strengen, charakteristischen Eigengeruch verströmen.

  • Blütenform: In den Blattachseln hängen nickende, breit glockenförmige Blüten mit einer reinweißen Krone, die im Schlund feine purpurfarbene Saftmale oder einen dunklen Ring aufweisen können.
  • Papierartiger Kelch: Nach der Blüte vergrößert sich der grüne Blütenkelch (accreszenter Kelch) stark, wird pergamentartig trocken und umschließt die heranreifende Frucht wie eine schützende Laterne.
  • Frucht und Samen: Im Inneren der trockenen Kelchhülle sitzt eine kleine, kugelige Kapsel- oder Beerenfrucht, die bei Reife eintrocknet und dunkelbraune, nierenförmige Samen freigibt.

Blütezeit

Blüht während der feuchteren Winter- und Frühlingsmonate auf der Südhalbkugel

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Anwendungen

Aufgrund ihrer extremen Seltenheit in der freien Natur spielt Mellissia begoniifolia vor allem in wissenschaftlichen Ex-situ-Erhaltungsprogrammen und spezialisierten botanischen Sammlungen eine wichtige Rolle. Nachdem die Art über ein Jahrhundert lang als ausgestorben galt und 1998 an einem steilen Felshang auf St. Helena wiederentdeckt wurde, gelang es unter anderem den Royal Botanic Gardens in Kew sowie Schutzstationen auf St. Helena, die Pflanze aus Samen und Stecklingen für Auswilderungsprojekte nachzuziehen.

In der regulären Gartenkultur wird der Strauch nicht verwendet, dient aber in Forschungsgewächshäusern als lebendiges Modellobjekt, um die Bestäubungsökologie und genetische Vielfalt isolierter Insel-Endemiten zu untersuchen.

Interessante Fakten

Die Überlebensstrategie von Mellissia begoniifolia an den salzigen, trockenen und stark erodierten Steilhängen im Südosten von St. Helena gleicht einem präzise getakteten Kalender, der den extremen Jahreszeiten der Vulkaninsel Rechnung trägt.

Sommerlicher Laubabwurf und Windsegel-Kelche

Statt ihr Laub wie viele Pflanzen gemäßigter Zonen im Winter abzuwerfen, zieht sich Mellissia begoniifolia während der heißesten und trockensten Monate in eine Ruhephase zurück. Sobald die seltenen Winterregen einsetzen, treibt der scheinbar leblose, knorrige Strauch innerhalb kürzester Zeit frische, saftige Blätter und hunderte nickende Glockenblüten aus.

  • Mitwachsende Schutzhülle: Nach der Bestäubung wächst der Blütenkelch weiter und bildet eine geaderte, ballonartige Hülle um die junge Frucht, die das empfindliche Gewebe zunächst vor austrocknenden Passatwinden und Fressfeinden abschirmt.
  • Mechanische Samenverbreitung: Sobald die Samen reif sind und die Trockenzeit zurückkehrt, trocknet dieser vergrößerte Kelch papierartig ein und wirkt wie ein leichtes Windsegel, das vom kräftigen Küstenwind samt den Samen über das felsige Gelände getragen wird.

Diese zeitliche und funktionelle Abstimmung — erst Schutzraum für die reifende Frucht, dann Flugapparat für die nächste Generation genau zum Beginn der windreichen Periode — zeigt eine beeindruckende Zweckmäßigkeit bis ins kleinste Detail.

Verbreitungsgebiet

  • St. Helena, Ascension und Tristan da Cunha

Technische Information

Taxonsynonyme: Withania begonifolia, Withania begoniifolia, Physalis begoniifolia

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

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