Königlicher Irokobaum (Milicia regia)

Iroko Odum Königs-Milicia
Silhouette: T. Michael Keesey / Lizenz

Milicia regia (Iroko, Odum): Beschreibung, Verbreitung und Holz

Milicia regia ist ein stattlicher, zweihäusiger Tropenbaum mit einer breiten, dunkelgrünen Krone und einem kerzengeraden Stamm, der in den Hochwäldern, Flusstälern und baumbestandenen Savannen Westafrikas von Senegal bis Ghana beheimatet ist. Das lateinische Art-Epitheton regia bedeutet „königlich“ und verweist auf den majestätischen Wuchs dieses Urwaldriesen, der im westafrikanischen Holzhandel zusammen mit seiner Schwesterart als wertvoller Lieferant von Iroko- oder Odum-Holz geschätzt wird.

Botanisch gehört die Art zur Familie der Maulbeergewächse (Moraceae) innerhalb der Tribus Moreae. Sie wurde 1912 vom französischen Botaniker Auguste Jean Baptiste Chevalier anhand von Sammlungen aus dem Bergland Fouta Djallon in Guinea erstmals als Chlorophora regia beschrieben, später zeitweise der Gattung Maclura zugeordnet und 1982 von Cornelis Christiaan Berg in die wiedererrichtete Gattung Milicia überführt.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superrosids
  • ∟ rosids
  • ∟ Ordnung Rosales
  • ∟ Familie Moraceae
  • ∟ Gattung Milicia
  • ∟ Art Milicia regia (Königlicher Irokobaum)

Lebendiger Puls

Morphologie

Stamm und Krone

Der hoch aufragende, gerade Stamm erreicht einen Durchmesser von bis zu einem Meter und wird von einer glatten, rötlich-braunen Rinde umhüllt. Darüber wölbt sich eine weit ausladende, abgerundete Krone aus dichtem, dunkelgrünem Laub.

Blätter

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sitzen an kurzen Blattstielen (Petiolen) und besitzen eine eiförmige Spreite mit glattem, ungezähntem Rand. Sie werden bis zu 7 Zentimeter lang und zeichnen sich durch 7 bis 11 deutlich erkennbare Paare von Seitennerven aus.

Blütenstände und Früchte

Als zweihäusige (diözische) Pflanze trägt die Art männliche und weibliche Blüten auf getrennten Bäumen, wobei die Blüten als Kätzchen in den Blattachseln entspringen:

  • Männliche Bäume sind im Wuchs höher sowie schlanker und bilden bis zu 20 Zentimeter lange, hängende Kätzchen, die sich im oberen Kronenbereich früher öffnen als in den unteren Etagen.
  • Weibliche Bäume bringen im oberen Teil der Krone kompakte, grüne Kätzchen von bis zu 2 Zentimetern Länge hervor, aus denen die empfängnisbereiten Griffel deutlich herausragen.
  • Fruchtstände reifen nach der Windbestäubung innerhalb von fünf bis sechs Wochen heran, färben sich gelb und fallen zu Boden, wo ihre zahlreichen feinen Samen von Vögeln, Säugetieren und Insekten verbreitet werden.

Anwendungen

Das Kernholz von Milicia regia wird zusammen mit dem der eng verwandten Art Milicia excelsa unter den Handelsnamen Iroko oder Odum geführt und zählt zu den begehrtesten Bau- und Konstruktionshölzern Westafrikas. Es zeigt eine gelbbraune bis tiefbraune Färbung mit markanten dunkleren Adern sowie einer groben Textur und zeichnet sich durch eine natürliche Resistenz gegenüber Termiten und holzzersetzenden Pilzen aus, während holzbohrende Insekten lediglich das helle Splintholz angreifen können.

  • Bauwesen und Kunsttischlerei: Wegen seiner hohen Festigkeit und Witterungsbeständigkeit wird das Holz intensiv für tragende Konstruktionen, hochwertige Bautischlerarbeiten, Parkettböden und langlebige Möbel eingesetzt.
  • Traditionelles Handwerk: In den Herkunftsländern fertigt man aus den massiven Stammabschnitten widerstandsfähige Mörser zum Zerstoßen von Lebensmitteln im täglichen Gebrauch.

Interessante Fakten

Präzise Choreografie der Windbestäubung im Kronendach

Im dichten Blätterdach westafrikanischer Wälder ist der Transport von Blütenstaub durch den Wind ein schwieriges Unterfangen, da Laubmassen die Luftströmungen abbremsen. Bei Milicia regia sind Wuchsform und Blühzeitpunkt der beiden Geschlechter jedoch wie Zahnräder eines fein abgestimmten Uhrwerks aufeinander ausgerichtet.

  • Aerodynamischer Höhenvorteil: Die männlichen Bäume wachsen gezielt höher und schlanker als ihre weiblichen Artgenossen, sodass ihre bis zu 20 Zentimeter langen Kätzchen frei in die bewegteren Luftschichten ragen und den Pollen weit über das Kronendach verstreuen können.
  • Abgestufte Reifung in der Krone: Die männlichen Blüten öffnen sich im sonnen- und windreichen oberen Kronenbereich merklich früher als an den unteren Zweigen, während die kurzen weiblichen Kätzchen genau im oberen Kronendach positioniert sind, um die herabsinkende Pollenwolke mit ihren weit herausragenden Griffeln aufzufangen.

Das ökologische Zusammenspiel mit der Gallfliege Phytolyma lata

Versuche, diesen wertvollen Holzlieferanten in sortenreinen Plantagen anzubauen, scheitern regelmäßig an einem winzigen, hochspezialisierten Gegenspieler aus der Insektenwelt. Der Blattfloh Phytolyma lata spürt junge Bäume zielsicher auf und legt seine Eier in die austreibenden Knospen, woraufhin die schlüpfenden Larven das Pflanzengewebe zur Bildung von Pflanzengallen (Wucherungen als Schutz- und Nährkammer) anregen.

Bricht die Galle auf, um das erwachsene Insekt freizugeben, stirbt der geschwächte Trieb oft ab, was besonders bei dicht stehenden Sämlingen zum Verlust der gesamten Pflanze führt. Im artenreichen Naturwald sorgt genau dieser Mechanismus dafür, dass Milicia regia nur vereinzelt zwischen anderen Baumarten heranwächst und niemals monotone Reinbestände bildet.

Verbreitungsgebiet

  • Senegal
  • Gambia
  • Guinea-Bissau
  • Guinea
  • Sierra Leone
  • Liberia
  • Elfenbeinküste
  • Ghana
  • Benin
  • Kamerun

Quellen

  • Plants of the World Online (POWO): Milicia regia (A.Chev.) C.C.Berg – Royal Botanic Gardens, Kew.
  • Berg, C.C. (1982): The reinstatement of the genus Milicia Sim (Moraceae). Bulletin du Jardin Botanique National de Belgique 52: 225–229.
  • Chevalier, A. (1912): Novitates florae africanae. Mémoires de la Société Botanique de France 8: 207–211.
  • IUCN Red List of Threatened Species: Milicia regia.

Technische Information

Taxonsynonyme: Chlorophora regia, Maclura regia

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

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