Kalk-Quellkraut (Montia calcicola)

Silhouette: T. Michael Keesey / Lizenz

Montia calcicola: Botanik und Lebensraum der seltenen Kalk-Quellpflanze

Montia calcicola ist eine unscheinbare, bodennah wachsende Gebirgspflanze aus den kühlen Nebelwald- und Hochlandregionen Mittelamerikas und Südmexikos. Ihr lateinisches Artepitheton calcicola bedeutet „kalkbewohnend“ und verweist direkt auf ihre enge Bindung an feuchte, moosbedeckte Kalksteinfelsen und kalkreiche Sickerfluren.

Erstbeschrieben wurde die Art im Jahr 1944 von den amerikanischen Botanikern Paul Carpenter Standley und Julian Alfred Steyermark anhand von Herbarbelegen aus den Bergen Guatemalas. In den vorliegenden Basisdaten sind Familie und Ordnung nicht ausgewiesen; in modernen Datenbanken wie POWO und WFO wird das Taxon teilweise als Synonym zur weitverbreiteten Montia fontana L. gestellt oder als eigenständige neotropische Sippe geführt.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superasterids
  • ∟ Ordnung Caryophyllales
  • ∟ Familie Montiaceae
  • ∟ Gattung Montia (Quellkraut)
  • ∟ Art Montia calcicola (Kalk-Quellkraut)

Lebendiger Puls

Morphologie

Die Pflanze wächst als zartes, kahles Kraut mit dünnen, stark verzweigten Stängeln, die dem feuchten Gestein aufliegen oder zwischen Moospolstern aufsteigen. Durch ihre geringe Wuchshöhe von wenigen Zentimetern bildet sie dichte, flache Rasen in geschützten Felsspalten.

Blattwerk und Sprossaufbau

Die gegenständigen Blätter sind leicht sukkulent (wasserspeichernd) und sitzen mit einer scheidenartig verbreiterten Basis direkt am Stängel oder an sehr kurzen Stielen. Ihre Spreiten sind ganzrandig, spatelförmig bis schmal verkehrt-eiförmig und nur wenige Millimeter bis knapp über einen Zentimeter lang.

  • Kahle Epidermis: Die gesamte Blattoberfläche ist völlig unbehaart und von einer glatten Kutikula (Wachsschicht) überzogen, die das Abperlen von Spritzwasser erleichtert.
  • Knotenbewurzelung: Wo die zarten Sprosse feuchten Kalkhumus berühren, treiben sie feine Adventivwurzeln aus und verankern das Polster fest im Untergrund.

Blüten und Samenmerkmale

Die winzigen, unscheinbaren Blüten stehen einzeln oder in armblütigen Wickeln in den oberen Blattachseln und an den Triebspitzen. Zwei breit-rundliche, grüne Kelchblätter umschließen die weißen, am Grund kurz verwachsenen Kronblätter sowie später die heranreifende Kapselfrucht.

  • Kapselfrucht: Die kugelige bis eiförmige Kapsel öffnet sich bei der Reife mit drei Klappen, die sich beim Eintrocknen rasch einrollen und die Samen herausschleudern.
  • Skulpturierte Samen: Die bis zu drei dunklen Samen pro Kapsel besitzen eine strukturierte Samenschale, die das Festhaften in feuchten Gesteinsritzen begünstigt.

Blütezeit

Späte Regenzeit bis frühe Trockenzeit in den tropischen Hochlagen (Juli bis Dezember)

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Interessante Fakten

Während fast alle nahen Verwandten der Gattung saures, kalkarmes Quellwasser und Silikatgestein bevorzugen, hat Montia calcicola eine gegensätzliche ökologische Nische im Karstgebirge der Sierra de los Cuchumatanes und des angrenzenden Chiapas besiedelt. Das Überleben auf porösem Kalkstein in über 2.500 Metern Höhe erfordert eine präzise physiologische Abstimmung von Wasserhaushalt und Nährstoffaufnahme.

Feinabstimmung auf basische Karstquellen

In kalkreichen Sickerfluren liegt der pH-Wert des Wassers im alkalischen Bereich, wodurch lebenswichtige Spurenelemente wie Eisen und Phosphor chemisch gebunden und für gewöhnliche Quellpflanzen kaum verfügbar sind. Gleichzeitig trocknet poröser Kalkfels nach Regenfällen rasch ab und kühlt in tropischen Gebirgsnächten stark aus.

  • Ionen-Regulation an der Wurzel: Das feine Wurzelsystem muss einen Überschuss an gelösten Calcium- und Bicarbonat-Ionen tolerieren, ohne dass die Zellmembranen verkalken oder der Transport von Kalium und Mikronährstoffen blockiert wird.
  • Mikroklimatischer Polsterwuchs: Durch den gedrungenen, teppichartigen Wuchs inmitten feuchter Karstmoose hält die Pflanze eine ruhige Grenzschicht aus wassergesättigter Luft um ihre sukkulenten Blätter aufrecht und puffert so nächtliche Bodenfröste sowie starke Höhenstrahlung ab.

Verbreitungsgebiet

  • Guatemala
  • Mexiko

Technische Information

Taxonsynonyme: Crunocallis calcicola

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

Bach-Quellkraut

Bach-Quellkraut

Montia fontana

Kosmopolitisch verbreitete, polsterbildende Wasser- und Sumpfpflanze kalkarmer Quellfluren mit saftig-grünen Trieben und winzigen weißen Blüten.