Bitterholzbaum
Picrasma
Eine Gattung sommergrüner Bäume und Sträucher aus der Familie der Bittereschengewächse, bekannt für ihre ausgeprägte …
Nicandra physalodes, im Deutschen als Giftbeere oder Blaue Physalis bekannt, ist eine schnellwüchsige, einjährige krautige Pflanze aus den südamerikanischen Anden, die mit zartvioletten Glockenblüten und auffälligen, lampionartigen Fruchtkelchen auffällt. Ihr Artname physalodes bedeutet „blasenkirschenähnlich“ und verweist auf die verblüffende optische Nähe zur Gattung Physalis, während der Gattungsname an den antiken griechischen Dichter und Arzt Nikandros von Kolophon erinnert, der Lehrgedichte über Gifte verfasste.
Die Art gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) und wurde 1753 von Carl von Linné unter dem Namen Atropa physalodes erstmals wissenschaftlich beschrieben. Im Jahr 1791 überführte der deutsche Botaniker Joseph Gaertner die Pflanze in ihrem Werk über Früchte und Samen in die eigene Gattung Nicandra.
Die Giftbeere wächst als aufrechte, buschig verzweigte Sommerpflanze und erreicht je nach Standort Höhen von 0,5 bis 1,5 Metern, in seltenen Fällen bis zu 2 Metern. Ihre kräftigen, kahlen Stängel sind leicht kantig geformt und im Inneren hohl.
Die wechselständigen Laubblätter sitzen an 1,5 bis 9 Zentimeter langen, schmal geflügelten Blattstielen. Die dünnen, membranartigen Blattspreiten sind eiförmig bis elliptisch geformt, werden 10 bis 21 Zentimeter lang und zeigen einen unregelmäßig buchtig gezähnten oder geschwungenen Rand.
Auf der Blattoberseite befinden sich feine, mit bloßem Auge kaum sichtbare dunkle Punkte von 0,1 bis 0,3 Millimetern Durchmesser. Aus diesen Stellen ragen winzige, durchsichtige Zäpfchen von bis zu einem Millimeter Länge hervor.
Von Juli bis Oktober erscheinen die radiärsymmetrischen, zwittrigen Blüten einzeln in den Blattachseln an zunächst aufrechten, später nickenden Stielen. Die glockig-trichterförmige Blütenkrone erreicht einen Durchmesser von 2,5 bis 5 Zentimetern und ist am fünflappigen Saum zart blauviolett gefärbt, während der Schlund weiß leuchtet und oft fünf dunkle Basalflecken trägt.
Im Zentrum der Blüte stehen fünf gleich lange Staubblätter, deren Staubfäden an der Basis mit langen, einfachen Trichomen — feinen Pflanzenhaaren — dicht besetzt sind. Der Fruchtknoten ist durch dünne, häutige Scheidewände in drei bis fünf ungleich große Kammern unterteilt und birgt zahlreiche Samenanlagen.
Die Blütezeit erstreckt sich vom Hochsommer bis in den Herbst, wobei sich jede einzelne Blüte nur für wenige Stunden um die Mittagszeit öffnet.
Trotz der in Wurzeln und Kraut enthaltenen Alkaloide (darunter Hygrin und Tropinon) wird Nicandra physalodes seit dem 18. Jahrhundert als Zierpflanze in Gärten und Parks kultiviert. Neben den zartblauen Sommerblüten sind vor allem die getrockneten, pergamentartigen Fruchtkelche in der Trockenblumenfloristik beliebt.
Im Gartenbau und in Gewächshäusern wird die Art gezielt zur biologischen Schädlingsregulierung eingesetzt, da sie die Weiße Fliege (Mottenschildläuse) anlockt. Saugen die Insekten am Pflanzensaft, nehmen sie die steroide Verbindung Nicandrenon auf, die für die Schädlinge tödlich wirkt und benachbarte Gemüsekulturen entlastet.
In der südwestchinesischen Provinz Sichuan dienen die pektinreichen Samen seit der Qing-Dynastie zur Herstellung eines bekannten Sommerdesserts namens Bingfen (Eisgelee). Dazu werden die Samen im Wasserbad in einem Tuch gerieben, sodass sich das natürliche Geliermittel Pektin löst und mit etwas gelöschtem Kalk zu einem klaren, kühlenden Gelee erstarrt, das traditionell mit braunem Zuckersirup serviert wird.
In der traditionellen Volksmedizin verschiedener Regionen — unter anderem in den Anden sowie als eingeführte Pflanze im Himalaya und in der tibetischen Medizin — wurden Auszüge und Samen äußerlich bei Hautleiden sowie innerlich als harntreibendes Mittel (Diuretikum), bei Fieber oder Zahnschmerzen genutzt. Aufgrund des Gehalts an Withanoliden und Tropan-Vorstufen wird von einer unkontrollierten innerlichen Anwendung in der modernen Pflanzenheilkunde jedoch abgeraten.
Bevor sich die Blüte der Giftbeere öffnet, bilden ihre fünf kantig aneinandergepressten Kelchblätter eine wasserdichte Kammer. Auf der Innenseite dieses geschlossenen Kelches sitzen zahlreiche Hydathoden — spezialisierte Wasserdrüsen, die aktiv eine klare Flüssigkeit in den Hohlraum abscheiden.
Die empfindlichen Kronblätter und Staubgefäße wachsen dadurch komplett untergetaucht in einem eigenen kleinen Flüssigkeitsbad heran. Dieses Polster schützt die zarten Gewebe in den trockenen, strahlungsintensiven Hochlagen der Anden vor dem Austrocknen und vor starken Temperaturschwankungen, bis sich der Kelch öffnet und das Wasser verdunstet.
Taxonsynonyme: Pentagonia physalodes, Nicandra physalodes var. violacea, Nicandra minor, Nicandra undulata, Nicandra nana, Atropa daturifolia, Calydermos erosus, Nicandra parvimaculata, Nicandra macrocalyx, Nicandra nebulosa, Nicandra brevicorollata, Physalis spectabilis, Physalis daturifolia, Atropa physalodes
Picrasma
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