Staudts Falsche Mombinpflaume (Nothospondias staudtii)

Silhouette: T. Michael Keesey / Lizenz

Nothospondias staudtii: Monotypischer Baum der Simaroubaceae

Nothospondias staudtii ist ein stattlicher, zweihäusiger Regenwaldbaum aus dem tropischen West- und Zentralafrika, der durch seine bis zu einem Meter langen, schopfartig am Ende der kräftigen Zweige gebündelten Fiederblätter auffällt. Das Art-Epitheton staudtii ehrt den deutschen Pflanzensammler Alois Staudt, der Ende des 19. Jahrhunderts in Kamerun die ersten Herbarbelege dieser Art für die Wissenschaft sicherte.

Der Baum ist der einzige Vertreter der damit monotypischen Gattung Nothospondias innerhalb der Familie der Bittereschengewächse (Simaroubaceae). Adolf Engler beschrieb die Art im Jahr 1905 zunächst mit Blick auf ihre äußerliche Ähnlichkeit zur Gattung Spondias (Sumachgewächse), worauf auch der Gattungsname aus dem Griechischen nothos („unecht“ oder „falsch“) und Spondias anspielt; später wurde unter anderem das Synonym Nothospondias talbotii S.Moore (1913) diesem Taxon zugeordnet.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superrosids
  • ∟ rosids
  • ∟ malvids
  • ∟ Ordnung Sapindales
  • ∟ Familie Simaroubaceae (Bittereschengewächse)
  • ∟ Gattung Nothospondias (Nothospondias-Baum)
  • ∟ Art Nothospondias staudtii (Staudts Falsche Mombinpflaume)

Lebendiger Puls

Morphologie

Stamm und Schopfbaum-Architektur

Nothospondias staudtii wächst als mittelgroßer Baum des unteren bis mittleren Kronendachs und erreicht Höhen von 15 bis 25 Metern, selten bis zu 40 Metern. Der Stamm ist gerade und zylindrisch mit einer graubraunen, im Alter leicht rissigen Borke, während die dicken Zweige markante, herzförmige Blattnarben abgefallener Blätter tragen.

Blätter

Die unpaarig gefiederten Laubblätter drängen sich schirmartig an den Triebspitzen zusammen und erreichen eine Gesamtlänge von 50 bis über 100 Zentimetern. An der kräftigen Blattspindel sitzen bis zu 20 Paare wechselständiger oder fast gegenständiger Fiederblättchen.

  • Form der Fiederblättchen: Die einzelnen Blättchen sind länglich-eiförmig bis elliptisch, an der Basis oft leicht asymmetrisch und laufen an der Spitze in eine deutliche Träufelspitze (Acumen) aus.
  • Oberfläche: Die Spreiten sind kahl, papierartig bis dünnledrig und zeigen auf der Unterseite ein deutlich hervortretendes Netz aus Seitennerven.

Blüten und Früchte

Die Art ist zweihäusig (diözisch), sodass männliche und weibliche Blüten auf getrennten Bäumen in langen, locker verzweigten, achselständigen oder direkt am älteren Holz entspringenden Rispen stehen. Die kleinen, vierzähligen Blüten besitzen gelblich-weiße bis rötlich überlaufene Kronblätter.

  • Aufbau der Blüte: In den männlichen Blüten befinden sich acht Staubblätter rund um einen gelappten Diskus, während die weiblichen Blüten vier freie Fruchtblätter besitzen, die nur über ihre kurzen Griffel miteinander verbunden sind.
  • Steinfrüchte: Bei der Reife entwickeln sich aus einer Blüte ein bis vier fleischige, eiförmige bis leicht abgeflachte Steinfrüchte von etwa 2 bis 2,5 Zentimetern Länge, die sich leuchtend gelb verfärben und harzreiche Hohlräume im Fruchtfleisch aufweisen.

Interessante Fakten

Konvergente Gestalt und das Rätsel des „unechten Spondias“

Als Adolf Engler das Pflanzenmaterial aus Kamerun untersuchte, fiel ihm sofort die verblüffende Ähnlichkeit mit den fruchttragenden Bäumen der Gattung Spondias (wie der Goldpflaume aus der Familie der Sumachgewächse) auf. Sowohl der Habitus mit den riesigen, an den Zweigenden gehäuften Fiederblättern als auch die gelben, pflaumenartigen Steinfrüchte und das Vorhandensein von Harzgängen im Fruchtfleisch deuteten auf den ersten Blick in diese Richtung.

Erst moderne anatomische und molekulargenetische Untersuchungen bestätigten endgültig, dass Nothospondias staudtii ein hochspezialisierter Vertreter der Bittereschengewächse (Simaroubaceae) ist. Der Baum stellt ein Lehrstück dafür dar, wie ein einzelner Entwicklungspfad verschiedene Baumerkmale zu einem funktionierenden Gesamtsystem im Regenwald vereint.

  • Regenrinnen-Mechanik: Die bis zu einem Meter langen Fiederblätter tragen an jedem einzelnen der bis zu 41 Blättchen eine ausgezogene Träufelspitze, über die das heftige Niederschlagswasser der guineo-kongolesischen Regenwälder binnen Minuten abgeleitet wird, damit sich kein schwerer Wasserfilm und kein Moosbewuchs auf der Spreite bilden.
  • Duftende Fruchtverbreitung: Während der Holzkörper und die Blätter durch bittere Inhaltsstoffe gegen Fraßfeinde geschützt sind, bildet das gelbe Fruchtfleisch der reifen Steinfrüchte aromatische Harze und Zucker, um große Waldvögel, Primaten und andere Säugetiere als Samenverbreiter anzulocken.

Diese präzise Arbeitsteilung zwischen wehrhaftem Laub, rascher Entwässerung der riesigen Blattflächen und nahrhaften Steinfrüchten sichert dem Baum seinen Platz im dichten Unterwuchs der west- und zentralafrikanischen Tieflandwälder.

Verbreitungsgebiet

  • Elfenbeinküste
  • Ghana
  • Benin
  • Nigeria
  • Kamerun
  • Gabun
  • Republik Kongo
  • Demokratische Republik Kongo

Quellen

  • Plants of the World Online (POWO): Royal Botanic Gardens, Kew — Nothospondias staudtii Engl.
  • World Flora Online (WFO) & Tropicos: Taxonomische Referenz zu Nothospondias staudtii (Simaroubaceae).
  • IUCN Red List of Threatened Species: Hawthorne, W. (1998) — Einstufung von Nothospondias staudtii als gefährdet (Vulnerable).
  • Engler, A. (1905): Beiträge zur Flora von Afrika XXVII, Botanische Jahrbücher für Systematik, Pflanzengeschichte und Pflanzengeographie 36(2): 217.

Technische Information

Taxonsynonyme: Nothospondias talbotii

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

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