Ganzblättrige Bergnessel (Oreocnide integrifolia)

Wild Rhea
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Oreocnide integrifolia – Botanik, Merkmale und Nutzung der Wild Rhea

Oreocnide integrifolia ist ein immergrüner großer Strauch oder kleiner Baum, der in den feuchten Schluchten, an Bachufern und in den Bergwäldern Süd- und Südostasiens sowie Südchinas beheimatet ist. Sein Art-Epitheton integrifolia bedeutet „ganzrandig beblättert“ und hebt ein für diese Verwandtschaft auffälliges Merkmal hervor: Im Gegensatz zu den meisten typischen Vertretern seiner Familie besitzt dieser Baum glatte, ungezähnte Blattränder und trägt keinerlei schmerzhafte Brennhaare.

Die Art gehört zur Familie der Brennnesselgewächse (Urticaceae). Sie wurde ursprünglich vom französischen Botaniker Charles Gaudichaud-Beaupré als Villebrunea integrifolia beschrieben und 1869 durch Friedrich Anton Wilhelm Miquel in die Gattung Oreocnide (von griechisch oros für „Berg“ und knide für „Nessel“) gestellt.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superrosids
  • ∟ rosids
  • ∟ Ordnung Rosales
  • ∟ Familie Urticaceae
  • ∟ Gattung Oreocnide
  • ∟ Art Oreocnide integrifolia (Ganzblättrige Bergnessel)

Lebendiger Puls

Morphologie

Oreocnide integrifolia wächst als reich verzweigter Strauch oder kleiner Baum mit einer bräunlichen, faserreichen Rinde und fein behaarten jungen Zweigen. Die Pflanze ist zweihäusig (diözisch), sodass männliche und weibliche Blüten auf getrennten Individuen sitzen.

Blattwerk

  • Die wechselständigen Blätter sind länglich-elliptisch bis verkehrt-lanzettlich geformt und laufen an der Spitze in eine markante Träufelspitze (acuminat – lang ausgezogene Blattspitze zur Ableitung von Regenwasser) aus.
  • Der Blattrand ist durchgehend glatt (ganzrandig), und die Blattspreite wird von einem fiedernervigen Adernetz durchzogen, dessen unterstes Seitennervenpaar weit in die obere Blatthälfte hinaufreicht.

Blütenstände und Früchte

  • Die winzigen Blüten stehen in kleinen, gabelig verzweigten Büscheln an den blattlosen Abschnitten vorjähriger Zweige oder in den Blattachseln.
  • Zur Fruchtreife bildet sich eine kleine, trockene Nussfrucht (Achäne – einsamige Schließfrucht), die von einer fleischig angeschwollen, weißlich-glänzenden und beerenartigen Hülle umschlossen wird.

Blütezeit

Die Blütezeit im natürlichen Verbreitungsgebiet erstreckt sich überwiegend auf das Frühjahr von Februar bis April, gefolgt von der Fruchtreife im Sommer und Herbst.

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Anwendungen

In den Bergregionen Nordostindiens, Myanmars und Südchinas ist Oreocnide integrifolia (lokal oft als „Wild Rhea“ bekannt) eine geschätzte Nutz- und Heilpflanze der ländlichen Bevölkerung. Sowohl die Rinde als auch die Blätter und Wurzeln finden im Alltag Verwendung.

  • Die innere Rinde liefert äußerst reißfeste, geschmeidige und wasserbeständige Bastfasern, die traditionell zum Flechten von Fischernetzen, Angelschnüren, Seilen und groben Geweben genutzt werden.
  • In der traditionellen Volksmedizin Nordostindiens (unter anderem in Arunachal Pradesh und Assam) werden Zubereitungen aus den Wurzeln und Blättern zur Behandlung von Hautbeschwerden, Wunden sowie zur Regulierung des Stoffwechsels eingesetzt.
  • Die jungen, zarten Triebe und Blätter werden in einigen Regionen als gekochtes Wildgemüse verzehrt, während die süßlichen, fleischigen Fruchthüllen roh genossen werden können.

Interessante Fakten

Innerhalb der Brennnesselgewächse zeigt Oreocnide integrifolia eine bemerkenswerte Umrüstung von krautiger Verteidigung auf langlebige Holzarchitektur und gezielte Samenverbreitung. Statt Energie in zerbrechliche Brennhaare mit Ameisensäure zu investieren, setzt dieser Waldbaum auf hochfeste Zellulosefasern und eine clevere Fruchthülle.

Mechanik der Bastfasern

  • In der Rinde sind extrem langgestreckte, dickwandige Festigungszellen (Sklerenchymfasern – mechanisches Stützgewebe der Pflanze) zu dichten Bündeln verflochten.
  • Diese Konstruktion verleiht den dünnen Zweigen eine enorme Zugfestigkeit, sodass sie unter der Last von tropischen Starkregenfällen und herabstürzenden Ästen im Unterholz elastisch nachgeben, ohne zu brechen.

Der fleischige Fruchtbecher

  • Die eigentliche Frucht ist eine winzige, trockene Achäne, die für Vögel allein kaum attraktiv wäre.
  • Während der Reifung schwillt jedoch die Blütenhülle samt dem Blütenboden zu einem saftigen, halbtransparenten weißen Polster an, das die Nussfrucht wie ein kleines Boot umschließt und Vögel im schattigen Unterholz optisch anlockt.

Verbreitungsgebiet

  • Bangladesch
  • Bhutan
  • China
  • Indonesien
  • Indien
  • Laos
  • Myanmar
  • Nepal
  • Thailand
  • Vietnam

Quellen

  • Plants of the World Online (POWO): Oreocnide integrifolia (Gaudich.) Miq. – Royal Botanic Gardens, Kew.
  • Flora of China: Oreocnide integrifolia – Morphologische Beschreibung und Standorte.
  • World Flora Online (WFO): Oreocnide integrifolia (Gaudich.) Miq. – Taxonomische Übersicht.

Technische Information

Taxonsynonyme: Urtica appendiculata, Oreocnide integrifolia subsp. subglabra, Urtica urophylla, Celtis elongata, Villebrunea appendiculata, Villebrunea integrifolia

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

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