Stechpalmenblättrige Pappel (Populus ilicifolia)

Tana-Fluss-Pappel Tana River Poplar
Silhouette: T. Michael Keesey / Lizenz

Populus ilicifolia (Tana-Fluss-Pappel): Merkmale, Ökologie und Nutzung

Populus ilicifolia ist ein bis zu 30 Meter hoher Baum, der die sandigen Ufer und Schwemmebenen ostafrikanischer Flüsse wie des Tana-Flusses in Kenia und im Nordosten Tansanias säumt. Als südlichster Vertreter aller Pappeln weltweit trägt er das Art-Epitheton ilicifolia („stechpalmenblättrig“), weil seine eckig-eiförmigen Blätter mit ihren großen Randzähnen an die Blätter der Stechpalme (Ilex) erinnern.

Die Art gehört zur Familie der Weidengewächse (Salicaceae) und wird innerhalb der Gattung Populus in die an warme Trockengebiete angepasste Sektion Turanga eingeordnet. Adolf Engler beschrieb den Baum 1895 zunächst unter dem Basionym Celtis ilicifolia, da das ungewöhnliche Laub selbst erfahrene Systematiker an ein Zürgelbaumgewächs denken ließ, bevor Ernest Rouleau ihn 1945 gültig zu den Pappeln stellte.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superrosids
  • ∟ rosids
  • ∟ Ordnung Malpighiales
  • ∟ Familie Salicaceae
  • ∟ Gattung Populus
  • ∟ Art Populus ilicifolia (Stechpalmenblättrige Pappel)

Lebendiger Puls

Morphologie

Stamm, Krone und Belaubung

Der Baum erreicht Wuchshöhen von 25 bis 30 Metern bei einem zylindrischen Stammdurchmesser von bis zu 1,5 Metern und bildet eine lockere, konische bis abgerundete Krone. Bei jungen Bäumen ist die Rinde glatt und weißlich bis blassbraun, während sie im Alter tiefe Längsrisse entwickelt und sich rötlich-braun bis graubraun färbt.

  • Die wechselständigen Laubblätter zeigen einen ausgeprägten Gestaltwandel (Heterophyllie): An junger Schösslingsbrut sind sie schmal-elliptisch bis linealisch, an ausgewachsenen Zweigen hingegen eckig-eiförmig oder verkehrt-eiförmig mit grob gezähntem Rand.
  • Die Blattstiele messen zwischen 0,5 und 4,5 Zentimeter, und an ihrer Basis sitzen dünne, rötliche Nebenblätter (Stipeln) von bis zu 5 Millimetern Länge, die frühzeitig abfallen.

Blütenkätzchen und Kapselfrüchte

Wie alle Pappeln ist auch diese Art zweihäusig (diözisch), sodass rein männliche und rein weibliche Blütenstände auf getrennten Bäumen wachsen. Die Einzelblüten sitzen in den Achseln von 3 bis 6 Millimeter langen Tragblättern und besitzen anstelle einer Blütenhülle einen dünnen, rötlichen Diskus mit deutlicher Fransenbildung.

  • Die männlichen Kätzchen sind 1,5 bis 2 Zentimeter lang, umfassen 6 bis 9 kurz gestielte Blüten und tragen zahlreiche Staubblätter für die Windbestäubung.
  • Die weiblichen Kätzchen stehen an den Enden kurzer Triebe, werden 1 bis 4 Zentimeter lang und bestehen aus 5 bis 15 Blüten mit einem flaumig behaarten, eiförmigen Fruchtknoten.
  • Die reife Frucht ist eine gefurchte, raue Kapsel von 0,5 bis 1,5 Zentimetern Länge, die sich mit 2 oder 4 Klappen öffnet und zahlreiche 1 bis 2 Millimeter kleine Samen mit langen weißen Haarschöpfen entlässt.

Blütezeit

Unregelmäßig je nach Luftfeuchtigkeit und Wasserstand; Fruchtreife vorwiegend von August bis Dezember

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Anwendungen

Entlang des Tana-Flusses und an der kenianischen Küste rund um Malindi und Lamu spielt das Holz von Populus ilicifolia eine zentrale Rolle im traditionellen Bootsbau. Das Volk der Pokomo fertigt aus den mächtigen Stämmen ausgehöhlte Einbaum-Kanus, die trotz einer begrenzten Haltbarkeit von etwa zwei Jahren wegen ihres geringen Gewichts (Rohdichte ca. 500 kg/m³) geschätzt und oft als Beiboote auf hochseetüchtigen Daus mitgeführt werden.

  • In der lokalen Holzwirtschaft dient das weiche, leicht zu sägende Holz zur Herstellung von Bienenstöcken, Mörsern, Haushaltsgefäßen, Zaunpfählen, Sperrholz, Streichhölzern und Verpackungskisten.
  • Im Landschaftsbau und der Agroforstwirtschaft wird der Baum zur Befestigung erosionsgefährdeter Flussufer, als Alleebaum sowie in Mischkulturen mit Mais, Reis, Hirse oder Bananen gepflanzt, da seine lichte Krone den Feldfrüchten kaum Schatten wirft.
  • In der Viehhaltung wird das Laub der Zweige von Nutztieren als Futterquelle angenommen.

Interessante Fakten

Ein Lebenszyklus im Takt der Flussfluten

Als einziger natürlich im tropischen Ostafrika vorkommender Vertreter der Gattung Populus hat sich dieser Pionierbaum präzise auf die Dynamik periodisch überfluteter Sandbänke eingestellt. Während Pappeln der gemäßigten Breiten ihr Laub im kalten Herbst abwerfen, verliert Populus ilicifolia ihre Blätter zumeist während der Regenzeit, wenn reißende Hochwasser den Wurzelraum überschwemmen und den Sauerstoffgehalt im Boden senken.

  • Die Auslösung der Blüte ist direkt an die Feuchtigkeitsschwankungen gekoppelt, sodass die Samenkapseln zwischen August und Dezember genau dann aufspringen, wenn das Hochwasser zurückgeht und frische, feuchte Alluvialböden freilegt.
  • Die mit einem weißen Haarschopf (Coma) ausgestatteten Samen schweben mit dem Wind auf diese unbewachsenen Schlick- und Sandbänke und keimen bei Wasserkontakt innerhalb weniger Tage, um den neuen Boden vor dem Austrocknen der Oberfläche mit einer Pfahlwurzel zu sichern.

Jugend- und Alterskleid am selben Baum

Bemerkenswert ist auch die zweistufige Blattstrategie an ein und derselben Pflanze. Junge Triebe in Bodennähe bilden schmale, weidenartige Blätter aus, die bei plötzlichen Überflutungen dem strömenden Wasser kaum Widerstand bieten, während die hoch über der Hochwasserlinie liegende Krone der Altbäume breite, gezähnte Blätter entfaltet, um das volle Sonnenlicht der Äquatorregion auszunutzen.

Verbreitungsgebiet

  • Kenia
  • Tansania

Quellen

  • Plants of the World Online (POWO): Royal Botanic Gardens, Kew – Populus ilicifolia (Engl.) Rouleau.
  • IUCN Red List of Threatened Species: Einstufung und Bestandsdaten für Populus ilicifolia.
  • Flora of Tropical East Africa: C. M. Wilmot-Dear – Salicaceae (1985).
  • Global Biodiversity Information Facility (GBIF): Vorkommensdaten entlang des Tana-Flusses in Kenia und Tansania.

Technische Information

Taxonsynonyme: Celtis ilicifolia

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

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