Zylindrisches Flügelkraut (Pterygiella cylindrica)

Silhouette: T. Michael Keesey / Lizenz

Pterygiella cylindrica: Merkmale und Lebensweise des Halbschmarotzers

Pterygiella cylindrica ist eine ausdauernde, aufrecht wachsende Gebirgspflanze mit dicht behaarten, runden Stängeln und zweilippigen Blüten, die in den lichtdurchfluteten Kiefernwäldern und an grasigen Berghängen der südwestchinesischen Provinzen Yunnan und Sichuan in Höhenlagen zwischen 1800 und 2900 Metern gedeiht. Das Art-Epitheton cylindrica (lateinisch für „walzenförmig“ oder „zylindrisch“) hebt das wichtigste Erkennungsmerkmal dieser Art hervor: Während fast alle anderen Vertreter ihrer Gattung deutlich kantige und längs geflügelte Stängel besitzen, ist der Spross bei dieser Pflanze im Querschnitt vollkommen rund.

Die Art gehört zur Familie der Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae), wurde früher jedoch lange Zeit den Braunwurzgewächsen (Scrophulariaceae) zugeordnet. Wissenschaftlich erstbeschrieben wurde sie im Jahr 1963 durch den chinesischen Botaniker Pu-Chiu Tsoong (Zhong Buqiu), wobei neben der Nominatform auch die am Grund stärker verholzende Unterart Pterygiella cylindrica subsp. suffruticosa unterschieden wird.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ asterids
  • ∟ Ordnung Lamiales
  • ∟ Familie Orobanchaceae
  • ∟ Gattung Pterygiella
  • ∟ Art Pterygiella cylindrica (Zylindrisches Flügelkraut)

Lebendiger Puls

Morphologie

Stängel, Behaarung und Blätter

Die Pflanze wächst als ausdauerndes Kraut oder kleiner Halbstrauch und erreicht Wuchshöhen von 15 bis 40 Zentimetern. Ihre aufrechten, oft im unteren Bereich leicht verholzenden Stängel sind drehrund (zylindrisch), besitzen keinerlei herablaufende Flügelleisten und sind dicht mit abstehenden, feinen Drüsenhaaren (Trichomen) bedeckt.

Die kreuzgegenständig oder fast wechselständig angeordneten Laubblätter sitzen direkt und ohne Blattstiel am Stängel. Ihre schmal-lanzettlichen bis linealischen Blattspreiten sind 1 bis 3 Zentimeter lang, beidseitig dicht behaart und am Rand ganzrandig oder mit wenigen unscheinbaren Zähnchen versehen.

Blüten und Früchte

  • Am oberen Ende der Triebe stehen die Blüten einzeln in den Achseln laubblattähnlicher Tragblätter und bilden zusammen einen lockeren, traubigen Blütenstand.
  • Der glockenförmige, fünfzähnige Kelch ist außen dicht behaart und umschließt die Röhre der bräunlich-purpurnen bis trübgelben Blütenkrone.
  • Die Krone ist ausgeprägt zygomorph — also spiegelsymmetrisch als klassische Zweilippenblüte gebaut — und besteht aus einer helmartig gewölbten Oberlippe sowie einer dreilappigen, abstehenden Unterlippe.
  • Im Inneren der Oberlippe liegen vier Staubblätter verborgen, bevor sich nach der Bestäubung eine eiförmig-kugelige, leicht abgeflachte Kapselfrucht entwickelt, die sich bei Reife zweiklappig öffnet und zahlreiche winzige Samen entlässt.

Blütezeit

Spätsommer bis Herbst (August bis Oktober)

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Interessante Fakten

Ein ungeflügelter Außenseiter in der eigenen Gattung

Der Gattungsname Pterygiella leitet sich vom griechischen Wort pterygion („kleiner Flügel“) ab und bezieht sich auf die grünen Gewebesäume, die bei den meisten Arten dieser kleinen ostasiatischen Pflanzengruppe an den vier Stängelkanten herablaufen. Pterygiella cylindrica durchbricht dieses namensgebende Baumuster jedoch vollständig und bildet stattdessen drehrunde, ungeflügelte Sprosse aus, die ihr im Chinesischen den treffenden Namen „Rundstängel-Flügelstängelkraut“ eingebracht haben.

Gerade diese ungewöhnliche Kombination aus einem drehrunden Stängel und den gattungstypischen Blüten- und Kapselmerkmalen macht die Pflanze für Evolutionsbiologen zu einem wichtigen Bindeglied. Molekulare und anatomische Untersuchungen zeigen, dass sie innerhalb der Gattung eine ursprüngliche Stellung einnimmt und veranschaulicht, wie sich die geflügelten Stängel ihrer Schwesterarten schrittweise als Vergrößerung der grünen Oberfläche entwickelt haben.

Doppelte Ernährungsstrategie an kargen Gebirgshängen

  • Auf den steinigen, nährstoffarmen Böden der südwestchinesischen Bergwälder verlässt sich die Pflanze nicht allein auf ihre eigenen Wurzeln, sondern lebt als grüner Hemiparasit (Halbschmarotzer).
  • Während ihre schmalen, behaarten Blätter im Sonnenlicht eigenständig Photosynthese betreiben und Zucker aufbauen, bilden ihre Wurzeln im Erdreich mikroskopisch kleine Saugorgane aus, sogenannte Haustorien.
  • Diese Haustorien docken zielgerichtet an die Leitbündel benachbarter Gräser und Bergkräuter an, um deren Wasser- und Mineralstoffstrom anzuzapfen — eine fein austarierte Arbeitsteilung, die es der Pflanze erlaubt, selbst auf trockenen, ausgelaugten Gebirgsböden zuverlässig zu blühen und Samen zu reifen.

Verbreitungsgebiet

  • China

Quellen

  • Plants of the World Online (POWO): Pterygiella cylindrica P.C.Tsoong — Royal Botanic Gardens, Kew.
  • World Flora Online (WFO): Pterygiella cylindrica P.C.Tsoong — Taxonomische Datenbank.
  • Global Biodiversity Information Facility (GBIF): Pterygiella cylindrica P.C.Tsoong — Herbarbelege und Verbreitung.
  • Tropicos.org (Flora of China): Pterygiella cylindrica P.C.Tsoong — Missouri Botanical Garden.

Technische Information

Taxonsynonyme: Brandisia praticola

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

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