Stinkende Sapranthusblume (Sapranthus foetidus)

Silhouette: T. Michael Keesey / Lizenz

Sapranthus foetidus: Merkmale, Verbreitung und Lebensraum

Sapranthus foetidus ist ein laubabwerfender Strauch oder kleiner Baum, der in den saisonal trockenen Tropenwäldern im Südwesten und Süden Mexikos heimisch ist. Das Art-Epitheton foetidus stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „übelriechend“, was direkt auf den intensiven, aasartigen Geruch der dunklen Blüten hinweist.

Die Pflanze wurde 1897 von Joseph Nelson Rose als Asimina foetida erstbeschrieben und 1901 von Robert Elias Fries in die Gattung Sapranthus gestellt, während sie in der modernen Systematik meist als Synonym zu Sapranthus violaceus gerechnet wird. Da in den vorliegenden Basisdaten keine Familienzuordnung hinterlegt ist, erfolgt die Betrachtung ausschließlich auf Ebene der Gattung und ihrer historischen Erstbeschreibung.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ magnoliids (Magnoliiden)
  • ∟ Ordnung Magnoliales
  • ∟ Familie Annonaceae (Annonengewächse)
  • ∟ Unterfamilie Malmeoideae
  • ∟ Gattung Sapranthus
  • ∟ Art Sapranthus foetidus (Stinkende Sapranthusblume)

Lebendiger Puls

Morphologie

Wuchsform und Rinde

Die Pflanze wächst als verzweigter Strauch oder kleiner Baum und erreicht im Unterholz der Trockenwälder meist Wuchshöhen von 2 bis 6 Metern. Junge Zweige sind dicht mit feinen, weichen Haaren (Trichomen — winzigen pflanzlichen Härchen zum Verdunstungsschutz) besetzt, während ältere Äste eine graubraune, leicht rissige Rinde mit hellen Korkporen (Lentizellen — Belüftungsöffnungen im Rindengewebe) ausbilden.

Blätter

Die wechselständig und zweizeilig angeordneten Laubblätter sind einfach, ganzrandig und weisen eine dünne, fast papierartige Textur auf. Ihre Form variiert von elliptisch bis verkehrt-eiförmig bei einer Länge von 6 bis 18 Zentimetern, wobei sowohl die Blattoberseite als auch die Unterseite fein samtig behaart sind.

Blüten und Früchte

  • Die einzeln an jungen Trieben hängenden, zwittrigen Blüten besitzen sechs in zwei Kreisen angeordnete, länglich-elliptische Kronblätter von tief purpurbrauner bis dunkelvioletter Färbung, die von einem zarten Adernnetz durchzogen sind.
  • An der Basis der inneren Kronblätter befinden sich spezialisierte, kissenförmige Gewebepolster (Futterkörper — nährstoffreiche Gewebestrukturen für Blütenbesucher) sowie zahlreiche dicht gedrängte Staubblätter und mehrere freie Fruchtblätter.
  • Nach der Befruchtung entwickeln sich kurz gestielte, zylindrische bis länglich-ellipsoide Teilfrüchte (Monokarpien — Einzelfrüchte, die aus jeweils einem freien Fruchtblatt einer einzigen Blüte hervorgehen), die mehrere abgeflachte Samen in einem weichen Fruchtfleisch bergen.

Blütezeit

Späte Trockenzeit bis Beginn der Regenzeit (Mai bis Juli)

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Interessante Fakten

Chemische Mimikry und präzises Timing im Trockenwald

Der Gattungsname Sapranthus setzt sich aus den griechischen Wörtern für „faulig“ (sapros) und „Blüte“ (anthos) zusammen, was zusammen mit dem Beinamen foetidus die besondere Bestäubungsstrategie dieses mexikanischen Trockenwaldbewohners doppelt unterstreicht. Statt süßen Nektar zu produzieren, ahmt die Blüte gezielt das chemische Profil von verwesendem organischem Material oder gärenden Früchten nach.

  • Die dunklen, fleischig-häutigen Kronblätter verströmen schwefel- und stickstoffhaltige flüchtige Verbindungen (leichtflüchtige Signalmoleküle — Duftstoffe, die sich in der warmen Luft rasch ausbreiten), um Aasfliegen und kleine Käfer über weite Strecken hinweg anzulocken.
  • Die Blüten sind zeitlich versetzt zweigeschlechtlich (protogyn — die weiblichen Narben sind vor den männlichen Staubblättern derselben Blüte empfängnisbereit), wodurch eine Selbstbestäubung zuverlässig verhindert wird.
  • Am Grund der inneren Kronblätter liegen spezielle, kontrastreich gefärbte Gewebewülste, die die angelockten Insekten direkt über das Zentrum mit den Fortpflanzungsorganen lenken.

Das Zusammenspiel aus optischer Tarnung in dunklen Purpurtönen, olfaktorischer Täuschung und dem zeitlich exakt getakteten Reifen von Narben und Pollen greift in den kurzen Übergangsphasen zwischen Trocken- und Regenzeit nahtlos ineinander. Jedes anatomische und biochemische Detail der Blüte ist so präzise auf die Sinneswahrnehmung ihrer spezifischen Bestäuber abgestimmt, dass selbst bei geringer Populationsdichte im Wald ein zuverlässiger Pollentransfer gelingt.

Verbreitungsgebiet

  • Mexiko

Quellen

  • Plants of the World Online (POWO): Royal Botanic Gardens, Kew — Taxonomischer Datensatz zu Sapranthus foetidus (Syn. von Sapranthus violaceus).
  • World Flora Online (WFO): Nomenklatur und Monographie der neotropischen Gattung Sapranthus (Schatz et al., 2018).
  • Global Biodiversity Information Facility (GBIF) & Tropicos (Missouri Botanical Garden): Herbarbelege und Erstbeschreibung durch J. N. Rose und R. E. Fries.

Technische Information

Taxonsynonyme: Asimina foetida

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

Bitterholzbaum

Bitterholzbaum

Picrasma

Eine Gattung sommergrüner Bäume und Sträucher aus der Familie der Bittereschengewächse, bekannt für ihre ausgeprägte …

Echte Araukarien

Echte Araukarien

Araucaria sect. Araucaria

Araucaria sect. Araucaria ist eine botanische Sektion innerhalb der Gattung der Araukarien. Sie umfasst markante …