Chinesischer Lackbaum (Toxicodendron vernicifluum)

Lackbaum Japanischer Lackbaum Urushi-Baum
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Toxicodendron vernicifluum: Lackbaum, Urushi-Harz und Botanik

Toxicodendron vernicifluum, im Deutschen als Lackbaum bekannt, ist ein stattlicher, sommergrüner Baum aus den Bergwäldern Ostasiens, der bis zu 20 Meter hoch wächst und im Herbst mit leuchtend scharlachrotem Fiederlaub auffällt. Sein lateinisches Art-Epitheton vernicifluum bedeutet „firnisfließend“ und verweist direkt auf den milchigen Rindensaft, aus dem der berühmte ostasiatische Urushi-Lack entsteht.

Die Art gehört zur Familie der Anacardiaceae (Sumachgewächse) und wurde zunächst 1812 von Jonathan Stokes als Rhus verniciflua beschrieben, ehe Fred Alexander Barkley sie 1940 in die Gattung Toxicodendron (literally „Giftbaum“) stellte.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superrosids
  • ∟ rosids
  • ∟ malvids
  • ∟ Ordnung Sapindales
  • ∟ Familie Anacardiaceae
  • ∟ Unterfamilie Anacardioideae
  • ∟ Gattung Toxicodendron
  • ∟ Art Toxicodendron vernicifluum (Chinesischer Lackbaum)

Lebendiger Puls

Morphologie

Stamm und Krone

Der Lackbaum bildet eine breit ausladende, lockere Krone und erreicht Wuchshöhen von bis zu 20 Metern. Seine Rinde ist in der Jugend glatt und grau, reißt im Alter jedoch in grobe, längliche Platten auf und führt in speziellen Harzgängen des Phloems (der leitenden Bastschicht unter der Borke) einen weißlich-gelben, an der Luft rasch nachdunkelnden Milchsaft.

Blätter

Die großen, wechselständigen Laubblätter sind unpaarig gefiedert und werden insgesamt 25 bis 60 Zentimeter lang. Jedes Blatt setzt sich aus 7 bis 19 eiförmigen bis länglichen Fiederblättchen zusammen, die ganzrandig sind und auf der Unterseite entlang der Blattadern eine feine, weiche Behaarung tragen.

Blüten und Früchte

  • Im Frühsommer erscheinen in den Blattachseln große, locker verzweigte Rispen (reichblütige Blütenstände) aus winzigen, gelblich-grünen Einzelblüten.
  • Aus den befruchteten Blüten entwickeln sich leicht abgeflachte, etwa erbsengroße Steinfrüchte mit einer glatten, gelblich-braunen und wachsartigen Schale, die bei Reife im Herbst in dichten Büscheln herabhängen.

Blütezeit

Die Blütezeit fällt in den Frühsommer von Mai bis Juni.

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Anwendungen

Traditionelle Lackkunst (Urushi)

Seit über 9.000 Jahren — belegt durch archäologische Funde aus der japanischen Jōmon-Zeit — wird der Rindensaft von Toxicodendron vernicifluum als Rohstoff für den widerstandsfähigen Urushi-Lack gewonnen. Dazu ritzen Handwerker die Stämme zehnjähriger Bäume zwischen Juni und November behutsam horizontal an und ernten pro Baum und Jahr lediglich rund 250 Milliliter des rohen Saftes.

  • Nach dem Filtern und schonenden Eindampfen wird der Lack in hauchdünnen Schichten auf Holz, Keramik oder Metall aufgetragen, um Essgeschirr, Musikinstrumente wie Shakuhachi-Flöten, Füllfederhalter oder traditionelle Yumi-Bögen zu versiegeln.
  • Berühmte Handwerkstraditionen wie Wajima-nuri verstärken die Grundierung mit feinem Leinen und färben den von Natur aus dunkelbraunen Lack mit Eisenoxid (Schwarz) oder Zinnober (Rot) ein.

Klebstoff und Medizin

Neben der Oberflächenveredelung dient das Harz in der Kunst des Kintsugi als hochfester, wasserbeständiger Naturklebstoff, um zerbrochene Keramik zusammenzufügen und die Klebenähte anschließend mit Goldstaub zu bestäuben. In der traditionellen chinesischen Medizin werden getrocknete Harz- und Pflanzenteile zudem in streng kontrollierten Zubereitungen gegen innere Parasiten und zur Blutstillung eingesetzt, wobei sekundäre Pflanzenstoffe wie Butein und Sulfuretin wegen ihrer antioxidativen Eigenschaften erforscht werden.

Interessante Fakten

Ein Baum, der in feuchter Luft zu Plastik härtet

Während gewöhnliche Lacke und Farben trocknen, indem ihr flüssiges Lösungsmittel verdunstet, funktioniert das Wundsekret von Toxicodendron vernicifluum nach einem völlig anderen, biochemisch präzisen Prinzip. Um seine verletzte Rinde im feuchtwarmen Monsunklima Ostasiens rasch gegen Pilze und Fäulnisbakterien abzudichten, verlässt sich der Baum nicht auf Verdunstung, sondern auf eine enzymatisch gesteuerte Vernetzung.

  • Der austretende Milchsaft ist eine feine Emulsion aus phenolischen Lipiden — dem Urushiol —, Wasser, pflanzlichen Gummistoffen und dem kupferhaltigen Enzym Laccase.
  • Sobald der Saft bei einer Wundverletzung mit Luftsauerstoff in Kontakt kommt, überträgt die Laccase Elektronen und verknüpft die einzelnen Urushiol-Moleküle zu einem dreidimensionalen, hochvernetzten Polymergitter.
  • Das Erstaunliche an dieser Abstimmung ist, dass das Enzym für seine Arbeit zwingend eine hohe Luftfeuchtigkeit von 70 bis 85 Prozent und Temperaturen um 25 Grad Celsius benötigt — exakt jene Bedingungen, die im natürlichen Lebensraum des Baumes während der Wachstumsperiode herrschen.
  • Gleichzeitig wirkt das flüssige Urushiol als starkes Kontaktallergen, das Säugetiere vor dem Benagen der frischen Wunde abschreckt, während die fertig ausgehärtete Schicht selbst Säuren, Alkohol und kochendem Wasser widersteht.

Verbreitungsgebiet

  • China
  • Indien
  • Japan
  • Nordkorea
  • Südkorea

Quellen

  • Plants of the World Online (POWO) — Royal Botanic Gardens, Kew
  • World Flora Online (WFO)
  • Flora of China
  • Global Biodiversity Information Facility (GBIF)

Technische Information

Taxonsynonyme: Rhus kaempferi, Rhus vernicifera, Ailanthus scripta, Rhus himalaica, Rhus verniciflua

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

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