Schierlingsblättrige Bergdolde (Vicatia coniifolia)

Silhouette: T. Michael Keesey / Lizenz

Vicatia coniifolia: Merkmale, Verbreitung im Himalaya und Botanik

Vicatia coniifolia ist eine zierliche, mehrjährige Gebirgsstaude, die auf feuchten Bergwiesen, an Bachufern und zwischen Gebüschen in den Hochlagen des Himalayas sowie Zentralasiens bis auf 4.700 Meter Höhe gedeiht. Ihr Artepitheton coniifolia bedeutet „schierlingsblättrig“ und verweist auf die mehrfach fein gefiederten, farnartigen Blätter, die optisch stark an den Gefleckten Schierling (Conium) erinnern.

Die Art gehört zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae) und ist die Typusart der kleinen Gattung Vicatia. Sie wurde bereits von Nathaniel Wallich gesammelt und im Jahr 1830 von dem Schweizer Botaniker Augustin-Pyrame de Candolle wissenschaftlich erstbeschrieben.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ asterids
  • ∟ Ordnung Apiales
  • ∟ Familie Apiaceae
  • ∟ Unterfamilie Apioideae
  • ∟ Tribus Selineae
  • ∟ Gattung Vicatia
  • ∟ Art Vicatia coniifolia (Schierlingsblättrige Bergdolde)

Lebendiger Puls

Morphologie

Als ausdauernde krautige Pflanze überdauert Vicatia coniifolia die langen Gebirgswinter mithilfe einer kräftigen, spindelförmigen Pfahlwurzel, die tief im steinigen Boden verankert ist. Der aufrechte, im oberen Bereich leicht verzweigte Stängel ist fein gerillt, kahl und erreicht je nach Höhenlage eine Wuchshöhe von 20 bis 80 Zentimetern.

Blätter und Blütenstände

  • Grund- und Stängelblätter: Die gestielten Grundblätter besitzen eine im Umriss dreieckig-eiförmige Spreite, die zwei- bis dreifach gefiedert ist und in schmale, lanzettliche Endzipfel ausläuft; die oberen Stängelblätter sitzen auf häutig gerandeten Blattscheiden (verbreiterten Blattbasen, die den Stängel schützend umfassen).
  • Doppeldolden: Die kleinen Blüten stehen in lockeren Doppeldolden (zusammengesetzten Schirmtrauben, bei denen mehrere kleine Döldchen auf strahlenförmigen Hauptstielen sitzen), wobei die Hüllblätter an der Basis der Hauptdolde meist fehlen, während die Döldchen von wenigen schmalen Hüllchenblättern begleitet werden.
  • Blüten und Früchte: Die fünfzähligen Einzelblüten tragen weiße bis zart purpur- oder rosafarbene Kronblätter mit einer leicht eingeschlagenen Spitze; aus ihnen entwickeln sich länglich-eiförmige, seitlich leicht abgeflachte Spaltfrüchte (Achänenpaare, die bei Reife in zwei Teilfrüchte zerfallen) mit fünf deutlichen, fadenförmigen Rippen.

Blütezeit

Später Frühling bis Sommer (Mai bis Juli, Fruchtreife im August)

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Anwendungen

In den Hochgebirgsregionen Westchinas (insbesondere in Sichuan, Yunnan und Tibet) werden die fleischigen Wurzeln von Vicatia coniifolia lokal gesammelt und in der traditionellen tibetischen sowie chinesischen Volksheilkunde genutzt. Zudem dient die Wurzel in einigen ländlichen Berggemeinden nach dem Kochen als stärkehaltiges Wildgemüse.

In der modernen Zierpflanzenkultur spielt die hochalpine Wildart keine Rolle und wird außerhalb spezialisierter botanischer Gärten oder alpiner Forschungssammlungen kaum kultiviert.

Interessante Fakten

Das Überleben in Höhenlagen zwischen 3.000 und 4.700 Metern verlangt von einer krautigen Pflanze ein präzise abgestimmtes Zusammenspiel aus Statik, Wärmehaushalt und innerem Frostschutz. Vicatia coniifolia begegnet den extremen Bedingungen des tibetischen Hochlands und des Himalayas nicht mit starrem Widerstand, sondern mit einer fein ausbalancierten Bauweise.

Architektur für Sturm und Höhensonne

  • Aerodynamische Fiederblätter: Die namensgebende, extrem feine Zerteilung der Blattspreite (coniifolia) bietet eisigen Fallwinden kaum Angriffsfläche, sodass das Laub bei Stürmen nicht einreißt, während gleichzeitig jedes kleine Fiedersegment optimal vom intensiven Hochgebirgslicht umspült wird.
  • Thermische Pufferung im Wurzelhals: Die tief reichende Speicherwurzel lagert im kurzen Bergsommer gezielt lösliche Kohlenhydrate ein, die den Gefrierpunkt der Zellflüssigkeit herabsetzen und im Frühjahr den raschen Austrieb ermöglichen, sobald die Schneedecke schmilzt.
  • Schützende Blattscheiden: Die verbreiterten, häutig gesäumten Basen der Stängelblätter umhüllen die jungen Blütenknospen während ihrer Entwicklung wie ein winddichter Mantel und bewahren das empfindliche Teilungsgewebe vor nächtlichen Strahlungsfrösten.

Auch im Fruchtbau zeigt sich ein charakteristisches Detail, das sich im chinesischen Namen der Gattung („Hohlsamen-Sellerie“) widerspiegelt: Das Endosperm (das Nährgewebe im Inneren des Samens) ist auf der Bauchseite tief rinnenförmig eingesenkt. Diese exakt geformte Längsfurche verleiht der leichten Teilfrucht nicht nur Stabilität bei minimalem Materialaufwand, sondern verbessert auch ihre Flug- und Schwimmfähigkeit, wenn Herbstwinde und Schmelzwasser die Samen entlang alpiner Bachläufe verbreiten.

Verbreitungsgebiet

  • Afghanistan
  • Bhutan
  • China
  • Indien
  • Nepal
  • Pakistan
  • Tadschikistan

Technische Information

Taxonsynonyme: Sphallerocarpus coniifolius, Vicatia coniifolia var. millefolia, Sison cuneifolium, Ligusticum meoides, Sphallerocarpus millefolius, Vicatia millefolia, Chaerophyllum gracillimum, Conium nepalense, Vicatia stewartii

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

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