Seit dem Jahr 2019 gilt für den Götterbaum (Ailanthus altissima) in der gesamten Europäischen Union eine strenge Reglementierung. Die Verordnung stuft diesen extrem schnellwüchsigen Baum als hochgradig invasive Art ein, weshalb Einfuhr, Haltung, Zucht und die gezielte Ausbringung im Freiland untersagt sind.
Rechtliche Grundlagen: Warum das Pflanzen des Götterbaums verboten ist
Das gesetzliche Verbot basiert auf der EU-Verordnung Nr. 1143/2014 über invasive gebietsfremde Arten. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich wurden daraufhin nationale Schutzvorschriften angepasst, um die unkontrollierte Ausbreitung der Spezies wirksam einzudämmen.
Gartenbesitzer und Baumschulen stehen damit in der Pflicht, auf die Kultivierung dieser Pflanze vollständig zu verzichten. Die wichtigsten rechtlichen Beschränkungen umfassen folgende Punkte:
- Striktes Handels- und Verkaufsverbot für Pflanzen, Samen und Pflanzenteile im gesamten EU-Raum.
- Verbot der Anzucht sowie der vorsätzlichen Anpflanzung in privaten und öffentlichen Grünanlagen.
- Verpflichtung der Kommunen zur Erfassung und schrittweisen Eindämmung bestehender Bestände.
- Beförderungsverbot für Vermehrungsgut über Landesgrenzen hinweg.
Wer das Verbot missachtet und den Götterbaum vorsätzlich anpflanzt oder verbreitet, riskiert empfindliche Bußgelder nach den Umwelt- und Naturschutzgesetzen der jeweiligen Bundesländer.
Botanische Besonderheiten und Invasivität von Ailanthus altissima
Der ursprünglich aus Ostasien stammende Laubbaum zeichnet sich durch ein außergewöhnliches Anpassungsvermögen an urbane Hitzeinseln und magere Böden aus. Seine Samen werden vom Wind über hunderte Meter hinweg getragen und keimen selbst in kleinsten Mauerritzen.
Neben der generativen Vermehrung über Flugsamen bildet die Baumart ein aggressives flaches Wurzelsystem aus. Aus den Wurzeln treiben in kurzem Abstand zahlreiche Wurzelausläufer aus, die heimische Gehölze rasch verdrängen.
Zusätzlich sondert der Götterbaum chemische Verbindungen über seine Wurzeln ab, die das Wachstum benachbarter Pflanzen hemmen. Dieses biologische Phänomen der Allelopathie verschafft der Art einen unfairen Wettbewerbsvorteil im Ökosystem.
Warum das Fällen oft scheitert: Richtiges Management
Ein häufiger Fehler im Umgang mit etablierten Exemplaren ist das vorschnelle Absägen des Hauptstammes. Wird der Baum geköpft, reagiert das Wurzelsystem mit dem blitzartigen Austrieb hunderter neuer Wurzelschösslinge im Umkreis von vielen Metern.
„Ein unsachgemäßer Rückschnitt des Götterbaums führt meist nicht zu dessen Absterben, sondern aktiviert schlafende Wurzelknospen und vervielfacht den Bestandsdruck innerhalb einer einzigen Saison.“
Um das Gehölz dauerhaft zurückzudrängen, empfehlen Forstexperten die Methode der schrittweisen Ringelung. Dabei wird die Rinde im Sommer stückweise entfernt, um den Nährstofftransport zu den Wurzeln nachhaltig zu unterbrechen.
Das gezielte Aushungern des Wurzelsystems erfordert Geduld über zwei bis drei Jahre. Erst wenn der Baum keine neuen Reserven mehr bilden kann und vertrocknet, erfolgt die endgültige Rodung.
- Im ersten Jahr einen Streifen der Rinde am Stammbrustbereich zu etwa 90 Prozent entfernen.
- Den verbliebenen Rindensteg im zweiten Jahr vorsichtig durchtrennen, um den Baum vollends zu schwächen.
- Aufkommende Wurzelschösslinge kontinuierlich und unverzüglich mechanisch schwächen oder ausreißen.
- Nach dem vollständigen Absterben des Kronenbereichs den Stamm bodennah entnehmen.
Heimische Alternativen für den Hausgarten
Wer auf der Suche nach imposanten Hausbäumen mit schöner Laubstruktur ist, findet im Fachhandel hervorragende, nicht-invasive Alternativen. Diese heimischen oder verträglichen Arten bieten Insekten Nahrung und sind rechtlich völlig unbedenklich.
- Echter Koelreuteria (Blasenbaum) – Bietet attraktive gelbe Blütenstände und filigranes Laub.
- Eschen-Ahorn (Acer negundo) in sterilen Zuchtsorten oder heimischer Feld-Ahorn (Acer campestre).
- Gewöhnlicher Trompetenbaum (Catalpa bignonioides) für schattenspendende Kronen in größeren Gärten.
- Eberesche (Sorbus aucuparia) als ökologisch wertvolles Vogelschutzgehölz.
Mit der Auswahl standortgerechter und heimischer Gehölze leisten Gartenbesitzer einen aktiven Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt und vermeiden die unfreiwillige Verbreitung regulierter Neophyten.