Rauhaarige Maiglöckchenrebe (Salpichroa hirsuta)

Salpichroa hirsuta: Behaarter Nachtschattenstrauch der Anden

Salpichroa hirsuta ist ein sparrig verzweigter, oft über Felsen und Trockenmauern klimmender Strauch aus den Hochanden Perus und Boliviens, der durch sein auffallend dichtes, abstehendes Haarkleid sofort ins Auge fällt. Das lateinische Art-Epitheton hirsuta bedeutet „rauhaarig“ oder „struppig“ und verweist direkt auf den pelzigen Überzug an Zweigen, Blättern und Kelchen, der die Pflanze in den kühlen Gebirgsregionen umgibt.

Systematisch zählt der Strauch zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Er wurde erstmals 1834 vom preußischen Naturforscher Franz Julius Ferdinand Meyen nach seinen Reisen durch Südamerika unter dem Namen Atropa hirsuta beschrieben, bevor John Miers die Art im Jahr 1845 in die Gattung Salpichroa einordnete.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ asterids
  • ∟ Ordnung Solanales
  • ∟ Familie Solanaceae
  • ∟ Gattung Salpichroa
  • ∟ Art Salpichroa hirsuta (Rauhaarige Maiglöckchenrebe)

Lebendiger Puls

Morphologie

Die Pflanze bildet verholzende, teils bogig überhängende oder kletternde Triebe, die Längen von ein bis zwei Metern erreichen. Charakteristisch für das gesamte Erscheinungsbild ist das Indument – das geschlossene Haarkleid der Pflanzenoberfläche –, das aus mehrzelligen, abstehenden Haaren besteht.

Blätter und Spross

Die Anordnung und Beschaffenheit der Blätter spiegeln das Leben in den strahlungsintensiven Höhenlagen wider:

  • Die gestielten Laubblätter stehen oft paarweise an den Knoten beieinander und besitzen eine eiförmige bis fast rundlich-herzförmige Spreite mit glattem Rand.
  • Sowohl die Blattoberseite als auch die Unterseite und die jungen Zweige sind dicht mit rauen, weißlichen bis gelblichen Haaren besetzt, was dem Laub einen mattgrünen bis leicht gräulichen Schimmer verleiht.

Blüten und Früchte

Die Blüten erscheinen einzeln in den Blattachseln und hängen an schlanken, ebenfalls behaarten Stielen nach unten:

  • Der tief fünfteilige Kelch trägt auf seiner Außenseite dasselbe struppige Haarkleid wie die Laubblätter und umschließt die Basis der Kronröhre.
  • Die trichter- bis röhrenförmige Blumenkrone ist gelblich bis grünlich-gelb oder außen leicht rötlich überlaufen, außen fein behaart und öffnet sich an der Spitze in fünf kurze, dreieckige Zipfel.
  • Nach der Bestäubung entwickelt sich eine eiförmige, fleischige Beere, die bei Reife zahlreiche kleine, nierenförmig abgeflachte Samen enthält.

Interessante Fakten

Thermische Isolierung durch mikroskopische Grenzschichten

In den andinen Tälern rund um La Paz und Cochabamba sowie im peruanischen Hochland herrscht ein extremes Tageszeitenklima: Auf intensive Sonneneinstrahlung am Mittag folgen scharfe, trockene Winde und empfindliche Kälte in der Nacht. Das namensgebende Haarkleid von Salpichroa hirsuta wirkt unter diesen Bedingungen wie ein mehrschichtiger Klimapuffer.

Die physikalische Funktionsweise dieser Behaarung erfüllt gleich mehrere Aufgaben gleichzeitig:

  • Die dicht stehenden Trichome bremsen den Wind direkt an der Blattoberfläche ab und schaffen eine ruhige Grenzschicht – ein dünnes Polster aus unbewegter Luft –, wodurch die unkontrollierte Wasserverdunstung über die Spaltöffnungen drastisch sinkt.
  • Tagsüber streuen die hellen Haarstrukturen einen Teil der hochenergetischen UV-Strahlung der Hochanden zurück, sodass das darunterliegende Palisadenparenchym – das empfindliche Gewebe für die Fotosynthese – nicht durch Überhitzung geschädigt wird.
  • In klaren Gebirgsnächten hält dasselbe Luftpolster zwischen den Haaren die Wärme länger am Gewebe, auch über dem empfindlichen Blütenkelch, in dem der junge Fruchtknoten heranwächst.

Verbreitungsgebiet

  • Peru
  • Bolivien

Technische Information

Taxonsynonyme: Atropa hirsuta, Salpichroma hirsutum

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

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Picrasma

Eine Gattung sommergrüner Bäume und Sträucher aus der Familie der Bittereschengewächse, bekannt für ihre ausgeprägte …