Veränderliches Bach-Quellkraut (Montia fontana subsp. variabilis)

Veränderliches Quellkraut Mittleres Quellkraut
Silhouette: T. Michael Keesey / Lizenz

Montia fontana subsp. variabilis: Merkmale und Ökologie

Montia fontana subsp. variabilis ist eine bemerkenswert wandlungsfähige Pflanze klarer, kalkarmer Gewässer und Quellfluren, die ihr Erscheinungsbild je nach Wasserstand drastisch anpassen kann. Der Name variabilis („veränderlich“) beschreibt treffend ihre Fähigkeit, sowohl lange, flutende Sprosse im Wasser als auch niedrige Landformen auf nassem Uferschlamm zu bilden.

Taxonomisch wurde diese Sippe 1953 von Stuart Max Walters beschrieben, um die vielgestaltigen Übergangsformen innerhalb der Art Montia fontana klarer zu fassen. Sie nimmt in ihrer Samenstruktur eine exakte Mittelstellung zwischen den rein aquatischen und den stärker an Land lebenden Vertretern des Quellkrauts ein.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superasterids
  • ∟ Ordnung Caryophyllales
  • ∟ Familie Montiaceae
  • ∟ Gattung Montia (Quellkraut)
  • ∟ Art Montia fontana (Bach-Quellkraut)
  • ∟ Unterart Montia fontana subsp. variabilis (Veränderliches Bach-Quellkraut)

Lebendiger Puls

Morphologie

Die Wuchsform von Montia fontana subsp. variabilis reicht von locker aufsteigenden, fünf bis zwanzig Zentimeter langen Stängeln bis hin zu schlaff im Wasser schwebenden Trieben. An den Knoten (Nodien — den Ansatzstellen der Blätter am Stängel) bilden sich auf feuchtem Schlamm häufig feine Adventivwurzeln.

Blätter und Blütenstände

Die gegenständig angeordneten Blätter sind schmal-elliptisch bis spatelig, ganzrandig und von frischgrüner Farbe. Die kleinen weißen Blüten stehen einzeln oder in lockeren, wenigblütigen Trugdolden und öffnen sich oft nur bei direkter Sonneneinstrahlung.

Charakteristische Samenoberfläche

Da die vegetativen Teile stark vom jeweiligen Wasserstand geprägt werden, erfolgt die exakte Bestimmung über die Mikrostruktur der reifen Samen:

  • Die glänzend bis schwach matten schwarzen Samen sind rund 1,0 bis 1,3 Millimeter lang und zeigen auf den Seitenflächen deutlich abgeflachte, unregelmäßige Zellen.
  • Am äußeren Rand (dem Kiel) tragen die Samen mehrere Reihen kleiner, eher spitzer bis kurz-zylindrischer Höcker, während die Flanken deutlich glatter bleiben als bei subsp. minor.

Blütezeit

Spätfrühling bis Spätsommer (Mai bis August)

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Interessante Fakten

Quellbäche und Gräben im Gebirge und Tiefland sind extrem dynamische Lebensräume: Nach der Schneeschmelze stehen sie hoch unter kaltem Wasser, im Spätsommer ziehen sie sich oft auf schmale Rinnsale zurück. Montia fontana subsp. variabilis beantwortet diese Schwankungen mit einer ausgeprägten phänotypischen Plastizität — der Fähigkeit eines einzigen Genotyps, je nach Umweltreiz völlig unterschiedliche Körperformen auszubilden.

Umschalten zwischen Wasser- und Landbetrieb

Steigt der Wasserspiegel an, strecken sich die Stängelglieder (Internodien — die Abschnitte zwischen zwei Blattpaaren) durch gezielte Zellverlängerung rasch nach oben, damit die Triebspitzen im lichtdurchfluteten Bereich bleiben. Fällt das Ufer hingegen trocken, stellt die Pflanze das Längenwachstum sofort ein und bildet gedrungene, verdickte Blätter, die die Verdunstung minimieren.

  • Selbst bei anhaltend trübem Wetter oder unter Wasser sichert die Pflanze ihre Fortpflanzung durch Kleistogamie — eine Selbstbestäubung direkt in der geschlossenen Blütenknospe.
  • In der ungeöffneten Blüte wachsen die Pollenschläuche unmittelbar auf die Narbe zu, sodass auch ohne Insektenflug und bei niedrigen Wassertemperaturen verlässlich keimfähige Samen reifen.

Verbreitungsgebiet

  • Deutschland
  • Österreich
  • Schweiz
  • Vereinigtes Königreich
  • Irland
  • Frankreich
  • Tschechien
  • Polen

Quellen

  • Plants of the World Online (POWO): Montia fontana subsp. variabilis S.M.Walters — Accepted subspecies profile.
  • World Flora Online (WFO): Taxonomic and morphological data for Montia fontana subsp. variabilis.
  • Global Biodiversity Information Facility (GBIF): European distribution records of Montia fontana subsp. variabilis.

Technische Information

Taxonsynonyme: Montia fontana var. variabilis, Montia variabilis

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

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