Amerikanische Kermesbeere
Phytolacca americana
Die Amerikanische Kermesbeere (Phytolacca americana) ist eine imposante, aber stark giftige Staude aus Nordamerika, die …
Die Indische Kermesbeere (Phytolacca acinosa) ist eine imposante, buschig wachsende Staude aus den gemäßigten und subtropischen Regionen Ostasiens sowie des Himalayas, die durch ihre kerzengerade aufgerichteten Blütentrauben und tief purpurschwarzen Fruchtstände sofort ins Auge fällt. Ihr Artname acinosa leitet sich vom lateinischen Wort für „beerenreich“ oder „traubenartig“ ab und beschreibt treffend die dicht gepackten, an Brombeeren erinnernden Sammelfrüchte.
Botanisch gehört die Pflanze zur Familie der Kermesbeerengewächse (Phytolaccaceae). Wissenschaftlich erstbeschrieben wurde die Art im Jahr 1814 von dem schottischen Arzt und Botaniker William Roxburgh, der ihre Bestände während seiner Forschungen auf dem indischen Subkontinent untersuchte.
Als ausdauernde krautige Pflanze erreicht Phytolacca acinosa Wuchshöhen von 100 bis zu 200 Zentimetern. Unter der Erde bildet sie eine mächtige, rübenartig verdickte und fleischige Pfahlwurzel aus, die als Überdauerungsorgan dient und im Frühjahr mehrere kräftige Triebe hervorbringt.
Die aufrechten, dicken und saftigen Sprossachsen sind kahl und verzweigen sich im oberen Bereich stark. Ihre Färbung reicht von einem hellen Grün bis hin zu einem sanften Rotviolett im fortschreitenden Sommer.
Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind glattrandig, kahl und besitzen eine leicht ledrige bis fleischige Textur. Sie sitzen an ein bis sieben Zentimeter langen Stielen und zeigen bis zur dritten Ordnung eine deutlich erkennbare Blattnervatur.
In ihrer Form sind die Blattspreiten breit elliptisch bis verkehrt-eiförmig und laufen an der Spitze kurz zu. Sie erreichen eine beachtliche Länge von 10 bis 30 Zentimetern bei einer Breite von 5 bis 15 Zentimetern.
Von Juni bis August erscheinen die 5 bis 25 Zentimeter langen, dichten Blütentrauben, die scheinbar den Blättern gegenüberstehen oder die Triebe krönen. Ein entscheidendes Erkennungsmerkmal dieser Art ist, dass der Blütenstand – und später auch der schwere Fruchtstand – stets aufrecht stehen bleibt.
Aus jeder Blüte entwickelt sich eine flachkugelige, gekammerte Sammelfrucht mit einem Durchmesser von 10 bis 15 Millimetern, die sich aus meist acht frei stehenden, einsamigen Teilfrüchten zusammensetzt. Während der Reife wechselt ihre Farbe von Grün über Dunkelpurpur bis zu einem glänzenden Schwarz, wobei die nierenförmigen, etwa drei Millimeter großen schwarzen Samen in einem stark färbenden Fruchtsaft eingebettet sind.
Die Blütezeit erstreckt sich im Sommer von Juni bis August, in milden Lagen teils schon ab Mai.
Obwohl alle Pflanzenteile – insbesondere die Wurzeln und Samen – giftige Triterpensaponine wie Phytolaccagenin und Esculentoside enthalten, begleitet Phytolacca acinosa den Menschen in Asien bereits seit dem ersten Jahrtausend vor Christus als vielseitige Nutzpflanze.
Die Fortpflanzungsstrategie von Phytolacca acinosa zeigt ein präzises Zusammenspiel aus optischer Signalwirkung und biochemischer Selektion. Während die unreifen, grünen Früchte unauffällig im Laubwerk verborgen bleiben, verwandelt sich der aufrechte Fruchtstand im Spätsommer durch die Einlagerung von Betalainen in eine weithin sichtbare, glänzend schwarze Landmarke.
Diese Signale richten sich gezielt an Vögel wie Drosseln, deren Verdauungstrakt gegen die in den Pflanzenteilen enthaltenen Saponine (Phytolaccatoxin und Phytolaccagenin) weitgehend unempfindlich ist. Säugetiere hingegen, die die weichen Samen beim Kauen zerstören würden, werden durch die im Fruchtfleisch und vor allem in den Samenschalen konzentrierten Bitter- und Giftstoffe abgehalten, sodass die intakten Samen exklusiv über den Vogelkot in neue Lebensräume getragen werden.
Neben der chemischen Abwehr verfügt die Art über einen feinen mechanischen Schutzmechanismus direkt in ihren Geweben. In den Blättern, jungen Knospen und Tragblättern lagert die Pflanze zahlreiche Raphiden ein – mikroskopisch kleine, nadelförmige Kristalle aus Kalziumoxalat, die zu dichten Bündeln zusammengefasst sind und pflanzenfressenden Insekten oder Schnecken das Fressen erschweren.
Darüber hinaus besitzt das Wurzelsystem die physiologische Eigenschaft, außergewöhnlich hohe Mengen an Mangan aus dem Boden aufzunehmen und in den oberirdischen Blättern zu speichern, ohne dass der eigene Zellstoffwechsel darunter leidet. Diese Toleranz ermöglicht es der Pflanze, auch auf mineralisch extrem unausgeglichenen oder industriell veränderten Standorten erfolgreich zu wachsen.
In Europa, wo die Art gelegentlich aus Gärten verwildert, wird sie häufig mit der Amerikanischen Kermesbeere (Phytolacca americana) verwechselt, lässt sich aber anhand klarer konstruktiver Details sicher bestimmen:
Taxonsynonyme: Sarcoca acinosa, Phytolacca pekinensis, Phytolacca kaempferi, Phytolacca esculenta, Sarcoca esculenta
Phytolacca americana
Die Amerikanische Kermesbeere (Phytolacca americana) ist eine imposante, aber stark giftige Staude aus Nordamerika, die …
Phytolacca dioica
Die Zweihäusige Kermesbeere (Phytolacca dioica), auch Ombubaum genannt, ist eine mächtige, baumförmige Pflanze aus der …
Phytolacca icosandra
Hochwachsende, stark giftige Staude aus den Neotropen mit rötlichen Blattstielen, aufrechten Blütentrauben und glänzend schwarzen …
Phytolacca rivinoides
Ein neotropischer Strauch aus der Familie der Kermesbeergewächse mit auffälligen rosafarbenen Blütenständen und hoher Toxizität.