Zwanzigmännige Kermesbeere (Phytolacca icosandra)

Tropische Kermesbeere
#835835
#491F09
#C09B75
#8A1633
#510713

Phytolacca icosandra (Tropische Kermesbeere): Merkmale und Herkunft

Phytolacca icosandra, im Deutschen als Tropische Kermesbeere bekannt, ist eine stattliche, bis zu drei Meter hohe Staude aus den warmen Regionen Mittel- und Südamerikas sowie der Karibik. Ihr wissenschaftlicher Artname icosandra stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet „mit zwanzig Staubblättern“, was auf die ungewöhnlich hohe Anzahl männlicher Blütenorgane in ihren zarten Blüten hinweist.

Die Art gehört zur Familie der Kermesbeerengewächse (Phytolaccaceae) und wurde bereits 1759 von Carl von Linné in der zehnten Auflage seines Werkes Systema Naturae wissenschaftlich erstbeschrieben. Der Gattungsname verbindet das griechische Wort phyton (Pflanze) mit dem neulateinischen lacca (Lack oder roter Farbstoff) und spielt auf den intensiv färbenden Beerensaft an.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superasterids
  • ∟ Ordnung Caryophyllales
  • ∟ Familie Phytolaccaceae (Kermesbeerengewächse)
  • ∟ Gattung Phytolacca (Kermesbeere)
  • ∟ Art Phytolacca icosandra (Zwanzigmännige Kermesbeere)

Lebendiger Puls

Morphologie

Stängel und Blätter

Die ausdauernde Pflanze bildet kräftige, oft leicht verholzende Stängel an der Basis und erreicht Wuchshöhen von 1 bis 3 Metern. Auffällig sind die kräftig rot bis purpurfarben überlaufenen Blattstiele und Mittelrippen, die sich deutlich vom satten Grün der Blattspreiten abheben.

  • Die wechselständigen, elliptischen bis eiförmigen Blätter messen 10 bis 20 Zentimeter in der Länge und 9 bis 14 Zentimeter in der Breite.
  • Im Zellgewebe der Blätter und Stiele lagert die Pflanze massenhaft Raphiden (mikroskopisch kleine, gebündelte Kristallnadeln aus Calciumoxalat) ein.

Blütenbau und Früchte

Die Blüten stehen dicht gedrängt in aufrechten, zylindrischen Trauben von 10 bis 15 Zentimetern Länge, wobei die Einzelblüten sehr kurz gestielt oder fast sitzend sind. Jede Blüte misst 5 bis 10 Millimeter im Durchmesser und besitzt weißliche, grünliche oder rötlich überhauchte Blütenhüllblätter.

  • Im Zentrum der Blüte stehen 8 bis 20 Staubblätter, die meist in zwei unregelmäßigen Kreisen angeordnet sind und der Art ihren Namen gaben.
  • Nach der Bestäubung reifen abgeflacht-kugelige, tiefschwarze Beeren von 5 bis 8 Millimetern Durchmesser heran, die einen dunkelroten Saft enthalten.

Blütezeit

In den Neotropen blüht und fruchtet die Art nahezu ganzjährig, in subtropischen Randgebieten vorwiegend von Mai bis Oktober.

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Anwendungen

Obwohl alle Teile von Phytolacca icosandra stark giftig sind, werden die reifen Früchte in der traditionellen Volksmedizin Lateinamerikas äußerlich zur Behandlung von Hautpilzen wie der Scherpilzflechte eingesetzt. Zudem dient die Pflanze als Ausgangsstoff für traditionelle Kräuterpräparate gegen Hautinfektionen.

Aufgrund des hohen Gehalts an schäumenden Saponinen (natürlichen, seifenähnlichen Glykosiden) wurden die zerdrückten Beeren und Wurzeln in ländlichen Gebieten Kolumbiens und Mittelamerikas früher als Seifenersatz zum Waschen von Kleidung genutzt. In den lokalen Namen wie Jaboncillo („kleine Seife“) hat sich diese haushaltspraktische Verwendung bis heute sprachlich erhalten.

Interessante Fakten

Zweistufige Verteidigung mit Kristallnadeln und Seifenstoffen

Als rasch wachsende Staude an offenen Waldrändern und auf Lichtungen der Neotropen müsste Phytolacca icosandra mit ihren großen, saftigen Blättern eigentlich ein leichtes Ziel für pflanzenfressende Säugetiere und Insekten sein. Dass ihr Laub dennoch meist unversehrt bleibt, verdankt sie einer kombinierten mechanisch-chemischen Abwehranlage in ihren Geweben.

  • Bereits beim ersten Biss brechen spezialisierte Speicherzellen auf und setzen Tausende scharfkantige Raphiden frei, die wie winzige Glasnadeln mikroskopische Risse in den Mundschleimhäuten des Angreifers verursachen.
  • Durch genau diese Mikroverletzungen dringen im selben Moment die im Zellsaft gelösten Saponine und Phytolaccatoxine ungehindert in das Gewebe ein und lösen sofort ein brennendes Schmerzgefühl aus.

Bereits 1864 dokumentierte der englische Anatom George Gulliver die außergewöhnliche Dichte dieser Kristallbündel in den roten Blattstielen und Blattrippen der Art. Mechanische Perforation und chemische Reizwirkung greifen hier wie ein präzises Zweikomponenten-System ineinander, sodass Weidetiere die Pflanze schon nach dem ersten Kontakt dauerhaft meiden.

Verbreitungsgebiet

  • Mexiko
  • Vereinigte Staaten
  • Costa Rica
  • Panama
  • Honduras
  • Nicaragua
  • Belize
  • Kuba
  • Jamaika
  • Haiti
  • Dominikanische Republik
  • Bahamas
  • Trinidad und Tobago
  • Kolumbien
  • Venezuela
  • Ecuador
  • Peru
  • Bolivien
  • Südafrika
  • Eswatini
  • Simbabwe
  • Kenia
  • Indien
  • Sri Lanka
  • Malaysia
  • Indonesien
  • Australien
  • Neuseeland
  • Neukaledonien

Natürliche Varietäten

Technische Information

Taxonsynonyme: Sarcoca icosandra

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

Beeren-Kermesbeere

Beeren-Kermesbeere

Phytolacca acinosa

Kräftige Staude aus Ostasien mit aufrechten weißen Blütentrauben und glänzenden, brombeerartigen Sammelfrüchten, die traditionell als …