Zweihäusige Kermesbeere (Phytolacca dioica)

Ombubaum Ombú Bella Sombra Elefantenbaum
IUCN: Nicht gefährdet
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Zweihäusige Kermesbeere (Phytolacca dioica): der Riesenbaum der Pampa

Die Zweihäusige Kermesbeere (Phytolacca dioica), in ihrer Heimat als Ombú bekannt, prägt mit ihrer bis zu 20 Meter breiten, schirmartigen Krone und dem gewaltigen, wasserspeichernden Stammfuß die offenen Graslandschaften der südamerikanischen Pampa. Das lateinische Art-Epitheton dioica bedeutet „zweihäusig“ und weist darauf hin, dass männliche und weibliche Blüten im Gegensatz zu den meisten verwandten Arten auf getrennten Individuen wachsen.

Botanisch gehört diese außergewöhnliche Pflanze zur Familie der Kermesbeerengewächse (Phytolaccaceae). Wissenschaftlich erstbeschrieben wurde die Art im Jahr 1762 von dem schwedischen Naturforscher Carl von Linné in der zweiten Auflage seines Werkes Species Plantarum.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superasterids
  • ∟ Ordnung Caryophyllales
  • ∟ Familie Phytolaccaceae (Kermesbeerengewächse)
  • ∟ Gattung Phytolacca (Kermesbeere)
  • ∟ Art Phytolacca dioica (Zweihäusige Kermesbeere)

Lebendiger Puls

Morphologie

Obwohl Phytolacca dioica die Ausmaße eines stattlichen Baumes von 12 bis 18 Metern Höhe erreicht, besitzt die Pflanze kein echtes sekundäres Holz mit Jahresringen. Da sie von krautigen Vorfahren abstammt, entsteht ihr massiver Stamm durch ein sogenanntes anomales sekundäres Dickenwachstum, bei dem schwammiges, faseriges Speichergewebe angelegt wird.

Stamm, Caudex und Rinde

An der Basis bildet der Ombubaum einen weit ausladenden, knollig verdickten Stammfuß (Caudex), der einen Umfang von über 12 Metern und einen Stammdurchmesser von bis zu 4 Metern erreichen kann. Aus diesem oberirdischen Wurzel- und Stammsockel erheben sich oft mehrere kräftige Hauptäste, die das breite Kronendach tragen.

Das Gewebe im Inneren besteht zu rund 80 Prozent aus Wasser und ist so weich, dass es sich mühelos mit einem Messer schneiden lässt. Die glatte, hellgraue bis rötlich-braune Rinde reißt erst im höheren Alter rissig auf und zeigt eine hohe Regenerationsfähigkeit bei Verletzungen.

Blätter

Die wechselständig angeordneten, gestielten Laubblätter sind einfach, ganzrandig und besitzen eine ledrige Textur mit wachsartigem Glanz. Ihre elliptische bis eiförmige Blattspreite misst 6 bis 15 Zentimeter in der Länge und läuft an der Spitze rundspitzig bis kurz zugespitzt aus.

Charakteristisch ist die helle, auf der Blattunterseite deutlich hervortretende Mittelrippe, von der sechs bis neun Paare bogig verlaufender Seitennerven abzweigen. Vor dem teilweisen Laubabwurf in kühleren Perioden verfärben sich die dunkelgrünen Blätter zunächst gelb und nehmen später violette Töne an.

Blütenstände und Blüten

Die unauffälligen, grünlich-weißen Blüten stehen dicht gedrängt in endständigen, anfangs aufrechten und später überhängenden Trauben von 15 bis 20 Zentimetern Länge. Jede der radiärsymmetrischen, eingeschlechtigen Einzelblüten besitzt eine einfache Blütenhülle (Perianth) aus fünf breit-eiförmigen, etwa 2 bis 3 Millimeter langen Tepalen sowie einen Nektardiskus an der Basis:

  • Männliche Blüten verfügen über 20 bis 30 weit herausragende Staubblätter und einen verkümmerten Fruchtknotenrest (Pistillodium).
  • Weibliche Blüten sind geringfügig kleiner, tragen 10 sterile Staminodien und besitzen einen kugeligen, oberständigen Fruchtknoten aus 8 bis 12 verwachsenen Fruchtblättern mit kurzen Griffeln.

Früchte und Samen

Aus den befruchteten weiblichen Blüten entwickeln sich etwas abgeflachte, rundliche Beerenfrüchte, die durch 8 bis 12 deutliche Längsfurchen (entsprechend den Fruchtfächern) gegliedert sind. Die anfangs gelblich-grünen Früchte färben sich bei voller Reife dunkelpurpurn bis schwärzlich und bleiben oft monatelang in dichten Fruchtständen am Baum hängen.

Jedes Fruchtfach birgt einen einzelnen, linsenförmig abgeflachten Samen von 2,5 bis 3 Millimetern Länge. Die glatte Samenschale glänzt tiefschwarz und wird von Vögeln verbreitet, die das weiche Fruchtfleisch fressen.

Blütezeit

Auf der Nordhalbkugel (z. B. im Mittelmeerraum) blüht die Art im späten Frühjahr und Frühsommer von April bis Juni, während die Blütezeit in ihrer südamerikanischen Heimat im dortigen Frühling von September bis November liegt.

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Feb
Mär
Apr
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Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Anwendungen

In Regionen mit mediterranem und subtropischem Klima wird Phytolacca dioica weltweit als imposanter Schatten- und Parkbaum entlang von Promenaden und auf großen Plätzen kultiviert. Durch seine hohe Toleranz gegenüber salzhaltiger Meeresluft und starker Sonneneinstrahlung eignet er sich besonders für Küstenstädte, benötigt jedoch aufgrund seiner ausladenden Oberflächenwurzeln viel Platz fernab von Fundamenten und Rohrleitungen.

In der Bonsai-Kunst ist die Art vor allem bei Einsteigern sehr geschätzt, da der junge Sämling bereits früh einen skulpturalen, dick geschwollenen Stammfuß (Nebari und Caudex) ausbildet. Das weiche, biegsame Gewebe lässt sich leicht drahten und gestalten, reagiert jedoch empfindlich auf Staunässe und Frost.

In der traditionellen südamerikanischen Volksmedizin wurden Auszüge der Blätter aufgrund ihrer stark reizenden Inhaltsstoffe gelegentlich als drastisches Abführmittel (Purgativum) sowie die Asche des Gewebes für äußerliche Umschläge verwendet. Wegen der ausgeprägten Toxizität aller Pflanzenteile – insbesondere der Saponine und Alkaloide im Pflanzensaft – hat diese innerliche Anwendung in der modernen Phytotherapie keine sichere Bedeutung mehr.

Interessante Fakten

Krautiger Riese mit eingebautem Wasserspeicher

In den weiten Ebenen der südamerikanischen Pampa ist die Zweihäusige Kermesbeere oft das einzige baumförmige Gewächs weit und breit, weshalb sie dort den Beinamen „Leuchtturm der Pampa“ oder Bella Sombra („schöner Schatten“) trägt. Anatomisch betrachtet handelt es sich jedoch nicht um einen klassischen Laubbaum mit verholztem Kern, sondern um ein gigantisches, mehrjähriges Kraut.

Statt eines einzigen Kambiumrings, der Jahr für Jahr festes Holz nach innen abscheidet, legt Phytolacca dioica mehrere konzentrische Ringe aus Leitbündeln an, die durch wasserreiches Parenchymgewebe getrennt sind. Dieses präzise abgestimmte Bausystem ermöglicht ein rasantes Dickenwachstum bei minimalem Energieaufwand und verwandelt den gesamten Stamm in eine riesige Zisterne.

Überlebensmechanismus bei Dürre, Sturm und Feuer

Die Kombination aus weichem Schwammgewebe und chemischer Abwehr ist exakt auf die extremen Bedingungen der offenen Grassteppe zugeschnitten:

  • Schutz vor Steppenbränden und Dürre: Da der Stamm bis zu 80 Prozent aus Wasser besteht, übersteht die Pflanze monatelange Trockenzeiten mühelos und ist selbst gegen Buschfeuer nahezu unempfindlich, weshalb das Gewebe auch als Brennholz völlig unbrauchbar ist.
  • Elastizität im Pampa-Sturm: Während starres Hartholz bei den heftigen Südwestwinden der Pampa (den Pamperos) leicht splittert, gibt das faserig-elastische Gewebe des Ombubaums dem Winddruck nach und überwallt selbst tiefe Risse rasch mit neuer Rinde.
  • Chemischer Fraßschutz: Damit das saftige, weiche Wasserspeichergewebe in trockenen Zeiten nicht von Weidetieren oder Heuschreckenschwärmen kahlgefressen wird, durchzieht die Pflanze alle Organe mit giftigen Triterpensaponinen, die sie für Pflanzenfresser ungenießbar machen.

Verbreitungsgebiet

  • Argentinien
  • Uruguay
  • Brasilien
  • Paraguay
  • Bolivien
  • Peru
  • Ecuador
  • Kolumbien
  • Venezuela
  • Mexiko
  • Vereinigte Staaten
  • Spanien
  • Portugal
  • Frankreich
  • Italien
  • Griechenland
  • Malta
  • Zypern
  • Algerien
  • Marokko
  • Tunesien
  • Libyen
  • Südafrika
  • Namibia
  • Botswana
  • Äthiopien
  • Eritrea
  • Sudan
  • Indien
  • Nepal
  • Sri Lanka
  • Australien

Technische Information

Taxonsynonyme: Phytolacca populifolia, Pircunia dioica, Phytolacca arborea, Phytolacca dioica var. ovatifolia, Sarcoca dioica

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

Beeren-Kermesbeere

Beeren-Kermesbeere

Phytolacca acinosa

Kräftige Staude aus Ostasien mit aufrechten weißen Blütentrauben und glänzenden, brombeerartigen Sammelfrüchten, die traditionell als …