Amerikanische Kermesbeere (Phytolacca americana)

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Amerikanische Kermesbeere: Merkmale & Verwendung

Ein tiefer, blutroter Saft, der einst den Ureinwohnern Nordamerikas als Kriegsbemalung diente, strömt aus den reifen Früchten der Amerikanischen Kermesbeere. Diese imposante Pflanze hat längst den Weg über den Atlantik gefunden und breitet sich heute in den warmen Weinregionen Europas aus.

Obwohl sie mit ihren glänzenden, fast schwarzen Beeren eine exotische Schönheit ausstrahlt, birgt sie eine erhebliche Gefahr. Alle Pflanzenteile sind für Mensch und Säugetiere stark giftig, weshalb im Umgang mit ihr Vorsicht geboten ist.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superasterids
  • ∟ Ordnung Caryophyllales
  • ∟ Familie Phytolaccaceae (Kermesbeerengewächse)
  • ∟ Gattung Phytolacca (Kermesbeere)
  • ∟ Art Phytolacca americana (Amerikanische Kermesbeere)

Lebendiger Puls

Botanische Illustration

Botanische Illustration
Фото: BioDivLibrary / Лицензия: Public Domain Mark

Morphologie

Die Amerikanische Kermesbeere wächst als ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von bis zu drei Metern erreichen kann. Ihre kräftigen, purpurfarbenen Stängel sind gabelig verzweigt, gefurcht und weisen im Inneren ein gekammertes Mark auf. Im Winter stirbt die Pflanze oberirdisch vollständig ab und treibt im Frühjahr aus einer kräftigen Rübenwurzel neu aus.

Die Blätter und Blüten zeigen charakteristische Merkmale:

  • Blätter: Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind eiförmig bis lanzettlich, ganzrandig und glatt. Sie können bis zu 30 Zentimeter lang werden und verströmen beim Zerreiben einen charakteristischen, als unangenehm empfundenen Geruch.
  • Blüten: Von Juli bis September bilden sich bogig überhängende, traubige Blütenstände. Die zwittrigen, meist fünfzähligen Blüten besitzen weißliche bis rosafarbene Kelchblätter, während echte Kronblätter fehlen.
  • Früchte: Aus den Blüten entwickeln sich abgeflacht kugelige, glatte Beeren von bis zu einem Zentimeter Größe. Diese färben sich bei der Reife tief schwarz-purpurfarben und enthalten einen intensiv roten Fruchtsaft.
  • Wurzeln: Die dicke, fleischige Pfahlwurzel dringt tief in den Boden ein und breitet sich horizontal aus. Querschnitte der Wurzel offenbaren auffällige konzentrische Ringe.

Blütezeit

Juli bis September

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Anwendungen

Trotz ihrer Giftigkeit blickt die Pflanze auf eine vielfältige Nutzungsgeschichte zurück. Historisch wurde der tiefrote Saft der Beeren in Europa zum künstlichen Färben von Rotweinen sowie als Tinte und Textilfarbstoff verwendet. Aus den Wurzeln stellten frühe Siedler einen roten Farbstoff her.

Weitere Anwendungsbereiche umfassen:

  • Traditionelle Medizin: Indigene Völker und frühe Siedler nutzten die Wurzeln für Umschläge bei Hautkrankheiten und Rheuma. In der Homöopathie findet die Pflanze bei Mandelentzündungen Anwendung.
  • Biomedizinische Forschung: Die Lektine der Pflanze, bekannt als Pokeweed-Mitogen, dienen in der Forschung zur Stimulierung der B-Zell-Proliferation. Zudem werden Toxine zur Bekämpfung von invasiven Dreikantmuscheln erforscht.
  • Kulinarik: In den Südstaaten der USA wurden junge Triebe und Blätter nach mehrmaligem Kochen in wechselndem Wasser als Salat zubereitet. Wegen der hohen Giftgefahr ist diese Praxis heute jedoch hochgradig umstritten.

Interessante Fakten

Die Amerikanische Kermesbeere ist eng mit der Kulturgeschichte der amerikanischen Südstaaten verwoben. Ihr englischer Name Pokeweed leitet sich vom Wort Pokon der Shawnee-Indianer ab, was so viel wie Färbepflanze bedeutet. Diese Bezeichnung verweist direkt auf den blutroten Saft der Beeren.

Spannende historische und ökologische Details:

  • Kultureller Hit: Der Musiker Tony Joe White widmete dem traditionellen Gericht aus der Pflanze 1969 den Hit Polk Salad Annie, der später auch von Elvis Presley gecovert wurde. In einigen Städten der Südstaaten werden bis heute jährliche Poke-Salad-Festivals gefeiert.
  • Ökologische Kriegsführung: Über ihre Wurzeln gibt die Pflanze Phenole in den Boden ab. Diese Stoffe hemmen die Keimung konkurrierenden Pflanzenarten und können die natürliche Waldverjüngung beeinträchtigen.
  • Vogel-Immunisierung: Während die Beeren für Säugetiere tödlich sein können, sind Vögel wie Spottdrosseln und Kardinäle völlig immun gegen die Toxine. Sie fressen die Früchte und tragen so zur massiven Verbreitung der Samen bei.

Verbreitungsgebiet

  • Vereinigte Staaten
  • Kanada
  • Mexiko
  • Deutschland
  • Österreich
  • Schweiz
  • Frankreich
  • Italien
  • Spanien
  • Portugal
  • Japan
  • Australien

Natürliche Varietäten

Technische Information

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

Beeren-Kermesbeere

Beeren-Kermesbeere

Phytolacca acinosa

Kräftige Staude aus Ostasien mit aufrechten weißen Blütentrauben und glänzenden, brombeerartigen Sammelfrüchten, die traditionell als …