Zwanzigmännige Kermesbeere Nominatform (Phytolacca icosandra var. icosandra)

Tropische Kermesbeere Tropical pokeweed Button pokeweed
Silhouette: T. Michael Keesey / Lizenz

Phytolacca icosandra var. icosandra: Botanik, Merkmale und Verbreitung

Phytolacca icosandra var. icosandra ist eine kräftige, oft leicht verholzende Staude aus den Bergwäldern, Waldrändern und Lichtungen des tropischen Amerikas von Mexiko über die Karibik bis nach Südamerika. Sie zeichnet sich durch saftige, rötlich überlaufene Stängel, lange aufrechte Blütentrauben und tiefschwarze Früchte aus; das aus dem Griechischen stammende Art-Epitheton icosandra bedeutet „mit zwanzig Staubblättern“ und beschreibt die ungewöhnlich hohe Anzahl männlicher Blütenorgane.

Das Taxon gehört zur Familie der Phytolaccaceae (Kermesbeerengewächse) und bildet die nominotypische Varietät (Autonym) der 1759 von Carl von Linné beschriebenen Art Phytolacca icosandra. Im Jahr 2023 wiesen die Botaniker Y. Ramírez-Amezcua und V. Steinmann nach, dass auch die zeitweise als eigene Gattung geführten Taxa Nowickea glabra und Nowickea xolocotzii als Synonyme direkt zu dieser Varietät gehören.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superasterids
  • ∟ Ordnung Caryophyllales
  • ∟ Familie Phytolaccaceae (Kermesbeerengewächse)
  • ∟ Gattung Phytolacca (Kermesbeere)
  • ∟ Art Phytolacca icosandra (Zwanzigmännige Kermesbeere)
  • ∟ Varietät Phytolacca icosandra var. icosandra (Zwanzigmännige Kermesbeere Nominatform)

Lebendiger Puls

Morphologie

Die Pflanze wächst als reich verzweigtes, ausdauerndes Kraut oder Halbstrauch von 1 bis 3 Metern Höhe und entspringt einer kräftigen, fleischigen Pfahlwurzel. Die kahlen bis fein drüsig-flaumigen Stängel sind oft intensiv purpurrot oder magentafarben gefärbt und im Inneren markig aufgebaut.

Blätter und Blütenstände

  • Die wechselständigen, gestielten Laubblätter besitzen eine elliptische bis eiförmig-lanzettliche, ganzrandige Spreite von 8 bis 20 Zentimetern Länge, die an der Spitze deutlich zugespitzt ist.
  • Die zwittrigen Blüten sitzen dicht gedrängt an sehr kurzen Blütenstielen (oder fast sitzend) in aufrechten, zylindrischen Trauben von 10 bis 30 Zentimetern Länge, die den Blättern gegenüberstehen.

Blütendetails und Früchte

  • Jede Blüte besitzt fünf weißliche, grünliche oder rötlich getönte Blütenhüllblätter (Tepalen) sowie 8 bis 20 (manchmal bis zu 22) Staubblätter, die in ein oder zwei Kreisen angeordnet sind.
  • Aus dem oberständigen Fruchtknoten mit 6 bis 10 verwachsenen Fruchtblättern reift eine abgeflacht-kugelige, gerippte Beere heran, die sich bei Vollreife glänzend purpurschwarz färbt und dunkelroten Saft enthält.

Blütezeit

In den Tropen nahezu ganzjährig, mit Hauptblütezeit von Mai bis November

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Anwendungen

Aufgrund ihres Gehalts an giftigen Triterpensaponinen (Phytolaccatoxin) in Wurzeln, Stängeln und Samen wird Phytolacca icosandra var. icosandra nicht als Nahrungspflanze kultiviert, fand jedoch in der traditionellen ländlichen Wirtschaft Mittel- und Südamerikas gezielte Verwendung. Der tiefrote bis violettschwarze Saft der reifen Beeren diente historisch als natürlicher Pflanzenfarbstoff zum Färben von Wolle, Baumwolle und Korbwaren sowie als einfache Tinte.

Darüber hinaus wurden die saponinreichen, unreifen Früchte und Wurzelstücke in einigen Regionen der Anden und Mittelamerikas als Waschmittelersatz genutzt, da sie beim Zerreiben in Wasser stark schäumen und Schmutz lösen. In der traditionellen Volksmedizin wurden stark verdünnte Auszüge äußerlich bei Hautleiden eingesetzt, wovon heute wegen der hohen Toxizität jedoch abgeraten wird.

Interessante Fakten

Während die meisten Blütenpflanzen ihre bunten Farben mit Hilfe von Anthocyanen erzeugen, nutzt Phytolacca icosandra var. icosandra als Mitglied der Ordnung Caryophyllales eine eigene biochemische Stoffklasse: die stickstoffhaltigen Betalaine. Diese Pigmente verleihen den Stängeln, Blütenhüllblättern und reifen Früchten ihre leuchtend purpurrote bis tiefschwarze Färbung.

Chemische Selektion bei der Samenverbreitung

  • Das Gewebe der Pflanze ist reich an bitteren Triterpensaponinen, deren seifenartige Moleküle Zellmembranen angreifen und weidende Säugetiere davon abhalten, die saftigen Triebe zu fressen oder die Samen mit ihren Mahlzähnen zu zerquetschen.
  • Fruchtfressende Vögel hingegen sind gegen diese Saponine weitgehend unempfindlich, werden vom Kontrast aus purpurroten Fruchtständen und glänzend schwarzen Beeren gezielt angelockt und scheiden die hartschaligen, unversehrten Samen nach dem Verdauungstrakt an neuen Waldlichtungen wieder aus.

Durch diese gezielte Kombination aus optischem Signal (Betalaine) und chemischem Filter (Saponine) schließt die Pflanze Samenräuber aus und gewinnt gleichzeitig genau jene gefiederten Partner, die ihre Samen unbeschädigt über weite Distanzen transportieren.

Verbreitungsgebiet

  • Mexiko
  • Guatemala
  • Belize
  • Honduras
  • El Salvador
  • Nicaragua
  • Costa Rica
  • Panama
  • Kuba
  • Jamaika
  • Haiti
  • Dominikanische Republik
  • Kolumbien
  • Venezuela
  • Ecuador
  • Peru
  • Bolivien
  • Brasilien

Technische Information

Taxonsynonyme: Phytolacca altamiranii, Phytolacca octandra var. angustifolia, Phytolacca acuminata, Phytolacca polystigma, Phytolacca sessiliflora, Phytolacca macrostachya, Phytolacca triquetra, Nowickea xolocotzii, Phytolacca erubescens, Phytolacca malabarica, Phytolacca nova-hispania, Phytolacca longespica, Phytolacca purpurascens, Nowickea glabra, Phytolacca venezuelensis, Phytolacca icosandra var. sessiliflora

Externe Datenbanken: GBIF, POWO

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