Zwölffädige Kermesbeere (Phytolacca dodecandra)

Afrikanische Seifenbeere Endod African Soapberry
Silhouette: T. Michael Keesey / Lizenz

Phytolacca dodecandra: die Afrikanische Seifenbeere und ihre Biologie

Phytolacca dodecandra ist ein kräftiger, oft kletternder Strauch, der die Waldränder, Flussufer und Gebirgsbüsche des tropischen und südlichen Afrikas sowie Madagaskars besiedelt. Das Art-Epitheton dodecandra stammt aus dem Griechischen und verweist auf die meist zwölf Staubblätter in den kleinen, grünlich-weißen Blüten, aus denen sich später leuchtend orangerote, saftige Beeren entwickeln.

Die Art gehört zur Familie der Kermesbeerengewächse (Phytolaccaceae) und wurde im Jahr 1791 vom französischen Botaniker Charles Louis L’Héritier de Brutelle wissenschaftlich erstbeschrieben. In den Hochländern Äthiopiens ist das Gewächs seit Jahrhunderten unter dem lokalen Namen Endod bekannt und wissenschaftlich gut dokumentiert.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superasterids
  • ∟ Ordnung Caryophyllales
  • ∟ Familie Phytolaccaceae (Kermesbeerengewächse)
  • ∟ Gattung Phytolacca (Kermesbeere)
  • ∟ Art Phytolacca dodecandra (Zwölffädige Kermesbeere)

Lebendiger Puls

Morphologie

Je nach Standort wächst die Pflanze als breit ausladender Busch oder schwingt sich als Liane mit bis zu zehn Meter langen Trieben in benachbarte Baumkronen. Unter der Erde bildet sie einen massiven, verholzten Wurzelstock aus, der ihr das Überdauern trockener Perioden sichert.

Blätter und Triebe

  • Die wechselständigen Laubblätter besitzen eine eiförmige bis elliptische Spreite, die völlig kahl ist und sich etwas ledrig anfühlt.
  • Am oberen Ende läuft das Blatt meist in einer kurzen, oft leicht zur Seite gebogenen Spitze aus, während die Basis abgerundet bis keilförmig in einen rötlichen Stiel übergeht.

Blütenstände und Früchte

Ein markantes Merkmal dieser Art ist die Zweihäusigkeit (Diözie): Männliche und weibliche Blüten sitzen auf getrennten Pflanzen in langen, walzenförmigen Trauben (Racemi), die bis zu dreißig Zentimeter Länge erreichen.

  • Die Einzelblüten besitzen keine echten Kronblätter, sondern fünf gelblich-grüne bis cremeweiße Blütenhüllblätter (Tepalen), die sich zur Blütezeit weit zurückbiegen.
  • Männliche Blüten tragen in der Regel zwölf bis fünfzehn lang herausragende Staubblätter, während weibliche Blüten vier bis fünf nur an der Basis verwachsene Fruchtblätter (Karpelle) aufweisen.
  • Bei der Reife schwellen die Fruchtblätter zu einer sternförmig gelappten, fleischigen Beere an, die sich kräftig orangerot bis purpurrot färbt und jeweils glänzend schwarze, linsenförmige Samen birgt.

Blütezeit

Hauptblütezeit je nach Regenzeit, vorwiegend von Oktober bis April

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Anwendungen

Obwohl alle Pflanzenteile aufgrund hochwirksamer Triterpensaponine für den Menschen giftig sind, hat die Art in ihrer ostafrikanischen Heimat eine lange Tradition als Nutz- und Forschungspflanze.

In Äthiopien und Nachbarländern werden die unreifen, getrockneten und zu Pulver zerstoßenen Beeren seit Generationen als natürliches Waschmittel für Kleidung verwendet, da die enthaltenen Saponine (seifenartige Pflanzenstoffe) im Wasser stark schäumen und Fette lösen. Darüber hinaus erlangte die Pflanze weltweite Aufmerksamkeit in der Tropenmedizin: Der äthiopische Biologe Aklilu Lemma entdeckte in den 1960er Jahren, dass verdünnte Extrakte der Beeren die Süßwasserschnecken der Gattungen Biomphalaria und Bulinus gezielt abtöten und so die Übertragungskette der Bilharziose (Schistosomiasis) in ländlichen Gewässern unterbrechen können.

Interessante Fakten

Die Überlebensstrategie von Phytolacca dodecandra zeigt ein fein abgestimmtes Zusammenspiel zwischen chemischer Verteidigung und gezielter Samenverbreitung durch Vögel.

Chemische Weiche im Fruchtfleisch

Unreife Früchte müssen vor dem vorzeitigen Fraß durch Insekten, Weidetiere oder Schnecken geschützt werden, während reife Samen weiträumig transportiert werden sollen. Die Pflanze löst diesen scheinbaren Widerspruch durch eine präzise biochemische Steuerung während der Fruchtreife.

  • Solange die Samen im Inneren noch reifen, reichert das grüne Gewebe höchste Konzentrationen an Lemmatoxin und verwandten Oleanolsäure-Glykosiden an, die die Zellmembranen kaltblütiger Organismen und Fressfeinde angreifen.
  • Sobald die schwarzen Samen ihre feste, unverdauliche Samenschale ausgebildet haben, verändert sich das chemische Profil und die Beere leuchtet als optisches Signal in warmem Orangerot auf.
  • Bestimmte fruchtfressende Vögel Afrikas vertragen das reife Fruchtfleisch problemlos, verdauen die zuckerhaltige Hülle und scheiden die unversehrten Samen weit entfernt vom Mutterstrauch wieder aus.

Diese genaue Abstimmung von Reifegrad, Farbsignal und Membranchemie sorgt dafür, dass die Ressource Frucht erst im exakt richtigen Moment für die passenden Verbreiter freigegeben wird.

Verbreitungsgebiet

  • Äthiopien
  • Eritrea
  • Uganda
  • Kenia
  • Tansania
  • Ruanda
  • Burundi
  • Demokratische Republik Kongo
  • Nigeria
  • Kamerun
  • Ghana
  • Elfenbeinküste
  • Guinea
  • Sierra Leone
  • Angola
  • Sambia
  • Simbabwe
  • Malawi
  • Mosambik
  • Südafrika
  • Madagaskar

Quellen

  • Plants of the World Online (POWO): Phytolacca dodecandra L'Hér. — Royal Botanic Gardens, Kew.
  • World Flora Online (WFO): Phytolacca dodecandra L'Hér. — Taxonomic Backbone.
  • Global Biodiversity Information Facility (GBIF): Phytolacca dodecandra L'Hér.
  • Tropicos.org: Missouri Botanical Garden — Phytolacca dodecandra L'Hér.

Technische Information

Taxonsynonyme: Phytolacca abyssinica, Phytolacca molleri, Phytolacca nutans, Sarcoca nutans, Sarcoca dodecandra, Pircunia abyssinica, Sarcoca abyssinica, Phytolacca elongata, Pircunia saponacea

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

Beeren-Kermesbeere

Beeren-Kermesbeere

Phytolacca acinosa

Kräftige Staude aus Ostasien mit aufrechten weißen Blütentrauben und glänzenden, brombeerartigen Sammelfrüchten, die traditionell als …