Goudots Kermesbeere (Phytolacca goudotii)

Silhouette: T. Michael Keesey / Lizenz

Phytolacca goudotii: Taxonomie, Merkmale und Herkunft

Phytolacca goudotii bezeichnet eine kräftige, kletternde oder spreizklimmende Pflanze aus den Wäldern und Gebüschen Madagaskars, die lange, traubige Blütenstände und saftige, bei Reife leuchtend rote bis purpurne Beerenfrüchte bildet. Das Art-Epitheton goudotii ehrt den französischen Naturforscher Jules Prosper Goudot, der im 19. Jahrhundert auf Madagaskar Pflanzen- und Tiersammlungen anlegte.

Das Taxon gehört zur Familie der Kermesbeerengewächse (Phytolaccaceae) und wurde 1906 vom Schweizer Botaniker John Isaac Briquet erstbeschrieben. In modernen Referenzdatenbanken wie Plants of the World Online (POWO) wird Phytolacca goudotii nicht mehr als isolierte eigene Art getrennt, sondern als heterotypisches Synonym der in Afrika und Madagaskar verbreiteten Art Phytolacca dodecandra geführt.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superasterids
  • ∟ Ordnung Caryophyllales
  • ∟ Familie Phytolaccaceae (Kermesbeerengewächse)
  • ∟ Gattung Phytolacca (Kermesbeere)
  • ∟ Art Phytolacca goudotii (Goudots Kermesbeere)

Lebendiger Puls

Morphologie

Wuchsform und Stängel

Die Pflanze wächst als ausdauernder, halbverholzender Spreizklimmer oder Liane (Skandent — eine Pflanze, die sich ohne eigene Ranken an Nachbargehölzen emporstützt) und erreicht mehrere Meter Länge. Eine knollig verdickte Pfahlwurzel speichert im Boden Wasser und Nährstoffe für trockenere Jahreszeiten.

Blätter

  • Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind gestielt, eiförmig bis elliptisch und besitzen eine glatte, kahle Oberfläche mit ganzem Blattrand.
  • An der Blattspitze läuft die Spreite oft in ein kurzes, aufgesetztes Spitzchen (Mucro) aus, über das überschüssiges Regenwasser rasch abtropft.

Blütenstände und Früchte

  • Die zahlreichen kleinen, grünlich-weißen bis gelblichen Blüten stehen in schlanken, walzenförmigen Trauben und sind meist funktionell eingeschlechtig (zweihäusig — männliche und weibliche Blüten sitzen auf verschiedenen Pflanzenindividuen).
  • Aus dem aus mehreren Fruchtblättern bestehenden Fruchtknoten reifen fleischige, gerippte Beeren heran, die sich während der Reife intensiv orangerot bis dunkelrot färben.

Interessante Fakten

Chemische Verteidigung und gezielte Samenverbreitung

Die madagassischen Populationen, die John Isaac Briquet anhand der Aufsammlungen von Jules Goudot als Phytolacca goudotii beschrieb, zeigen ein fein abgestimmtes Zusammenspiel aus biochemischer Abwehr und Fruchtökologie. Wie bei Phytolacca dodecandra bildet die Pflanze in ihren Geweben hohe Konzentrationen an Triterpensaponinen — seifenartigen Schutzmolekülen, die Zellmembranen von Fraßfeinden und wasserlebenden Weichtieren angreifen.

Präzise Koordination im Lebenszyklus

  • Während die unreifen grünen Früchte durch ihren hohen Saponingehalt vor vorzeitigem Fraß durch Insekten und Säugetiere geschützt bleiben, wandelt sich das Signalprofil exakt zum Zeitpunkt der Samenreife.
  • Die reifende Fruchthülle lagert leuchtende Betalaine (wasserlösliche rote bis violette Farbstoffe, die bei den Nelkenartigen anstelle der sonst üblichen Anthocyane auftreten) ein und hebt sich kontrastreich vom grünen Laubdach der Waldränder ab.
  • Fruchtfressende Vögel werden durch dieses optische Signal angelockt, verdauen das weiche Fruchtfleisch und scheiden die hartschaligen Samen unbeschädigt an neuen Lichtungen wieder aus, wodurch Schutzchemie, Farbsignal und Ausbreitungsmechanismus präzise ineinandergreifen.

Verbreitungsgebiet

  • Madagaskar

Technische Information

Taxonsynonyme: Sarcoca goudotii

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

Beeren-Kermesbeere

Beeren-Kermesbeere

Phytolacca acinosa

Kräftige Staude aus Ostasien mit aufrechten weißen Blütentrauben und glänzenden, brombeerartigen Sammelfrüchten, die traditionell als …