Siebenmännige Kermesbeere (Phytolacca heptandra)

Wild Sweet Potato
Silhouette: T. Michael Keesey / Lizenz

Phytolacca heptandra: Südafrikanische Kermesbeere mit Knollenwurzel

Phytolacca heptandra ist eine ausdauernde, aufrecht wachsende Staude aus den Graslandschaften und offenen Buschregionen des südlichen Afrikas, die aus einer mächtigen, rübenartigen Speicherwurzel austreibt. Das Art-Epitheton heptandra stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet „siebenmännig“ — ein direkter Hinweis auf die meist sieben Staubblätter in jeder Blüte.

Die Art zählt zur Familie der Kermesbeerengewächse (Phytolaccaceae) und wurde bereits im Jahr 1791 vom schwedischen Naturforscher Anders Jahan Retzius wissenschaftlich beschrieben. Im englischen Sprachraum Südafrikas wird sie wegen ihrer großen unterirdischen Knolle gelegentlich als Wild Sweet Potato bezeichnet, obwohl sie mit der echten Süßkartoffel nicht verwandt und stark giftig ist.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superasterids
  • ∟ Ordnung Caryophyllales
  • ∟ Familie Phytolaccaceae (Kermesbeerengewächse)
  • ∟ Gattung Phytolacca (Kermesbeere)
  • ∟ Art Phytolacca heptandra (Siebenmännige Kermesbeere)

Lebendiger Puls

Morphologie

Anders als ihre kletternden Verwandten wächst Phytolacca heptandra als buschige, krautige Pflanze, die meist Wuchshöhen zwischen vierzig und achtzig Zentimetern erreicht. Ihre oberirdischen Triebe sind kahl, leicht gerillt und sterben im kühlen, trockenen Winter des südafrikanischen Hochlands bis zum Boden zurück.

Wurzelwerk und Laubblätter

  • Unter der Erde sitzt ein dicker, fleischiger Wurzelstock (Kaudex oder Speicherknolle), der tief in den Boden reicht und Wasser sowie Nährstoffe speichert.
  • Die wechselständigen, kurz gestielten Blätter sind schmal-elliptisch bis lanzettlich geformt, völlig glatt und zeigen oft eine leicht bläulich-grüne Färbung.

Blüten und Früchte

Die zwittrigen Blüten stehen in aufrechten, lockeren Trauben (Racemi), die den oberen Blattachseln oder den Triebspitzen entspringen.

  • Jede Blüte besitzt fünf grünlich-weiße bis gelblich-grüne Blütenhüllblätter (Tepalen), die sich am Rand manchmal zart rötlich verfärben.
  • Im Zentrum sitzen typischerweise sieben (gelegentlich sechs bis acht) Staubblätter sowie ein Fruchtknoten aus fünf bis sieben freien Fruchtblättern (apokarpes Gynoeceum).
  • Zur Reifezeit entwickeln sich daraus abgeflachte, tief gerippte Beeren, die sich glänzend rot bis fast schwarz verfärben.

Blütezeit

Blütezeit im Frühjahr und Sommer der Südhalbkugel von Oktober bis März

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Anwendungen

Aufgrund der im gesamten Pflanzenkörper, insbesondere in der fleischigen Knolle und den Früchten, enthaltenen toxischen Saponine und Phytolaccatoxine ist die Pflanze für den Verzehr ungeeignet und führt bei Weidevieh wie auch beim Menschen zu schweren Vergiftungen.

In der traditionellen Heilkunde südafrikanischer Volksgruppen wie der Xhosa und Sotho finden stark verdünnte Zubereitungen der Wurzelknolle dennoch unter strenger Vorsicht Verwendung, etwa als drastisches Abführmittel oder äußerlich bei Schlangenbissen und Hautleiden. Zudem wird die Art in botanischen Sammlungen des südlichen Afrikas kultiviert, um die Anpassung einheimischer Geophyten an das Grasland-Ökosystem zu dokumentieren.

Interessante Fakten

Das Überleben von Phytolacca heptandra in den offenen Graslandschaften des Highveld beruht auf einer präzisen Kombination aus unterirdischer Speicherarchitektur und chemischer Abschreckung.

Überlebensbunker im Feuer- und Frostgrasland

Die Hochebenen von Südafrika, Lesotho und Eswatini sind im Winter von strengem Bodenfrost, monatelanger Trockenheit und regelmäßig wiederkehrenden Buschfeuern geprägt. Während oberirdische Sträucher unter diesen Bedingungen oft Schaden nehmen, verlegt diese Art ihr Lebenszentrum vollständig unter die Erde.

  • Im Spätherbst zieht die Pflanze sämtliche wertvollen Assimilate — also die durch Fotosynthese gewonnenen Zucker und Aufbaustoffe — aus den Stängeln in ihre tiefliegende Speicherwurzel zurück.
  • Während das trockene Grasland an der Oberfläche abbrennt oder gefriert, ruhen die Erneuerungsknospen (wie bei einem Kryptophyten) geschützt unter einer isolierenden Bodenschicht.
  • Damit grabende Nagetiere oder Stachelschweine diesen wasser- und stärkereichen Speicher in der Trockenzeit nicht als Nahrungsquelle plündern, ist das Knollengewebe mit bitteren Saponinen durchsetzt.

Sobald im Frühjahr die ersten Regenfälle einsetzen, treibt die Pflanze dank ihrer geschützten Energiereserven innerhalb weniger Tage neue, kräftige Sprosse ans Licht, noch bevor die umliegenden Gräser hochwachsen.

Verbreitungsgebiet

  • Südafrika
  • Lesotho
  • Eswatini

Quellen

  • Plants of the World Online (POWO): Phytolacca heptandra Retz. — Royal Botanic Gardens, Kew.
  • World Flora Online (WFO): Phytolacca heptandra Retz. — Taxonomic Backbone.
  • South African National Biodiversity Institute (SANBI): Red List of South African Plants — Phytolacca heptandra Retz.
  • Global Biodiversity Information Facility (GBIF): Phytolacca heptandra Retz.

Technische Information

Taxonsynonyme: Pircunia stricta, Sarcoca heptandra

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

Siehe auch

Beeren-Kermesbeere

Beeren-Kermesbeere

Phytolacca acinosa

Kräftige Staude aus Ostasien mit aufrechten weißen Blütentrauben und glänzenden, brombeerartigen Sammelfrüchten, die traditionell als …