Breitstielige Kermesbeere (Phytolacca latbenia)

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Silhouette: T. Michael Keesey / Lizenz

Phytolacca latbenia: botanisches Profil, Herkunft und Merkmale

Phytolacca latbenia ist eine kräftige, krautige Staude aus den feuchten Bergtälern und Waldrändern des Himalayas sowie Ostasiens, die durch ihre kerzenartig aufrechten Blütenstände und tief purpurschwarzen Beeren auffällt. Ihr ungewöhnliches Art-Epitheton latbenia geht direkt auf einen lokalen nepalesischen Volksnamen zurück, unter dem die Pflanze in ihrer Gebirgsheimat bekannt war.

Ursprünglich wurde das Taxon 1802 von Francis Buchanan-Hamilton als Pircunia latbenia beschrieben und später von Hans Walter in die Gattung Phytolacca überführt. In der modernen Systematik nach Plants of the World Online (POWO) gilt der Name heute als historisches Synonym von Phytolacca acinosa.

Taxonomie

  • ∟ царство Plantae
  • ∟ Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • ∟ Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • ∟ Angiosperms
  • ∟ mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • ∟ eudicots
  • ∟ core eudicots
  • ∟ Superasterids
  • ∟ Ordnung Caryophyllales
  • ∟ Familie Phytolaccaceae (Kermesbeerengewächse)
  • ∟ Gattung Phytolacca (Kermesbeere)
  • ∟ Art Phytolacca latbenia (Breitstielige Kermesbeere)

Lebendiger Puls

Morphologie

Wuchsform und Laubwerk

Die Pflanze wächst als ausdauernde, buschige Staude mit dicken, fleischigen Stängeln, die je nach Standort eine Höhe von 1 bis 2 Metern erreichen. Unterirdisch überdauert sie den Gebirgswinter mithilfe eines kräftigen, rübenartig verdickten Wurzelstocks.

  • Die wechselständigen Laubblätter sind breit elliptisch bis lanzettlich geformt und werden 10 bis 25 Zentimeter lang.
  • Ihre Blattspreiten sind ganzrandig, kahl und laufen an der Basis keilförmig in einen rötlich überlaufenen Blattstiel aus.

Blütenstände und Früchte

Im Gegensatz zu einigen amerikanischen Verwandten mit überhängenden Fruchtständen bleiben die dichten, zylindrischen Trauben bei diesem Taxon vom Aufblühen bis zur vollen Fruchtreife straff aufrecht. Die einzelnen Blüten sind radiärsymmetrisch gebaut und besitzen eine einfache Blütenhülle (Perigon — ein Blütenblattkreis ohne Trennung in Kelch und Krone).

  • Fünf weißliche bis zart grünliche Blütenhüllblätter umgeben in der Regel 8 bis 10 Staubblätter und ebenso viele freie Fruchtblätter, die sich im Reifeverlauf rötlich verfärben.
  • Aus jedem befruchteten Fruchtblatt entwickelt sich ein saftiges Teilfrüchtchen, die gemeinsam eine glänzend purpurschwarze, rosettenartig gekammerte Sammelbeere bilden.

Blütezeit

Die Blütezeit erstreckt sich im späten Frühjahr und Sommer von Mai bis August, gefolgt von der Fruchtreife im Herbst.

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Anwendungen

In den ländlichen Regionen des Himalayas und Ostasiens werden die ganz jungen, noch zarten Frühjahrstriebe traditionell nach gründlichem Abkochen und Abgießen des Kochwassers als Blattgemüse verzehrt. Durch die Hitzebehandlung werden wasserlösliche Bitter- und Reizstoffe reduziert, während ältere Pflanzenteile und rohe Wurzeln aufgrund ihrer hohen Konzentration an Triterpensaponinen (seifenartigen Pflanzenstoffen mit starker Schleimhautwirkung) strikt gemieden werden.

Darüber hinaus spielt der dunkelviolette Saft der reifen Beeren in der regionalen Alltagskultur eine Rolle als natürlicher Farbstoff für Wolle und Papier. In der traditionellen asiatischen Kräuterkunde werden standardisierte Wurzelzubereitungen äußerlich sowie als stark entwässerndes Mittel eingesetzt, wobei die Dosierung wegen der ausgeprägten Toxizität großes Fachwissen erfordert.

Interessante Fakten

Architektur für die Vogelwelt der Bergwälder

Während viele Stauden ihre Samen durch den Wind verbreiten, setzt Phytolacca latbenia auf eine präzise abgestimmte Partnerschaft mit fruchtfressenden Vögeln (Ornithochorie — Samenausbreitung durch Vögel). Die mechanische Festigkeit der Stängel und der Blütenstandsachsen ist exakt darauf ausgelegt, die schweren Fruchtkolben frei über das umgebende Blattwerk hinauszuhalten.

  • Die aufrechte Haltung der Trauben dient kleineren Singvögeln im dichten Unterholz der Bergwälder als stabile Lande- und Sitzstange während der Nahrungsaufnahme.
  • Gleichzeitig wechseln die Blütenhüllblätter unter den reifenden schwarzen Beeren ihre Farbe zu einem kräftigen Karminrot, was für das tetrachromatische Auge der Vögel einen weit sichtbaren Zweifarben-Kontrast erzeugt.

Diese optische Signalwirkung ist zeitlich genau mit der Aushärtung der linsenförmigen, schwarzen Samenschale synchronisiert. Erst wenn der Embryo im Inneren durch eine säurefeste Hülle vor den Verdauungsenzymen des Vogeldarms geschützt ist, wird das Fruchtfleisch weich, zuckerreich und für die gefiederten Verbreiter attraktiv.

Verbreitungsgebiet

  • Nepal
  • Indien
  • Bhutan
  • China
  • Myanmar
  • Vietnam
  • Japan
  • Südkorea

Technische Information

Taxonsynonyme: Pircunia latbenia, Sarcoca latbenia

Externe Datenbanken: POWO, Tropicos

Siehe auch

Beeren-Kermesbeere

Beeren-Kermesbeere

Phytolacca acinosa

Kräftige Staude aus Ostasien mit aufrechten weißen Blütentrauben und glänzenden, brombeerartigen Sammelfrüchten, die traditionell als …