Der Götterbaum (*Ailanthus altissima*) gilt als extrem regenerationsfreudiger Neophyt, dessen Wurzeln nach dem bloßen Kappen hunderte neue Wurzelaustriebe bilden. Wer den Götterbaum chemisch bekämpfen möchte, muss strategisch vorgehen, um das unterirdische Rhizomsystem dauerhaft zu inaktivieren.
Mechanische Schnittmaßnahmen allein verstärken das Wachstum meist drastisch. Nur durch den gezielten Einsatz systemischer Herbizide direkt im Gefäßsystem des Baumes lässt sich der Bestand nachhaltig kontrollieren.
Warum mechanische Schnittmaßnahmen oft scheitern
Wird ein Götterbaum ohne Vorbehandlung gefällt, reagiert das Wurzelsystem mit einer massiven Notvermehrung. Aus den schlafenden Knospen der Flachwurzeln schlagen innerhalb kurzer Zeit hunderte neue Sprösslinge aus.
Diese Notreaktion führt zu einem dichten Götterbaum-Dickicht, das mechanisch kaum noch zu beherrschen ist. Eine wirksame Bekämpfung erfordert daher die Zerstörung der unterirdischen Wurzelbiomasse.
Effektive Verfahren zur chemischen Bekämpfung
Die direkte Einbringung von Herbiziden in das Leitgewebe verhindert die Bildung von Wurzelausschlägen. Hierbei kommen vor allem die Stammbohrung, die Bohrloch-Injektion und die Ringelung mit Herbizidauftrag zum Einsatz.
Systemische Wirkstoffe wie Glyphosat oder Triclopyr werden vom Baum aufgenommen und verteilen sich über den Saftstrom bis in die Wurzelspitzen. Dies führt zum schleichenden Absterben des gesamten Organismus.
Stamm-Injektion und Bohrlochmethode Schritt für Schritt
Für beste Ergebnisse wird der Stamm im unteren Bereich schräg nach unten angebohrt. Die Bohrlöcher dienen als Reservoir für das Herbizidpräparat.
Die nachfolgende Anleitung beschreibt das praxiserprobte Vorgehen für den Forst- und Landschaftsbau:
- Bohren Sie im Abstand von etwa 10 Zentimetern rund um den Stamm Löcher mit 5 bis 8 Millimeter Durchmesser schräg nach unten ein.
- Füllen Sie die Bohrlöcher umgehend mit dem zugelassenen Herbizidkonzentrat auf, um ein Verschließen der Leitgefäße zu verhindern.
- Versiegeln Sie die Bohröffnungen bei Bedarf mit Wachs, um ein Auswaschen durch Regenwasser zu vermeiden.
- Lassen Sie den Baum über mehrere Wochen stehen, damit der Wirkstoff vollständig in die Wurzeln transportiert wird.
Expertenrat: Der optimale Behandlungszeitraum liegt zwischen Spätsommer und Frühherbst. In dieser Phase verlagert der Götterbaum seine Reservestoffe aktiv in das Wurzelsystem.
In dieser Phänophase nimmt das Phloem des Götterbaums den systemischen Wirkstoff besonders effizient auf. Die natürliche Abwärtsbewegung des Pflanzensafts befördert das Herbizid direkt in die tiefsten Wurzelbereiche.
Eine Behandlung im zeitigen Frühjahr ist hingegen wenig wirksam, da der aufsteigende Saftstrom den Wirkstoff aus den Wunden schwemmt. Das präzise Timing entscheidet maßgeblich über den Behandlungserfolg.
Rechtliche Rahmenbedingungen und Anwendungssicherheit
Der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel unterliegt strengen gesetzlichen Vorgaben. In vielen Regionen ist die Ausbringung auf Nichtkulturland oder in Wasserschutzgebieten genehmigungspflichtig.
Beim Umgang mit Herbiziden müssen stets geeignete Schutzmaßnahmen getroffen werden, um Umwelt und Gesundheit nicht zu gefährden:
- Tragen Sie stets persönliche Schutzausrüstung bestehend aus Schutzbrille, chemikalienfesten Handschuhen und Schutzkleidung.
- Verwenden Sie Herbizide ausschließlich gemäß den Vorgaben des Pflanzenschutzgesetzes und örtlicher Naturschutzbehörden.
- Achten Sie darauf, dass benachbarte Gehölze nicht über Wurzelkontakte mitbehandelt oder geschädigt werden.
Durch die fachgerechte Stamm-Injektion lässt sich der Götterbaum gezielt chemisch bekämpfen, ohne die Umgebung flächig zu belasten. Bei konsequenter Durchführung und richtiger Terminierung bleibt der unerwünschte Wurzelausschlag dauerhaft aus.