Auf den ersten Blick ähneln sich der invasive Götterbaum (Ailanthus altissima) und der beliebte Essigbaum überraschend stark. Wer die Gehölze im eigenen Garten oder am Waldrand nicht unterscheidet, riskiert jedoch die unkontrollierte Ausbreitung einer extrem wuchsfreudigen Art.
Blattmerkmale und Geruch: Die verlässlichen Erkennungszeichen
Obwohl Götterbaum und Essigbaum ähnlich erscheinen, verrät ein genauer Blick auf das Laub sofort die Identität. Die gefiederten Blätter des Götterbaums erreichen Längen von bis zu 90 Zentimetern und besitzen glatte Ränder mit charakteristischen Drüsen an der Basis.
Beim Essigbaum hingegen sind die einzelnen Fiederblättchen deutlich gesägt und auf der Unterseite leicht behaart. Zudem fehlt dem Essigbaum der strenge, gummiartige Geruch, den zerriebene Götterbaumblätter über ihre Drüsenschläuche abgeben.
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zeigt sich im Spätsommer: Während das Laub des Essigbaums eine leuchtend scharlachrote Herbstfärbung annimmt, verfärben sich die Blätter des Götterbaums lediglich unauffällig gelblich, bevor sie frühzeitig abfallen.
Zweige, Rinde und Fruchtstände im Jahresverlauf
Die Zweige bieten auch im winterlichen Zustand klare Anhaltspunkte für die Bestimmung. Der Essigbaum bildet dicht samtig-braun behaarte Triebspitzen aus, die stark an ein Hirschgeweih erinnern.
Im Gegensatz dazu zeigt Ailanthus altissima glatte, olivgrüne bis gelbbraune Zweige mit auffallend großen Herz- bis Halbmond-Blattnarben. Auch bei den Früchten unterscheiden sich die Gehölze grundlegend.
Während der Essigbaum durch seine dekorativen roten Fruchtkolben besticht, bildet der Götterbaum zehntausende geflügelte Samen, die vom Wind kilometerweit getragen werden.
Diese geflügelten Nüsschen (Samaras) des Götterbaums hängen in dichten, gedrehten Büscheln am Baum. Sie verfärben sich im Hochsommer rötlich-gelb und verbleiben teilweise bis in den Winter an den Ästen.
Der Essigbaum bildet hingegen aufrechte, kolbenartige Fruchtstände mit samtig roten Haaren aus. Diese verbleiben als markanter Winterschmuck lange am Baum und dienen Vögeln in der kalten Jahreszeit als Nahrung.
Ökologische Ausbreitung und praktische Schnittmaßnahmen
Dass der Götterbaum nicht das Gleiche wie ein Essigbaum ist, wird spätestens bei den ökologischen Auswirkungen deutlich. Ailanthus altissima steht auf der EU-Liste der invasiven gebietsfremden Arten und breitet sich durch Allelopathie extrem aggressiv aus.
Um die unkontrollierte Ausbreitung im Garten zu verhindern, müssen je nach Gehölzart unterschiedliche Maßnahmen ergriffen werden:
- Mechanische Rodung: Ein bloßer Rückschnitt regt den Götterbaum zu massiver Wurzelausschlagbildung an.
- Gezieltes Ringeln: Das Unterbrechen der Saftbahnen schwächt das Wurzelsystem von Ailanthus vor dem eigentlichen Fällen.
- Rhizomsperren: Beim Essigbaum verhindern unterirdische Folienbarrieren wirksam das Austreiben von Ausläufern.
Durch das frühzeitige Erkennen der morphologischen Merkmale lassen sich invasive Bestände von Ailanthus altissima im Garten rechtzeitig eindämmen und heimische Pflanzenarten gezielt schützen.