Schierlinge (Conium)

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Conium (Schierling) – Botanik, Merkmale & Toxizität

Seit Jahrhunderten verbindet man mit den feuchten, nährstoffreichen Böden Europas und den Tälern des südlichen Afrikas eine der berüchtigtsten Giftpflanzen der Menschheitsgeschichte. Diese krautigen Gewächse, botanisch als Conium klassifiziert, fallen durch ihre stattliche Statur und ihre filigranen Doldenblüten auf. Hinter der eleganten, petersilienähnlichen Optik verbirgt sich jedoch eine extreme Toxizität.

Die Pflanzen der Gattung Conium zeichnen sich durch einen unangenehmen, an Mäuseurin erinnernden Geruch aus, der beim Zerreiben der Blätter freigesetzt wird. Dieser markante Geruch dient in der Natur als biologisches Warnsignal für Weidegänger und Menschen gleichermaßen. Trotz ihrer Gefährlichkeit faszinieren diese Doldenblütler Botaniker seit jeher durch ihre evolutionäre Anpassung und biochemische Komplexität.

Taxonomie

  • царство Plantae
  • Abteilung Tracheophytes (Gefäßpflanzen)
  • Unterabteilung Spermatophytes (Samenpflanzen)
  • Angiosperms
  • mesangiosperms (Mesangiospermen)
  • eudicots
  • asterids
  • Ordnung Apiales
  • Familie Apiaceae
  • Gattung Conium (Schierlinge)

Lebendiger Puls

Botanische Illustration

Botanische Illustration
Фото: BioDivLibrary / Лицензия: Public Domain Mark

Morphologie

Die Vertreter von Conium sind ein- oder zweijährige krautige Pflanzen, die Wuchshöhen von einem bis zu drei Metern erreichen können. Ihre Morphologie weist spezifische Erkennungsmerkmale auf:

  • Stängel: Die Stängel wachsen aufrecht, sind hohl, kahl und gerillt. Bei vielen Arten, insbesondere bei Conium maculatum, zeigen sie markante rötliche oder purpurfarbene Flecken, besonders an der Basis.
  • Blätter: Die wechselständig angeordneten Blätter sind mehrfach gefiedert und fein zerteilt, was ihnen ein petersilienähnliches Aussehen verleiht. Grundständige Blätter sind meist ein- bis dreifach gefiedert, während die oberen Stängelblätter zwei- bis vierfach gefiedert sein können.
  • Blütenstand: Die kleinen, weißen, gelblichen oder grünlichen Blüten stehen in endständigen, doppeldoldigen Blütenständen zusammen, die einen Durchmesser von ein bis acht Zentimetern erreichen. Die Einzelblüten sind zwittrig und meist etwa zwei Millimeter groß.
  • Früchte und Samen: Die Früchte sind zweiteilige Spaltfrüchte, die seitlich leicht zusammengedrückt und eiförmig bis kugelig geformt sind. Sie sind dunkelgrün oder braun, zwischen 2,5 und 4 Millimeter lang und weisen artspezifisch ausgeprägte, oft wellige Rippen auf.

Blütezeit

Je nach Region und Art erstreckt sich die Blütezeit von Juni bis September.

Jan
Feb
Mär
Apr
Mai
Jun
Jul
Aug
Sep
Okt
Name
Dez

Anwendungen

Aufgrund der extremen Toxizität aller Pflanzenteile sind historische und moderne Anwendungen von Conium stark eingeschränkt und mit großen Risiken verbunden:

  • Medizinische Geschichte: Früher wurden Extrakte von Schierlingen in der traditionellen Medizin als Sedativa und Antispasmodika genutzt. Wegen der unberechenbaren Dosierung und tödlichen Gefahr wurde diese Verwendung im frühen 20. Jahrhundert vollständig eingestellt.
  • Homöopathie: In der Homöopathie wird stark verdünntes Conium maculatum bei verschiedenen Beschwerden wie Angstzuständen, Muskelkrämpfen oder Asthma angewendet, obwohl wissenschaftliche Belege für eine Wirksamkeit fehlen.
  • Landwirtschaft und Pestizide: Wirkstoffe wie Coniin wurden auf ihre insektizide Wirkung gegen Blattläuse und Schmeißfliegen untersucht. Zudem hemmen Extrakte das Wachstum bestimmter pathogener Pilze wie Fusarium pallidoroseum, was jedoch bisher keine breite Praxisanwendung fand.
  • Natürliche Zäune: In Nordamerika wurden die hochgiftigen Pflanzen stellenweise entlang von Gewässern und Zäunen gepflanzt, um Raubtiere wie Wölfe von Viehweiden fernzuhalten.

Interessante Fakten

Die düstere Geschichte von Conium ist eng mit der antiken Philosophie, Kultur und Kriminologie verwoben:

  • Der Schierlingsbecher des Sokrates: Im antiken Athen wurde der Saft des Gefleckten Schierlings zur Vollstreckung von Todesurteilen genutzt. Der berühmteste Fall ist die Hinrichtung des Philosophen Sokrates im Jahr 399 v. Chr., der den tödlichen Trank zu sich nehmen musste.
  • Etymologische Herkunft: Der wissenschaftliche Name Conium leitet sich vom griechischen Wort koneios ab, was so viel wie „Wirbel“ oder „Kreisel“ bedeutet, da der Konsum der Pflanze zu starkem Schwindel führt.
  • Kulturelle Legenden: In Europa galten Schierlinge historisch als Hexenkräuter und wurden im Volksmund oft als „Teufelsblume“ bezeichnet. Die roten Flecken auf dem Stängel werden in einigen Legenden auch als „Blut des Sokrates“ gedeutet.
  • Moderne Popkultur: Die Giftwirkung der Pflanze wird auch in modernen Medien thematisiert, beispielsweise in der Serie Dr. House (Staffel 1, Episode 17), in der ein Patient eine Schierlingsvergiftung erleidet, sowie im Videospiel Days Gone.

Verbreitungsgebiet

  • Deutschland
  • Südafrika
  • Griechenland
  • Vereinigte Staaten
  • China
  • Australien

Natürliche Varietäten

Art
Gefleckter Schierling

Gefleckter Schierling

Der Gefleckte Schierling (Conium maculatum) ist eine hochgiftige, zweijährige Pflanze mit charakteristischen gefleckten Stängeln, die historisch als Schierlingsbecher Berühmtheit erlangte.

Technische Information

Externe Datenbanken: GBIF, POWO, Tropicos

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