Herero-Portulak
Niedrig wachsende, sukkulente Pflanze aus den Trockensavannen des südlichen und östlichen Afrikas, benannt nach dem Hereroland in Namibia.
Portulak (Portulaca) begegnet uns als sonnenhungrige, fleischige Krautpflanze, die mit ihren wasserspeichernden Blättern selbst trockene, steinige Böden in den Tropen, Subtropen und warmen gemäßigten Zonen weltweit besiedelt. Der wissenschaftliche Gattungsname leitet sich vom lateinischen Wort portula („kleines Tor“ oder „Türchen“) ab, was auf die reifen Kapselfrüchte anspielt, die sich quer wie eine kleine Dose mit einem Deckel öffnen.
In der modernen Systematik bildet Portulaca mit über 100 bis 150 Arten die einzige Gattung innerhalb der Familie der Portulakgewächse (Portulacaceae) in der Ordnung der Nelkenartigen (Caryophyllales). Wissenschaftlich erstbeschrieben wurde die Gattung im Jahr 1753 durch Carl von Linné in seinem Werk Species Plantarum, während Antoine Laurent de Jussieu 1789 den Familiennamen etablierte.
Die Arten der Gattung Portulaca wachsen als einjährige bis ausdauernde krautige Pflanzen, die meist Höhen von 10 bis 30 Zentimetern erreichen. Ihre reich verzweigten, saftigen und oft rötlich überlaufenen Stängel breiten sich niederliegend-kriechend als dichte Matten über dem Boden aus oder steigen selbstständig aufrecht empor.
Unterirdisch sichern fleischige, knollige Speicherwurzeln oder kräftige, spindelförmige Pfahlwurzeln die Wasserversorgung in trockenen Substraten. Während die oberirdischen Triebe überwiegend kahl sind, sitzen an den Stängelknoten und im Bereich der Blütenstände oft feine, weißliche Haarbüschel, die umgewandelten Nebenblättern entsprechen.
Die ungestielten oder sehr kurz gestielten Blätter stehen meist wechselständig, seltener fast gegenständig an den Trieben und drängen sich an den Zweigspitzen oft rosettenartig zusammen. Als ausgeprägte Sukkulenten — also saftreiche Pflanzen mit spezialisiertem Wasserspeichergewebe — besitzen die Arten verdickte, ganzrandige Blattspreiten, die je nach Art zwei Hauptformen zeigen:
Die radiärsymmetrischen, zwittrigen Blüten sitzen einzeln oder in kopfig gedrängten Gruppen von bis zu 30 Blüten an den Triebspitzen, umgeben von einem Kranz laubblattartiger Hochblätter. Entwicklungsgeschichtlich zeigen die Blüten eine botanische Besonderheit: Die beiden grünen, an der Basis verwachsenen „Kelchblätter“ sind eigentlich umgewandelte Tragblätter (Brakteen), während die vier bis sieben leuchtend gelben, pinkfarbenen, roten oder weißen Schauorgane aus verschobenen Kelchblättern hervorgehen.
Im Zentrum der Blüte stehen zahlreiche (meist 6 bis 40, selten bis zu 100) empfindliche Staubblätter rund um einen halbunterständigen bis unterständigen Fruchtknoten, dessen Griffel in drei bis acht Narbenäste mündet. Nach der Bestäubung reift eine pergamentartige Deckelkapsel (Pyxidium) heran, deren obere Hälfte bei Reife kreisrund abspringt und zahlreiche winzige, nierenförmige Samen mit metallisch-grauer bis glänzend schwarzer, oft fein warzig skulptierter Samenschale (Testa) freigibt.
Von Mai bis September; die einzelnen Blüten öffnen sich meist nur für wenige Stunden an warmen, vollsonnigen Tagen über die Mittagszeit.
Vollsonnig und sehr hell; direktes Sonnenlicht ist zwingend erforderlich, damit sich die Blütenknospen öffnen.
Mäßig bis sparsam gießen; das Substrat zwischen den Wassergaben gut abtrocknen lassen und Staunässe im Wurzelbereich strikt vermeiden.
Warm und wärmeliebend bei 18 bis 30 °C; nicht winterhart, mehrjährige Arten müssen frostfrei bei mindestens 10 bis 15 °C überwintert werden.
Niedrige bis normale Luftfeuchtigkeit; verträgt trockene Sommerhitze problemlos und benötigt keinerlei Besprühen.
Für Menschen (insbesondere Portulaca oleracea) als Wild- und Kulturgemüse essbar, enthält jedoch Oxalsäure; für Haustiere wie Hunde, Katzen und Pferde können lösliche Oxalate bei größeren Mengen giftig wirken.
In der Gartenkultur und im städtischen Grün sind vor allem das aus Südamerika stammende Portulakröschen (Portulaca grandiflora) sowie der Flügelkapsel-Portulak (Portulaca umbraticola) geschätzte Sommerblumen. Dank ihrer extremen Hitze- und Trockenheitstoleranz eignen sie sich hervorragend für Steingärten, Trockenmauern, sonnige Pflasterfugen, Dachbegrünungen sowie für Balkonkästen und Hängeampeln auf Südbalkonen.
In der Küche und Ernährung spielt der Gemüse- oder Sommer-Portulak (Portulaca oleracea, insbesondere die Kulturform subsp. sativa) seit der Antike eine bedeutende Rolle als Blattgemüse:
Ernährungsphysiologisch und in der traditionellen Heilkunde vieler Kulturen gilt Portulaca oleracea als außergewöhnlich wertvoll, da die Blätter unter allen grünen Blattgemüsen einen der höchsten Gehalte an pflanzlichen Omega-3-Fettsäuren (insbesondere Alpha-Linolensäure) aufweisen. Darüber hinaus liefert das Kraut reichlich Vitamin C, Alpha-Tocopherol (Vitamin E), Beta-Carotin, Kalium sowie antioxidative Flavonoide und Schleimstoffe, die traditionell zur Linderung von Entzündungen und Magen-Darm-Beschwerden genutzt werden.
Um in sonnenverbrannten Felsspalten, auf Sanddünen und in offenen Halbwüsten zu bestehen, verfügen Vertreter der Gattung Portulaca über eine bemerkenswerte biochemische Flexibilität bei der Photosynthese. Unter normalen Bedingungen nutzen sie den leistungsfähigen C4-Weg, bei dem Kohlendioxid räumlich getrennt vorfixiert wird, um auch bei hohen Temperaturen und starker Sonneneinstrahlung ohne Wasser- und Energieverlust Zucker aufzubauen.
Sobald jedoch anhaltende Dürre eintritt, schalten Arten wie Portulaca oleracea und Portulaca grandiflora gezielt auf den Crassulaceen-Säurestoffwechsel (CAM) um — ein koordiniertes Notfallprogramm, bei dem alle physiologischen Rädchen präzise ineinandergreifen:
Ebenso fein auf das trockene, wechselhafte Klima abgestimmt ist die Blütenbiologie der Gattung, die den Pflanzen im Deutschen auch den Beinamen „Mittagsblumen“ eingebracht hat. Die zarten Schauorgane öffnen sich ausschließlich für wenige Stunden bei voller Sonneneinstrahlung; bleibt der Himmel kühl und bedeckt, praktizieren viele Arten Kleistogamie — eine verlässliche Selbstbestäubung innerhalb der geschlossenen Knospe, die den Samenansatz auch ohne Insektenflug garantiert.
Scheint hingegen die Sonne und landet ein Bestäuber auf der offenen Blüte, zeigen die Staubfäden vieler Arten eine schnelle Berührungsreaktion (Thigmonastie): Auf den feinen mechanischen Reiz hin neigen sich die Staubblätter aktiv zum Blütenzentrum oder zur Narbe hin und beladen das Insekt zielgenau mit Pollen.
In der Zierpflanzenzüchtung wurden vor allem aus dem Großblütigen Portulakröschen (Portulaca grandiflora) und dem Flügelkapsel-Portulak (Portulaca umbraticola) sowie deren Hybriden zahlreiche Sortenserien entwickelt, die auch bei weniger Sonne länger geöffnet bleiben:
Niedrig wachsende, sukkulente Pflanze aus den Trockensavannen des südlichen und östlichen Afrikas, benannt nach dem Hereroland in Namibia.
Eine seltene sukkulente Art aus den wechselfeuchten Savannen Nordaustraliens mit namensgebender Geschichte aus der Forschungszeit von Queensland.
Taxonsynonyme: Sedopsis, Lemia, Halimus, Meridiana
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